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Lehr-Lern-Methoden kennenlernen

Mit Lehr-Lern-Methoden können Sie den Weg der Erkenntnisgewinnung (Lernprozess) effektiv, abwechslungsreich und interessant gestalten und somit den Lernerfolg Ihrer Studierenden positiv beeinflussen.

Lehr-Lern-Methoden

Was ist eine Lehr-Lern-Methode?

Leuchtende Glühbirne

Lehre an Hochschulen findet in unterschiedlichen Formaten statt, wie z.B. Vorlesung, Seminar, Übung oder Praktikum (siehe Lehr-Lern-Format auswählen). Das Format beschreibt allerdings eher die äußere Form. Beim Thema Lehr-Lern-Methoden steht die Ausgestaltung des Formats im Vordergrund. Bei der Betrachtung von Lehr-Lern-Methoden geht es weder um wissenschaftliche Methoden, noch um die äußere Form, sondern vielmehr um die innere Gestaltung von Lehrveranstaltungen.

Lehr-Lern-Methoden können als Regelsystem für Handlungen angesehen werden. Das Regelsystem beschreibt dabei den Ablauf der Handlungen, um von einem Ausgangs-Lernstand zu einem Ziel-Lernstand  zu gelangen. Methoden sind demnach geplante Schritte und beschreiben das „Wie“. Sie sollen in jedem Fall das Lernen fördern und unterstützen (Macke, Hanke, Viehmann & Raether, 2016). 

Didaktische Ziele von Lehr-Lern-Methoden

Um didaktische Ziele von Lehr-Lern-Methoden zu definieren, lassen sich Methoden zunächst anhand des didaktischen Dreischritts einteilen (siehe Lehr-Lern-Einheiten konzipieren und Lehr-Lern-Methoden auswählen). Diese Gliederung bezieht sich zunächst auf einen Veranstaltungstermin, kann aber auch grob auf die gesamte Veranstaltungslaufzeit (z.B. ein Semester) bezogen werden. Für die drei Phasen gibt es passende Methoden, die sich jedoch hinsichtlich ihrer Zielsetzungen unterscheiden (Macke et al., 2016).

Didaktische Zielsetzung bei den drei Phasen einer Lehr-Lern-Einheit

Einstieg

  • Vorwissen aktivieren 
  • Wissensstand ermitteln
  • Orientierung bieten
  • Zusammenhänge erkennen
  • Interesse wecken und motivieren

Arbeitsphase

  • Lernen anregen
  • Lernen unterstützen
  • Lernen lenken

 

Abschlussphase

  • Wissen festigen
  • Ergebnisse sichern
  • Vorwissen mit Wissenszuwachs vergleichen
  • Feedback zum Gelernten erhalten
  • Weiterlernen ermöglichen
Lupe

Praxistipps

Was bezweckt der Einsatz von Methoden?

Einstieg

Zu Beginn eines Lernprozesses  sollten Sie den Wissensstand der Studierenden erfragen. Nicht immer stimmen Ihre Erwartungen mit dem Lernstand der Studierenden überein. Umgekehrt bringt es den Studierenden Transparenz, welche Erwartungen Sie an sie stellen. Außerdem können Sie so Ihre Studierenden motivieren, da die Zusammenhänge zwischen ihrem Vorwissen und der bevorstehenden Veranstaltung deutlich werden. Lerninhalte können somit leichter verknüpft und das Tiefenlernen gefördert werden (Hoffmann & Kiehne, 2018; Macke et al., 2016) (Siehe Zielgruppe bestimmen).

Arbeitsphase

Sie können durch den Einsatz geeigneter (interaktiver) Methoden Studierende motivieren und den Lernprozess fördern (Groß, Boden & Boden, 2012; Macke et al., 2016). Außerdem kann es Ihnen gelingen

  • Studierende für den Inhalt und das Thema zu begeistern.
  • die Auseinandersetzung mit der Materie und die Bedeutung für die Praxis zu fördern und anzuregen.
  • den Austausch zwischen den Teilnehmenden zu fördern und so verschiedene Perspektiven wahrzunehmen (Diversität).
  • durch einen konkreten Arbeitsauftrag das Verstehen und Anwenden zu beeinflussen und zu trainieren.
  • die Lernergebnisse erreichbar zu machen und entsprechende Kompetenzen auf- und auszubauen.

