Alkohol

Menschen, die mit Alkohol anstoßen

Alkohol

Alkohol ist die in Deutschland am häufigsten konsumierte psychoaktive Substanz. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund 10,5 Litern reinen Alkohols pro Jahr (bezogen auf die Bevölkerung ab 15 Jahren) gilt die BRD als Hochkonsumland. Rechnet man das auf reale Getränke um, trinkt jede Person in Deutschland im Schnitt etwa 115 Liter alkoholische Flüssigkeiten pro Jahr (den größten Anteil macht Bier aus). 

Der gesellschaftliche Blick auf Alkohol ist bislang weitgehend unkritisch, gilt er doch als Kulturgut und hat seinen festen Platz bei sozialen Ereignissen. Bislang wurde ein täglicher Verzehr von bis zu einem Glas Wein für Frauen und zwei Gläsern für Männer als unbedenklich eingestuft. Zudem wurde dem maßvollen Genuss von Rotwein eine positive Wirkung auf die Gesundheit zugeschrieben

Neue Studien und Zahlen widerlegen dies. 

2024 haben die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Robert Koch-Institut (RKI) die Definitionen für risikoarmen Konsum drastisch verschärft: Nach aktuellem Forschungsstand gibt es keinen gesundheitlich unbedenklichen Alkoholkonsum. Mehr als zwei alkoholische Standardgetränke pro Woche gelten bereits als Konsum mit moderatem oder hohem Risiko. 

Alkohol ist an der Entstehung von bis zu 200 Krankheiten beteiligt, darunter Leberschaden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen und neurologische Erkrankungen wie etwa Demenz. Darüber hinaus ist Alkohol als Karzinogen der Gruppe 1 (höchste Risikogruppe u. a. mit Tabak und Asbest) eingestuft und ursächlich für mindestens sieben Krebsarten, darunter Brust- und Darmkrebs. Laut WHO ist Alkohol für ein Elftel aller Todesfälle in der europäischen Region verantwortlich.

Neben den gesundheitlichen Schäden trägt Alkohol auch zu sozialen und gesellschaftlichen Problemen bei. 

2024 starben bei Verkehrsunfällen im Zusammenhang mit Alkohol 198 Menschen. 17.800 Menschen wurden verletzt. Die Zahl der Unfälle, bei denen mindestens eine unfallbeteiligte Person alkoholisiert war, lag 2024 bei 35.100.

Auch bei Straftaten spielt Alkohol eine Rolle. Insbesondere Gewaltdelikte, einschließlich sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt, finden häufig unter dem Einfluss von Alkohol statt. Schäden betreffen dabei nicht nur die trinkende Person selbst, sondern auch ihre Familie und das soziale Umfeld.

 

Die durch Alkohol generierten Steuereinnahmen von jährlich 2,1-3 Milliarden Euro stehen dabei in keinem Verhältnis zu dem jährlich entstehenden volkswirtschaftlichen Schaden in Höhe von schätzungsweise 57 Milliarden Euro. Direkte Kosten von etwa 16,6 Mrd. Euro entfallen auf Ausgaben für medizinische Behandlungen in Krankenhäusern, Rehabilitationsmaßnahmen, Medikamente und ambulante Therapien. Indirekte Kosten von etwa 40,4 Mrd. Euro werden durch Produktivitätsverluste in der Wirtschaft verursacht, also krankheitsbedingte Fehlzeiten am Arbeitsplatz, Arbeitslosigkeit, Frühverrentung oder durch vorzeitigen Tod. 

Lange Zeit wurde der Konsum von Alkohol sehr unkritisch betrachtet. Die aktuelle Datenlage aber zeigt, dass sich eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsum- und Trinkverhalten durchaus lohnen und zu einem Gewinn an Gesundheit führen kann.

Aktualisiert von: A.Freter