Mitarbeitende
Sie haben bemerkt, dass sich ein:e Kolleg:in oder eine nahestehende Person Ihres persönlichen Umfelds in der letzten Zeit verändert hat oder sich häufig auffällig verhält.
Zum Beispiel vernachlässigt diese Person ihre Arbeit, ist unpünktlich, vergisst Termine oder zeigt nicht mehr die bisherige Leistung.
Vielleicht lässt sie Hobbys und soziale Kontakte schleifen und geht nicht mehr mit dem Eifer den Dingen nach, die ihr bisher wichtig waren.
Vielleicht ist Ihnen auch aufgefallen, dass die Person nicht ganz ehrlich ist und häufig Ausreden oder “Notlügen” bereit hält.
Gerade im Arbeitskontext aber auch im Privatleben es wichtig, dass Sie der betreffenden Person weder Arbeit noch Verantwortung abnehmen, diese vor anderen entschuldigen oder deren Versäumnisse kaschieren, da dies das Verhalten unterstützen würde.
Vielleicht haben Sie außerdem bemerkt, dass sich das Aussehen der Person verändert hat. Mangelnde Hygiene, ein nachlässiges Äußeres sowie Gewichtszu- oder abnahme können mit riskantem Konsumverhalten und Suchterkrankungen in Zusammenhang stehen. Ebenso können körperliche Beschwerden wie Zittern, Schwitzen, Übelkeit oder Kopfschmerzen auf problematischen Konsum hindeuten.
Vielleicht ist Ihnen aber auch aufgefallen, dass die Person häufig Stimmungsschwankungen hat, schnell reizbar oder aggressiv ist, öfter einen ängstlichen und/oder niedergeschlagenen Eindruck macht, desinteressiert wirkt und/oder sich zurückzieht und isoliert.
All diese Verhaltensweisen können ein Hinweis auf kritisches Konsumverhalten oder eine Abhängigkeitserkrankung sein. Sie können ihre Ursache aber auch in anderen Umständen haben und Ausdruck von persönlichen Schwierigkeiten, Lebenskrisen, tiefgreifenden Veränderungen, (psychischen) Erkrankungen, Konflikten und anderen Problemen sein.
Urteilen Sie nicht vorschnell, sondern suchen Sie das vertrauliche Gespräch und gehen dabei behutsam vor. Suchterkrankungen sind für die Betroffenen in der Regel sehr schambesetzt und oft mit Schuldgefühlen verbunden. Aus diesem Grund neigen Süchtige häufig dazu, die Problematik zu verheimlichen und Symptome zu bagatellisieren. Gleichwohl berichten viele ehemals Abhängige, dass die „Entdeckung“ ihrer Sucht und das offene Ansprechen eine Erleichterung war und der erste Schritt auf ihrem Weg zur Heilung.
Wenn Sie also wie oben beschrieben oder ähnliche Beobachtungen gemacht haben, nutzen Sie die Gelegenheit und sprechen Ihre:n Kolleg:in bzw. Ihre:n Angehörige:n direkt an.
Für die Ansprache wählen Sie ein geeignetes Gesprächssetting, in dem Sie ungestört und in Ruhe mit der betreffenden Person sprechen können.
Teilen Sie Ihre Beobachtungen und Wahrnehmungen möglichst neutral und wertfrei mit, vermeiden Sie Mutmaßungen und Interpretationen. Sprechen Sie von Ihren Sorgen und darüber, was die Veränderungen in Ihnen auslösen.
Wenn es angezeigt ist, weisen Sie auf professionelle Hilfsangebote und Unterstützungsmöglichkeiten wie beispielsweise die Suchtprävention der Universität Bremen hin. Geben Sie Ihrem Gegenüber genügend Raum, die eigene Sichtweise, Gedanken und Gefühle darzustellen ohne sich rechtfertigen zu müssen.
Das Thema riskanter Konsum und Sucht ist immer noch ein großes Tabu und sehr häufig mit Stigmatisierung verbunden.
Seien Sie also nicht überrascht, wenn Ihr:e Gesprächspartner:in alles abstreitet, Ihre Sorgen ins Lächerliche zieht, bagatellisiert, wütend reagiert und/ oder das Gespräch verlässt. Nehmen Sie ein solches Verhalten nicht persönlich und geben der Person Zeit, die Situation zu verarbeiten. Gegebenenfalls können Sie zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal darauf zurückkommen und ein klärendes Gespräch führen. Sollte dies nicht möglich sein, können Sie sich vertraulich an die zuständige Führungsperson und/oder an die Betriebliche Suchtprävention wenden. Bei Bedarf ist es auch möglich, weitere Hilfs- und Serviceeinrichtungen der Universität Bremen zur Beratung hinzuzuziehen.
