(ZB) Welche Tugenden eigentlich? Die Tugenden bei Aristoteles

Aristoteles (rechts) und Platon
Aristoteles (rechts) und Platon

Die aristotelische Tugendethik erlebt – nachdem sie in der neuzeitlichen Philosophie lange Zeit bestenfalls eine Nebenrolle innehatte – seit einiger Zeit eine Renaissance. Eine Schlüsselrolle kommt dabei den Tugenden (wie z.B. Tapferkeit, Besonnenheit, Freigebigkeit, Wahrhaftigkeit) zu. Die Tugendethik gehört neben den klassischen Konzeptionen wie Kantianismus und Utilitarismus zu den meistdiskutierten und häufig praktisch angewendeten Ethikkonzeptionen. Jedoch ein Umstand daran ist überraschend:

Aristoteles ist der Vater der Tugendethik, und Tugendethik ist derzeit ein heißes Thema. Dennoch bleiben Aristoteles' Darstellungen der einzelnen Tugenden weitgehend unbeleuchtet, da sich die meisten zeitgenössischen Kommentatoren seiner Nikomachischen Ethik auf andere Themen konzentriert haben.“ (Howard Curzer, Aristotle and the Virtues)

Dies ist nicht nur erstaunlich, weil man vielleicht erwarten würde, dass schon aus philosophiehistorischen Gründen bei einem so prominenten Thema die Beispiele für den zentralen Begriff dieser Denkschule diskutiert werden sollten. Aristoteles’ Darstellung der Tugenden ist aus heutiger Sicht auch deshalb interessant, weil er aufschlussreiche psychologische Beschreibungen der personellen charakterlichen Voraussetzungen und der Anwendungskontexte der Tugenden liefert. Welche Herausforderungen hat ein Mensch in einer konkreten Situation zu meistern, und wie trägt eine Tugend dazu bei? Die Beantwortung der so wichtigen Frage, wie Tugenden entstehen und wie ihre Herausbildung gefördert werden kann, hängt von dieser Darstellung ab. Aristoteles hat dies als Ziel der Untersuchung der Tugenden beschrieben: „Wir werden die Fakten über den Charakter besser verstehen, wenn wir sie im Detail durchgehen“.

 

Diese Einschätzung findet sich auch in heutigen philosophischen und psychologischen Theorien, beispielsweise der Positiven Psychologie.

 

Diese Veranstaltung gibt einen einführenden Überblick über die einzelnen Tugenden, wie sie von Aristoteles beschrieben werden. Wir wollen untersuchen, welche Tugenden Aristoteles in der „Nikomachischen Ethik“ besprochen hat, wie er sie verstanden hat, und diskutieren, ob sie aus heutiger Sicht noch relevant erscheinen und ob sie uns brauchbare Hinweise zur Orientierung in Lebenssituationen geben. Welche Merkmale und welche Unterschiede arbeitet Aristoteles heraus, und wie werden Tugenden dann in konkreten Situationen wirksam? Wie helfen sie dabei, Situationen überhaupt zu erfassen?

 

Grundlage ist die „Nikomachische Ethik“ (Buch II-V) von Aristoteles, deren Lektüre aber nicht vorausgesetzt wird. Informationen zur Übersicht werden während der Veranstaltung zur Verfügung gestellt. 
 


Dozent:  Björn Haferkamp

Termine:   2 x donnerstags

  • 19.02., 05.03.2026

Zeit:    16:15 (s.t.) bis 17:45 Uhr

Entgelt:    35,- Euro

Veranstaltungsart:   hybrid, in Präsenz (Akademie, Raum B 0770) oder wahlweise Online-Teilnahme

Hinweis:   Teilnehmerbegrenzung: 50 Personen in Präsenz

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