Abschlussphase

Greifen Sie auf  Methoden zurück, die Ergebnisse des Lernprozesses bündeln und für alle sichtbar machen. Wieder spielt die Transparenz über den Lernfortschritt sowohl für Sie als auch für die Studierenden eine wichtige Rolle. In dieser Phase können Sie den Ausgangspunkt des Lernstandes mit dem erreichten Lernstand gegenüberstellen und vergleichen. Es wird nun deutlich, welche Erwartungen und Ziele erreicht-, welche Fortschritte gemacht wurden und was eventuell nachgeholt oder wiederholt werden muss (Macke et al., 2016).

 

Methoden recherchieren

Webbasierte Methodensammlungen gibt es reichlich. Für Ihre Recherche finden Sie hier einen kurzen Überblick über geeignete Sammlungen. Über die Links gelangen Sie direkt zu den Plattformen. Wie Sie die Suche nach einer geeigneten Methode fokussieren können, erfahren Sie hier: Lehr-Lern-Methoden auswählen.

TitelHerausgeberin / HerausgeberLink
MethodenboxBerliner Zentrum für Hochschullehre

Webseite BZHL  

Direkt zur Methodenbox
Kurskatalog Lehrideen - MethodenDas Netzwerk Hochschuldidaktische Weiterbildung NRW,
Hauptautoren: Eva-Maria Schumacher, Tobina Brinker

Webseite ILIAS Kurskatalog

Direkt zum Ordner Methoden
Handout Präsentation, Moderation und hochschuldidaktische Methoden

Claudia Bremer,

Goethe-Universität Frankfurt/M., Interdisziplinäres Kolleg Hochschuldidaktik

Website Claudia Bremer

Direkt zum Dokument Methoden
Lehr-Lern-Aktivitäten MethodensammlungHochschuldidaktische Arbeitsstelle der Universität Koblenz - LandauWebseite
Methodenpool Uni KölnUniversität Köln

Startseite Methodenpool

Direkt zur Methodenübersicht
MethodensammlungQUA-LISNRWMethodensammlung
MethodenbarZentrum für Hochschulqualitätsentwicklung (ZHQE), Universität Duisburg-Essen

Startseite Lehrwerkstatt

Direkt zum Dokument Methodenbar

 

TitelLiteraturangabeBeschreibung
Kompetenzorientierte Hochschuldidaktik: lehren – vortragen – prüfen – beratenMacke, G., Hanke, U., Viehmann, P. & Raether, W. (2016). Kompetenzorientierte Hochschuldidaktik: lehren – vortragen – prüfen – beraten (3. Auflage). Weinheim Basel: Beltz.Umfassende Einführung in die Grundlagen der Hochschuldidaktik. Inhalt ist gegliedert in sieben Bausteine für didaktisches Handeln. Zusätzlich gibt es Tipps und Leitfäden für die Durchführung von Lehrveranstaltungen unterschiedlicher Art, von Beratungsgesprächen und Prüfungen. Am Ende sind 46 Methoden in Form von Merkblättern detailliert beschrieben.
Ideen für die Hochschullehre: ein MethodenreaderHoffmann, S. G. & Kiehne, B. (2016). Ideen für die Hochschullehre: ein Methodenreader. Berlin: Universitätsverlag der TU Berlin.Sammlung von Gestaltungsideen für die Hochschullehre! Angelehnt sind die aktuellen Methoden an den Prozess des „Shift from Teaching to Learning

Munterrichts-methoden – 22 aktivierende Lehrmethoden für die Seminarpraxis

Groß, H., Boden, B. & Boden, N. (2012). Munterrichtsmethoden: 22 aktivierende Lehrmethoden für die Seminarpraxis.  Berlin: Schilling Verlag.Methoden für die Erwachsenenbildung, die sich allerdings gut auf Hochschullehre übertragen lassen und mit kleineren Studierendengruppen (Seminare/ Übungen) umsetzen lassen.

Viel Spaß beim Stöbern!

Methoden Basics: Vorlesung und Seminar

Die Aufmerksamkeitsspanne bei starren Veranstaltungsformaten (Vortrag) ist eher gering (ca.. 10-30 Minuten). Da sich Vorlesungen und Vorträge im Hochschulkontext meist nicht vermeiden lassen, erhalten Sie im Folgenden einige allgemeine methodische und didaktische Tipps. Diese „Methoden Basics“ kommen quasi ohne den Einsatz von Methoden aus. Vielmehr beinhalten diese grundlegende Hinweise zum Ablauf, dem Umgang miteinander sowie Verhaltensempfehlungen (Winteler, 2011). Nachfolgende Auflistungen finden Sie auch als Checkliste für didaktische Basics einer Vorlesung und als Checkliste für didaktische Basics eines Seminars im PDF-Format zum Downloaden.

