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Lehr-Lern-Materialien aufbereiten

Der Einsatz didaktisch aufbereiteter Lehr-Lern-Materialien in Ihrer Lehrveranstaltung unterstützen den Lernprozess und ist einer der wirksamsten Aspekte erfolgreicher Hochschullehre.

Wozu dienen Lehr-Lern-Materialien?

Blatt mir Stift

 

 

Lehr-Lern-Materialien unterstützen den Lernprozess der Studierenden beim Selbst- und Präsenzstudium und dienen somit dem Erreichen der Lernergebnisse der Veranstaltung. Dabei bezeichnen Lehr-Lern-Materialien den mit Hilfe von passenden Medien aufbereiteten Lehr-Lernstoff. Gut aufbereitete Materialien sind eine der wirksamsten Aspekte erfolgreicher Hochschullehre (Ulrich, 2016).

Einsatzmöglichkeiten von Lehr-Lern-Materialien

Sie können Ihr Material nutzen, um den Studierenden eine Orientierung über die zu behandelnden Inhalte zu geben. Materialien dienen auch der anschaulichen Darstellung der Inhalte (z.B. Fachlandkarten, Grafiken, Tabellen) oder der Unterstützung von Präsenzphasen durch Folien. Schließlich können Materialien zur Überprüfung von Wissen durch Arbeitsblätter oder zur Prüfungsvorbereitung erstellt werden (Hochschuldidaktisches Infoportal Themensammlung, o.J.).

Machen Sie sich im Vorfeld Gedanken darüber, wofür Sie die Materialien einsetzen und wie Sie diese inhaltlich, didaktisch und gestalterisch aufbereiten wollen.

Dieser Leitfragebogen dient Ihnen als Orientierunghilfe bei der Erstellung von Lehr-Lern-Materialien.

Praxistipps

Lehr-Lern-Materialien gestalten

Für die Gestaltung von Lehr-Lern-Materialien können Sie folgende didaktische Elemente beachten:

  • Machen Sie die Lernergebnisse transparent (siehe Constructive Alignment).
  • Bieten Sie Orientierung und nehmen Sie eine Vorstrukturierung der Inhalte vor um so die Inhalte besser mit dem Vorwissen verknüpfen zu können.
  • Schreiben Sie Zusammenfassungen, die einen kurzen Überblick über das Thema ermöglichen.
  • Stellen Sie Fragen oder Kontrollaufgaben zum Selbstassessment.
  • Formulieren Sie Merksätze.
  • Erstellen Sie ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen.
  • Bauen Sie ansprechende Gestaltungselemente und Visualisierungen ein.

Lehr-Lern-Materialien erstellen

Einen möglichst großen Nutzen haben Lehr-Lern-Materialien, wenn sie nach didaktischen Aspekten gestaltet sind. Berücksichtigen Sie die Zielgruppe(n), Rahmenbedingungen, Lernergebnisse, Inhalte, Methoden sowie mögliche Prüfungsformen, wenn Sie Lehr-Lern-Materialien erstellen (zur Information siehe Konzeption von Lehrveranstaltungen).

Lehr-Lern-Materialien sollen auch funktional sein. Ziel ist es, den Lernprozess der Studierenden zu fördern und dabei den Zeitaufwand für die Erstellung der Materialien in einem angemessenen Rahmen zu halten.

Einige Beispiele für die Funktionalität von Materialien:

Beispiel 1: Präsentationsfolien sollen auch als Skript dienen:Beispiel 2: Materialien sollen der Selbstkontrolle dienen:
Hier steht der Anspruch, die Präsentationsfolien nur mit den wichtigsten Informationen zu gestalten, konträr zu den Anforderungen an ein ausführliches Skript. Damit die Präsentationsfolien nicht mit Informationen überladen werden, kann eine ausführlichere Version mit Notizen und extra Folien als Skriptersatz erstellt werden. Die kürzere Version kann dann während des Vortrags zum Einsatz kommen.

Bieten Sie den Studierenden beispielsweise Fragen, Aufgaben oder Lückentexte am Ende eines Kapitels. Dies kann sowohl der Vor- als auch Nachbereitung zur Veranstaltung dienen, da die Ergebnisse in der Präsenz besprochen oder thematisch behandelt werden können.

 

Damit Sie die Qualität Ihres Lehr-Lern-Materials bewerten können, steht Ihnen hier eine Checkliste als PDF-Download zur Verfügung.

Es gibt viele technische und gestalterische Möglichkeiten, Materialien zu erstellen. Im Mittelpunkt steht hierbei der Sinn der Gestaltung, denn nicht alles technisch Mögliche unterstützt auch den Lernerfolg: Ist die Grafik sinnvoll? Muss der Text so lang sein? Brauche ich eine komplizierte Animation in den Folien? Zentrale Inhalte sollen klar formuliert werden und der Sinn des Materials sollte ersichtlich sein. Vermeiden Sie überladene Materialien mit unwichtigen Aspekten. Alles Überflüssige sollte weggelassen werden.

