Projektdetails

Integrative Pflegeausbildung: Das Stuttgarter Modell

Laufzeit: 01.01.2002 - 31.12.2006
Forschungsteam:

Prof. Dr. Stefan Görres (Projektleitung);

 

Dr. Jaqueline Bomball;

 

Rosa Mazzola;

 

Dr. Svenja Schmitt;

 

Dr. Martina Stöver;

 
Projekttyp: Drittmittelprojekt
Finanzierung: Robert-Bosch-Krankenhaus GmbH Stuttgart Sozialministerium Baden-Württemberg

Beschreibung

Problem und Fragestellung

Seit dem 1. Oktober 2002 nehmen 28 Auszubildende an dem Modellprojekt "Integrative Pflegeausbildung" am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart teil. Die "integrative Pflegeausbildung" dauert dreieinhalb Jahre und gliedert sich in drei Phasen. In der ersten 2-jährigen Phase erlangen die Auszubildenden ein gemeinsames Basiswissen und -können. Daran schließt sich die zweite 1-jährige Phase an, in der die Auszubildenden ihren Schwerpunkt in der Kranken-, Kinderkranken- oder Altenpflege setzen und ihren ersten Berufsabschluss erwerben. In der nachfolgenden dritten ½-jährigen Phase können die Auszubildenden zwischen zwei Optionen wählen: Entweder kann ein weiterer Schwerpunkt gewählt werden; über den die Auszubildenden einen zweiten Berufsabschluss erwerben können; oder es kann eine Spezialisierung in der Familiengesundheitspflege, Pflege akut kranker Menschen oder die Pflege gerontopsychiatrisch kranker Menschen erworben werden, die mit einem zusätzlichen Zertifikat abschließt.

Mit dem Modellprojekt "Integrative Pflegeausbildung" begegnet die Modellschule des Robert-Bosch-Krankenhauses dem gesellschaftlichen Wandel sowie den strukturellen, politischen und ökonomischen Veränderungen im Gesundheitswesen, die an das Berufsfeld Pflege neue Anforderungen stellen:

  • Demografischer Wandel der Gesellschaft
  • Gesteigerte Nachfrage nach Pflege, Beratung und Betreuung
  • Wandel des Krankheitsspektrums und zunehmende Bedeutung von Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation
  • Ansteigende Zahl verwirrter oder gerontopsychiatrisch beeinträchtigter Menschen
  • Verpflichtung zur Qualitätssicherung
  • Vor dem Hintergrund der Wissensgesellschaft bestehen Informations- und Kommunikations-Technologien
  • Entwicklung einer multikulturellen Gesellschaft

Damit Pflegende auf das zukünftige Aufgabenspektrum vorbereitet sind, wird die Pflegeausbildung im Modellprojekt durch eine Integration der Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege neu strukturiert. Das der integrativen Pflegeausbildung zugrunde liegende lernfeldorientierte Curriculum wird von der "Kerngruppe Curriculum" entwickelt, die aus 12 Mitgliedern und Vertretern der Kooperationspartner besteht. Das Institut für angewandte Pflegeforschung (iap), Universität Bremen, übernimmt in diesem Prozess die wissenschaftliche Begleitung und die externe Organisationsberatung.

Im Rahmen der Evaluation werden hinsichtlich der Neustrukturierung der Pflegeausbildung im Modellprojekt nachfolgende zentrale Fragestellungen von Interesse sein:

  • Genügen die in der "Integrativen Pflegeausbildung" vermittelten Kompetenzen neuen Anforderungen im Berufsfeld Pflege?
  • Wie werden von Seiten der ArbeitgeberInnen und den am Modellprojekt beteiligten Kooperationspartnern die möglichen Berufsabschlüsse hinsichtlich Akzeptanz und Einsatzmöglichkeiten der Absolvent:innen auf dem Arbeitsmarkt eingeschätzt?
  • Inwieweit bewährt sich das Stuttgarter Modellprojekt "Integrative Pflegeausbildung" hinsichtlich der Trägervielfalt, Ausbildungsstrukturen und Berufsabschlüsse als bundesweites Vorreitermodell?

Zielsetzung

Mit dem Modellprojekt "Integrative Pflegeausbildung" am Robert-Bosch-Krankenhaus" in Stuttgart wird dem erweiterten pflegerischen Handlungsbedarf in den Bereichen der Rehabilitation, der Gesundheitsförderung und -beratung begegnet. Darüber hinaus soll den Kompetenzen im Aufgabenspektrum der Kooperations-, Management- und Beratungstätigkeit entsprochen werden. Nicht zuletzt verspricht man sich durch die Konzeption des Modellprojektes eine Steigerung der Flexibilität und Mobilität innerhalb und außerhalb pflegerelevanter Einrichtungen sowie eine Erweiterung der Berufschancen auf dem europäischen Arbeitsmarkt zu erzielen.