Vorlesung

  • Rededauer: halten Sie Vorlesungen 80 Minuten und bauen Sie Pausen ein.
  • Machen Sie kurze Redepausen, in denen die Studenten das Gehörte nachklingen lassen können.
  • Stellen Sie Fragen, die zum Nachdenken über das Gehörte anregen.
  • Stellen Sie gute Sicht- und Hörverhältnisse her: Nutzen Sie, wenn nötig, ein Mikrofon (ab 50 TN), verstecken Sie sich nicht hinter einem Podium und gehen Sie ruhig auf und ab; vergewissern Sie sich, dass Ihre Folien gut zu sehen sind.
  • Sprechen Sie frei: Machen Sie sich Stichpunkte, an denen Sie sich orientieren können und lesen Sie nicht von komplexen Texten ab.
  • Variieren Sie Stimme, Rhythmus und Intensität Ihrer Sprechweise.
  • Halten Sie Blickkontakt mit Ihren Studierenden.
  • Versuchen Sie alle 15-20 Minuten etwas Originelles einzubringen: Erzählen Sie etwas besonders Interessantes, Überraschendes oder Packendes, erzählen Sie eine Anekdote, zeigen Sie einen Filmausschnitt oder stellen Sie eine Frage.
  • Setzen Sie visuelle Hilfsmittel ein: Binden Sie Fotos, Bilder und Videos ein, denn oft sagt ein Bild mehr als tausend Worte!
  • Verwandeln Sie Ihre Vorlesung in eine interaktive Veranstaltung: Holen Sie immer wieder Feedback ein und aktivieren Sie die Studierenden (siehe Lernen aktivieren).
  • Geben Sie den Studierenden etwas zum Nachdenken mit auf den Weg.

Seminare / Übungen / Praktika

  • Achten Sie auf eine aktive Sprechweise und halten Sie den Blickkontakt zu den Studierenden.
  • Stellen Sie Fragen, die zum Nachdenken über das Gehörte anregen.
  • Methodenmix: Versuchen Sie nach Möglichkeit, die Aktivitäten innerhalb des Seminars alle 15-20 Minuten zu wechseln. Wenn Sie dabei zwischen theoretischen Ausführungen Ihrerseits, Einzelarbeit, Gruppenarbeit, Diskussionen, Referaten etc. wechseln, wird sich die Aufmerksamkeit Ihrer Studierenden erhöhen!
  • Auch in Seminaren ist Theorie unumgänglich: Beschränken Sie hier Ihre Redezeit auf 20 Minuten.
  • Vermeiden Sie nach Möglichkeit langes Stillsitzen: Lassen Sie die Studierenden die Tische/Gruppen wechseln oder außerhalb des Raumes Recherchearbeiten anstellen, z.B. an ihren Smartphones etc.
  • Motivieren Sie zur Pflichtlektüre: Stellen Sie Online-Aufgaben oder bereiten Sie Multiple Choice Abfragen vor, durch die das Leseverständnis gefördert werden und die Studierenden ihren Lernstand eigenständig überprüfen können.
  • Reagieren Sie stets positiv auf die Fragen der Studierenden: Zeigen Sie Interesse und machen Sie deutlich, dass Sie zuhören und sich Zeit nehmen für Erklärungen.
  • Geben Sie laufend Feedback und fordern Sie ebenso Rückmeldungen von Ihren Studierenden ein!

Quellen, Downloads und Autorinnen

Quellen

Groß, H., Boden, B. & Boden, N. (2012). Munterrichtsmethoden: 22 aktivierende Lehrmethoden für die Seminarpraxis. Berlin: Schilling Verlag.

Hoffmann, S. G. & Kiehne, B. (2016). Ideen für die Hochschullehre: ein Methodenreader. Berlin: Universitätsverlag der TU Berlin.

Hoffmann, S. G. & Kiehne, B. (2018). Planungswerkstatt Hochschullehre: Ideen aus der Berliner Lehrpraxis. Berlin: Universitätsverlag der TU Berlin.

Macke, G., Hanke, U., Viehmann, P. & Raether, W. (2016). Kompetenzorientierte Hochschuldidaktik: lehren – vortragen – prüfen – beraten. Weinheim Basel: Beltz.

Winteler, A. (2011). Professionell lehren und lernen: ein Praxisbuch. Darmstadt: WBG (Wiss. Buchges.).

Aktualisiert von: Maren Praß