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Familien-Bilder

Lebensgemeinschaften und Kino

24. Internationales Bremer Symposium zum Film

Im Zentrum des diesjährigen Symposiums stehen alte und neue Formen des Zusammenlebens. Seit seinen Anfängen reflektiert das Kino das Leben in Gemeinschaften: Neben klassischen Familienkonstellationen, ihrem Zerfall und ihrer Wiedergeburt finden sich dort familiäre Wohngemeinschaften und queere Lebensformen. Familien sind aber auch Arbeits- und Produktionsgemeinschaften, die Filme und Kino hervorbringen – Film und Leben als gemeinschaftliche Praxis miteinander verbinden. Film und Kino sind dabei zugleich Experimentierfelder, Reflexionsorte und Heterotopien („Andere Räume“, Foucault 1992), die aus der Enge von gegebenen Familien herausführen und neue Gemeinschaften begründen.

Neben dem Fokus auf die romantische Paarfindung hat das Kino immer auch Bilder von Familien präsentiert. Diese zeigen Familien sowohl als historisch gewachsene Zusammenhänge von Kultur und Gesellschaft als auch als Konstruktion oder Stereotypen spezifischer Ideologien, Ikonologien und Denkmuster. Der Variantenreichtum dieser Familien-Bilder hat insbesondere im jüngeren Filmschaffen dazu beigetragen, dominante Modelle der Kleinfamilie nicht nur der westlichen Welt wie auch die damit häufig verbundenen biologisch determinierten Verwandtschaften zu reflektieren, zu kritisieren und infrage zu stellen. Alternative, queere oder „diasporische“ Formen des Zusammenlebens und der Wahlverwandtschaft wurden gleichfalls als Modelle einer anderen Vergemeinschaftung audiovisuell präsentiert und diskutiert.

Das Symposium lädt internationale Fachleute und Filmschaffende ein, um über das Verhältnis von Lebensgemeinschaften und Kino nachzudenken. Schwerpunkte werden gesetzt durch die Themen zur Familie als Produktions- und Sorgegemeinschaften, Home Movies als mediale Konstruktionen von Familie sowie zum Einfluss nationaler Identitätsregimes auf die Familienkonstitution.

Das Filmsymposium wendet sich mit der engen Verzahnung von öffentlichen Vorträgen, Filmvorführungen und Filmgesprächen an das filminteressierte Kinopublikum und an Fachbesucher*innen. Es ist eine langjährige Kooperation zwischen dem CITY 46 / Kommunalkino Bremen e.V., der AG Filmwissenschaft / FB 9 Kulturwissenschaften und der AG Geschichte Lateinamerikas / FB 8 Sozialwissenschaften, zweier ZeMKI-Einrichtungen, und wird gefördert durch die nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/ Bremen mbH. Die aktuelle Ausgabe entstand in Zusammenarbeit mit dem EU Horizon 2020-Projekt Visual History of the Holocaust: Rethinking Curation in the Digital Age.

Programm

Mittwoch, 08.05.2019

19:00 Uhr: Vortrag 1
Weit verstreut doch eng verbunden: Diasporafamilien im zeitgenössischen europäischen Kino
   | Daniela Berghahn (London)

 

20:30 Uhr: Film zu Vortrag 1
ALMANYA – WILLKOMMEN IN DEUTSCHLAND
   | D 2011, Regie: Yasemin Şamdereli, 101 Min.
   | mit Einführung von Daniela Berghahn

Donnerstag, 09.05.2019

10:00 Uhr: Forum 1a – PRODUKTIONSFAMILIEN
10:00 Uhr: „At Least the Money Will Stay in the Family.“ Film- und Familienproduktion bei Chantal Akerman
   | Theodor Frisorger (Köln)

10:45 Uhr: Familiennester: Konfigurationen des Familiären als Zugang zu Béla Tarrs Kino
   | Jonathan Klamer (Marburg)

11:25 – 11:40 Pause

11:40 Uhr: Forum 1b – KINDER UND FILM
Zwischen Kindheit und Erwachsensein: Fragen zur Zuschauertheorie
   | Bettina Henzler (Bremen)

12:25 Uhr: Children in (A-)Families: Pedro Costa’s O Sangue and Tizza Covi and Rainer Frimmel’s La Pivellina
   | Loreta Gandolfi (Cambridge)
   | Vortrag in engl. Sprache

 

14:30 Uhr: Filme zu Vortrag 2
ETWAS TUT WEH (Jungmann 1980)
   | BRD 1979, Regie: Recha Jungmann, 72 Min.
   | Vorfilm: FAMILIENGRUFT (BRD 1981/82, Regie: Maria Lang, 12 Min., 16mm)
   | mit Einführung von Annette Brauerhoch