Lehr-Lern-Materialien sollten einheitlichen Standards entsprechen. Eine konsistente Verwendung didaktischer, sprachlicher und gestalterischer Mittel hilft, die Orientierung zu behalten. Achten Sie daher auf einen konsistenten Sprachstil, einheitliche Schriftarten und eine durchgehende Farbgebung. Außerdem sollte das Material fehlerfrei, vollständig und präzise sein. Dies fördert die Glaubwürdigkeit der Materialien und verhindert eine Ablenkung auf unwesentliche Aspekte.

Es gibt einige Aspekte, die Sie bei der Gestaltung des Layouts von Materialien berücksichtigen können. Diese leiten sich von den Gestaltgesetzen aus der Wahrnehmungspsychologie ab. Diese gehen davon aus, dass die menschliche Wahrnehmung auf bestimmten Struktur- und Ordnungsprinzipien fußt (Anderson 2007). Folgt man diesen Prinzipien bei der Gestaltung von Materialien, können die Inhalte visuell besser erschlossen werden und so effektiver gelernt werden. Sie können Ihre Materialien also deutlich wirkungsvoller gestalten, wenn Sie die folgenden Gesetzmäßigkeiten der menschlichen Wahrnehmung beachten (Thesmann 2010):

Gesetz der Ähnlichkeit
Gestalten Sie wiederkehrende Elemente immer ähnlich, z.B. in gleicher Farbe, gleicher Größe oder gleicher Form. Dies dient einer besseren Orientierung.

Gesetz der Nähe
Bei der Aufbereitung von Lehr-Lern-Materialien sollten zusammenhängende Elemente in räumlicher Nähe zueinander dargestellt werden, damit ihre Zugehörigkeit ersichtlich wird. Beispielsweise sollten Abbildungen und Bildunterschriften nahe beieinander angeordnet werden.

Gesetz der Prägnanz
Über Farbe, Größe, Kontrast oder Rahmen können wesentliche Elemente, wie Merksätze, zentrale Formeln oder wichtige Textabschnitte, hervorgehoben werden.

Gesetz der Geschlossenheit
Die Wahrnehmung wird erleichtert, wenn Elemente durch Geschlossenheit eine Einheit bilden. Dafür eignen sich besonders Rahmen und Konturlinien, die Elemente in Bezug zueinander setzen und so eine Geschlossenheit herstellen.

Die Qualität des Lehr-Lern-Materials ist ein wichtiger Faktor, um die Inhalte der Veranstaltung erfolgreich übermitteln zu können. Überprüfen Sie Ihr Lehrmaterial anhand Gütekriterien, die qualitativ hochwertiges Lehrmaterial ausmachen (Müller, F., Oeste, S. & Söllner, M. (2015) ; Müller, H. & Sperl, A. (2016)). Einen ausführlichen Kriterienkatalog zur Bewertung der Qualität von Lehr-Lern-Materialien finden Sie hier.

Open Educational Resources bezeichen jegliche Materialien, die Lehrenden und Lernenden frei und ohne Nutzungs- und Lizenzgebühren i.d.R. online zur Verfügung stehen. OER können bei entsprechender Qualität in die Hochschullehre integriert werden. Die Materialien können je nach Lizenzierung an die jeweilige Zielgruppe angepasst werden.

Für Sie als lehrende Person hat das den Vorteil, dass Sie Ihr Lehrmaterial nicht (vollständig) selbst erarbeiten müssen oder die bereits bestehenden Lehrmaterialien anderer als Inspirationsquelle für die Erarbeitung eigener Materialien nutzen können.

Folgende Plattformen stellen Materialien auf Hochschulniveau bereit:

Ausführliche Informationen zu OER erhalten Sie hier.

 

Quellen, Downloads und Autorinnen

Quellen

Anderson, J. R. (2007). Kognitive Psychologie. Berlin: Spektrum Akademischer Verlag.

Hochschuldidaktisches Infoportal Themensammlung. (o. J.). Abgerufen am 22. April 2020 von https://www.einfachlehren.tu-darmstadt.de/themensammlung/index.de.jsp#thema_6400

Müller, F., Oeste, S., & Söllner, M. (2015). Entwicklung eines Bewertungsinstruments zur Qualiät von Lernmaterial am Beispiel Erklärvideo. Working Paper Series.

Müller, H. & Sperl, A. (2016). Systematisierung und Validierung von Studienmaterialien: Qualitätskriterienkatalog. Weiterbildung Mittelhessen. Abgerufen am 22. April 2020 von http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2016/12299/pdf/Mueller_Sperl_Systematisierung_2016.pdf

Thesmann, S. (2010). Einführung in das Design multimedialer Webanwendungen. Wiesbaden: Vieweg+Teubner Verlag.

Ulrich, I. (2016). Gute Lehre in der Hochschule: Praxistipps zur Planung und Gestaltung von Lehrveranstaltungen. Wiesbaden: Springer.

Aktualisiert von: Maren Praß