(AKAD37) Seneca – „Von der Seelenruhe“
Seneca ist einer der meistgelesen und populärsten Autoren der Philosophiegeschichte, und das beinahe durchgängig durch die Jahrhunderte. Als ein Vertreter der stoischen Philosophie wird sein „Werk heute gelesen wegen seines rationalistischen Moralismus, manchmal mit christlicher Ethik (und in jüngerer Zeit mit Existentialismus) imprägniert oder als eine Art Heilmittel für die Seele verwässert“, so die distanzierte Beschreibung der Rolle Senecas in der Gegenwart durch den Philologen Francesco Citti.
Ähnlich wie bei Platon sind Senecas philosophische Schriften literarische Werke, und diese erfreuen sich beim Lesepublikum großer Beliebtheit. Gleichzeitig haben sie eine enorme Wirkung in der intellektuellen europäischen Kulturgeschichte entfaltet, philosophisch und stilistisch vermittelt beispielsweise durch Augustinus, Petrarca und Montaigne. Gelesen und zitiert wurde er auch von Erasmus, Descartes, Diderot, David Hume, Rousseau, Kant, Foucault und Martha Nussbaum. Auf literarischem Gebiet finden sich Spuren seines Einflusses bei Shakespeare und Baudelaire. Hingegen kritisieren u.a. Pascal, La Rochefoucauld und Nietzsche die zu ihrer Zeit jeweils allgegenwärtigen Auffassungen Senecas.
„Von der Seelenruhe“ ist ein Dialog, in dem zu Beginn Senecas Freund Serenus seine Unruhe beschreibt, die dadurch hervorgerufen wird, dass er seine besten Absichten nicht durchhalten kann und immer wieder in seiner Lebenseinstellung schwankt. In seiner Antwort muntert Seneca seinen Freund auf und schlägt ihm verschiedene Wege vor, um eine ausgeglichenere Gemütslage zu erlangen. Hier zeigt sich, dass diese Schrift keine systematische akademische Abhandlung ist. Vielmehr variiert und ergänzt Seneca nach dem Muster klassischer Rhetorik verschiedene Gesichtspunkte, philosophische und psychologische Ratschläge, und anschauliche Metaphern. Diese unsystematische Abfolge kleiner Einlassungen lässt den Text wie eine wirkungsvolle Rede erscheinen und nicht wie eine theoretische Abhandlung, was zu ihrem literarischen und therapeutischen Erfolg beigetragen haben dürfte.
Wir werden „Von der Seelenruhe“ gemeinsam gründlich lesen und diskutieren.
Welche Empfehlungen gibt Seneca seinem Freund? Greift der Stoiker Seneca hier Positionen gegnerischer philosophischer Schulen auf? Welche Bedeutung hatte der von ihm zitierte Demokrit in der Antike für das Thema der Seelenruhe? Welche sprachlichen Bilder benutzt Seneca? Was lässt sich aus dem Text schließen mit Blick auf den gelegentlich geäußerten Vorwurf, Seneca habe sich in seiner öffentlichen Rolle am Hof Neros nicht eindeutig positioniert?
Literatur:
Seneca: „Vom glücklichen Leben“, Übersetzung: Heinz Berthold, Insel Verlag. ISBN: 9783458350972
Bitte beachten Sie die ISBN, da es auch viele andere Ausgaben gibt.
Dozent: Björn Haferkamp
Termine: 4 x donnerstags,
- 09.04. + 30.04. + 21.05. + 11.06.2026
Zeit: 16:15 (s.t.) bis 17:45 Uhr
Veranstaltungsart: hybrid, in Präsenz (Akademie, Raum B 0770) oder wahlweise Online-Teilnahme
Hinweis: Teilnehmerbegrenzung: 50 Personen in Präsenz
Entgelt als einzelne Buchung: 50,- Euro (wenn Sie diese Veranstaltungen als einzige im gesamten Sommersemester 2026 belegen)
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