 

16:30 Uhr: Vortrag 2
Demontagen, Reinszenierungen: Familie, Geschichte und filmische Form
   | Annette Brauerhoch (Paderborn)

 

20:00 Uhr: Kommentiertes Filmkunstprogramm
Familiensache(n)
   | kuratiert und vorgestellt von Elena Zanichelli (Bremen)

Freitag, 10.05.2019

10:00 Uhr: Forum 2 – HOME MOVIES ALS ARCHIV
10:00 Uhr: Ahnen im Archiv
   | Babylonia Constantinides (München/Zürich)

10:45 Uhr: A Question of Affinity: Notizen zum frühen österreichischen Amateurkino
   | Sandra Ladwig (Wien)

11:25 – 11:40 Pause

11:40 Uhr: „Eine Maexie Production“: Ellen Illichs Familienfilme zwischen Erinnerungsproduktion und Selbstvergewisserung
   | Michaela Scharf (Wien)

 

14:30 Uhr: Film zu Forum 1b
LA PIVELLINA
   | Little Girl, I/A 2009, Regie: Tizza Covi und Rainer Frimmel, 100 Min., OmU, 35mm
   | mit Einführung von Loreta Gandolfi

 

16:30 Uhr:  Archivprojekt
Ivan und seine Brüder – 16mm-Filme der Familie Illich (1936–42)
   | Michael Loebenstein / Ingo Zechner (Wien)
   | Gäste: Yvonne Illich (Boston), Lindsay Zarwell (Washington), Michaela Scharf (Wien)
   | Präsentation in engl. Sprache

 

20:30 Uhr: Film zu Forum 2
STORIES WE TELL
   | CDN 2012, Regie: Sarah Polley, 108 Min., engl. OmU
   | mit Einführung von Babylonia Constantinides

 

22:30 Uhr: Film zu Forum 3
UNDER THE SHADOW
   | GB/KAT/JOR 2016, Regie: Babak Anvari, 84 Min., farsi OmU
   | mit Einführung von Janna Heine

Samstag, 11.05.2019

10:00 Uhr: Forum 3 – NATIONALE FAMILIENKINEMATOGRAFIEN
10:00 Uhr: Familienhorror in Teheran. Haunted House aus iranischer Perspektive
   | Janna Heine (Berlin)

10:45 Uhr: Nähe und Ferne des Familien-Bildes in Eine Stadt der Traurigkeit: Die Übertragung traditioneller ostasiatischer Bildkomposition in das moderne Medium des Films
   | Wonho Lee (Berlin)

11:25 – 11:40 Pause

11:40 Uhr: Sozialistische Konversationsgemeinschaften: Tischgespräche als Ausdruck familiären Lebens im DEFA-Gegenwartsfilm der 1970er Jahre
   | Andy Räder (Rostock)

12:25 Uhr: „Ihre wirkliche konkrete Situation, von morgens bis abends und abends bis morgens“. Filmische Sorgegemeinschaften in Sto Spiti und Huba
   | Julian Jochmaring (Potsdam)

 

14:00 Uhr: Film + Gast
DAS UNMÖGLICHE BILD
   | D/A 2016, Regie: Sandra Wollner, 69 Min.
   | Gast: Filmemacherin Sandra Wollner

 

18:00 Uhr: Film zu Forum 3
STO SPITI – AT HOME
   | GR/D 2014, Regie: Athanasios Karanikolas, 103 Min., OmU
   | mit Einführung von Julian Jochmaring

 

20:30 Uhr: Stummfilm + X
WEIBLICHE JUNGGESELLEN
   | Norrtullsligan, S 1923, Regie: Per Lindberg, 86 Min., tinted, stumm, engl. Zwischentitel
   | Live-Musikbegleitung: RØD (Hamburg/Bremen)

 

22:30 Uhr: Spätfilm
WHAT WE DO IN THE SHADOWS
   | 5  Zimmer Küche Sarg, NZ 2014, Regie: Jemaine Clement und Taika Waititi, 82 Min., OmU

Sonntag, 12.05.2019

16:00 Uhr: Familienkino
MEIN LEBEN ALS ZUCCHINI
   | Ma vie de courgette, F/CH 2016, Regie: Claude Barras, 66 Min., DF
   | mit action&fun! im Anschluss

 

20:30 Uhr: Film
A FAMILY AFFAIR
   | NL/DK 2015, Regie: Tom Fassaert, mit Marianne Hertz, 115 Min., holl. OmengU

         

Aktualisiert von: Steven Keller