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Forschungsgebiete

Unternehmenspublizität entzieht sich zunehmend einem rein nationalen Regulierungsansatz. Deutlich sichtbar wird dies vor allem an der Verbreitung internationaler Rechnungslegungsregeln, den IFRS. In Ländern mit vormals starkem staatlichem Einfluss geht dieser zurück. Gleichzeitig kommt es in Ländern, in denen ein solcher Einfluss traditionell gering war, zu einer stärkeren Rolle des Staates. Beide Entwicklungen führen zu einer konvergenten Lösung, bei der transnationale, teils auch supranationale Arrangements eine wichtige Rolle spielen und sich der Staat weitgehend aus einer Organisationsverantwortung zurückzieht.

Die empirische Kapitalmarktforschung stellt einen zentralen Bestandteil aktueller Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Rechnungslegung dar. Hierbei wird die Relation zwischen Kapitalmarkt und Jahresabschluss untersucht. Die Relevanz dieses Forschungsabschnitts resultiert aus der fundamentalen Analyse und Bewertung, den Markteffizienztests und der Rolle des Jahresabschlusses bei dem Abschließen von Verträgen und politischen Prozessen. Die Schwerpunkte der empirischen Kapitalmarktforschung des Lehrstuhl sind die fundamentale Analyse und Bewertung, Bilanzpolitik, Wertrelevanz des Jahresabschlusses und Corporate Governance. 

Die Bilanzierung von Versicherungsverträgen nach IFRS und HGB gehört zu den komplexesten Bilanzierungsfragen. Im Jahre 2017 führte das IASB den IFRS 17 "Versicherungsverträge" ein, der neue Grundsätze in Bezug auf Ansatz, Bewertung, Ausweis und Angaben vorgibt. Der Lehrstuhl begleitet die Entwicklung der neuen internationalen Rechnungslegungsstandards für Versicherungsverträge und analysiert insbesondere deren praxisrelevante Implikationen.

Corporate Governance bezeichnet Regeln guter Unternehmensführung. Inzwischen liegen in Europa eine Reihe von Kodizes zur Unternehmensführung vor. Im Rahmen dieses Forschungsschwerpunkts wird untersucht, ob und in welchem Umfang Kodizes Einfluss auf die Performance von Unternehmen am Kapitalmarkt haben. 

Im Rahmen dieses Forschungsschwerpunkts befasst sich der Lehrstuhl mit der Abschätzung von Kostenwirkungen, die aus dem Handel mit Emissionszertifikaten für CO2 entstehen und den Entscheidungsrahmen der Unternehmen verändern. Dies manifestiert sich einmal durch zur Verfügung gestellte und möglicherweise in die Kostenrechnung einzubeziehende Rechte. Zum anderen entstehen Abbildungsprobleme in den Bilanzen der betroffenen Unternehmen, die durch Kapitalmarkteffekte unter Umständen zu erhöhten Kapitalkosten und niedrigeren Marktbewertungen führen. Hierduch drohen adverse wirtschaftliche Effekte. Daher entwickelt der Lehrstuhl Vorschläge, wie Kosten aus dem Zertifikatehandel reduziert werden können. 

Die politische Ökonomie der Rechnungslegung setzt sich mit der Entstehung und Entwicklung von Rechnungslegungsvorschriften unter Berücksichtigung der vielschichtigen Interessen gesellschaftlicher Akteure auseinander. Hierbei wird angenommen, dass Rechnungslegung weder eine rein technische noch eine neutrale Disziplin darstellt, sondern je nach Ausgestaltung unterschiedliche Auswirkungen auf die Wohlfahrt der einzelnen Akteure hat. Eine durch das vorherrschende Rechnungslegungssystem erzeugte Information kann somit intersubjektiv einen unterschiedlichen Wert beigemessen werden, abhängig von Entscheidung und Präferenz des Akteurs.