Methoden

Die wissenschaftliche Begleitung des Modellprojektes "Integrative Pflegeausbildung" wird durch eine experimentierende Evaluation vorgenommen. Vor diesem Hintergrund kommen insbesondere die quantitative und qualitative Verfahren der Befragung, der Gruppendiskussion, des leitfadengestützten Interviews, des ExpertInneninterviews sowie die der Akten- und Dokumentenanalyse zum Einsatz. Als Zielgruppen der Untersuchung sind die am Modellprojekt beteiligten Auszubildenden, Lehrenden, und Praxisanleiter:innen vorgesehen. Darüber hinaus werden die Auszubildenden von Vergleichgruppen aus zwei verschiedenen Pflegeschulen der Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege in das Untersuchungsvorhaben aufgenommen. Die Evauation gliedert sich in folgende drei Phasen:

  1. Strukturevaluation
    Hier wird zunächst eine Ist-Analyse der innovativen Rahmen- und Ausbildungsbedingungen des Modells und der Vergleichsschulen vorgenommen (wie beispielsweise die Rahmenlehrpläne, Leistungsbewertung, Beurteilungsbögen für die Praxis, Praxisbegleitung etc.).
  2. Prozessevaluation
    In dieser Phase stehen die Analyse und Bewertung des Implementations- und Prozessverlaufs im Vordergrund. In diesem Zusammenhang werden die ablaufenden Prozesse und deren Rahmenbedingungen dokumentiert. Bereits im Verlauf des Projektes werden die intendierten Ziele hinsichtlich ihrer Wirkungsweisen und Effektivität evaluiert. Auf diese Weise lassen sich Umsetzungshindernisse und -probleme frühzeitig erkennen und entsprechende Veränderungen im Praxisfeld vornehmen.
  3. Ergebnisevaluation
    Von zentraler Bedeutung wird die Bewertung des lernfeldorientierten Curriculums und seiner Instrumente sein. Auch in dieser Phase der Evaluation ist eine Überprüfung der intendierten Ziele und Maßnahmen vorgesehen. Des Weiteren ist der Frage nach den Umsetzungswiderständen nachzugehen und die Entwicklung von Modifikations- und Implementationsschleifen zu entwickeln. Darüber hinaus geht es um eine Bewertung nachhaltiger transferfähiger Elemente des innovativen Ausbildungskonzepts, die als Vorschläge in das bundesweite "Transfernetzwerk Innovative Pflegeausbildung" (tip) eingebracht wurden, das vom ehemaligen Institut für angewandte Pflegeforschung (iap), jetzt Abteilung für Interdisziplinäre Alterns- und Pflegeforschung (iap), Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP), Universität Bremen, koordiniert wurde. Der Abschlussbericht "Transfernetzwerk Innovative Pflegeausbildung" (tip), Synopse der Modellprojekte in Deutschland, ist hier erhältlich.

 

Erwartete Ergebnisse und deren Relevanz

In der Evaluation des Modellprojektes "Integrative Pflegeausbildung" werden Ergebnisse zu folgenden Schwerpunkten erwartet:

  • Bewährung der ablaufenden Prozesse und deren Rahmenbedingungen
  • Erreichung der Ziele des Projektes hinsichtlich Wirkungsweise und Effektivität während der Implementations- und Prozessphase
  • Bewertung des Modellprojektes durch eine Follow-up-Untersuchung hinsichtlich:
    • Erreichung der ursprünglichen oder mit der Zeit veränderten Ziele des Modells (erwarteter Nutzen)
    • Zielerreichungsgrad bezogen auf die Auszubildenden selbst, die Schulen und vor allem die AbnehmerInnen, d.h. die diversen Praxiseinrichtungen (Kosten-/Wirkungsanalyse)
  • Integration eines internationalisierungsfähigen Lernfeldes "Mit Fremdheit umgehen" mit dem Ziel einer Anschlussfähigkeit an die europäische Entwicklung
  • Optimierung auf folgenden Ebenen:
    • Externe Rahmenbedingungen
    • Curriculare Konzeption
    • Methodisch-didaktische Aspekte
    • Rollenverständnis von Lehrenden
    • Kompetenzerwerb von Auszubildenden
    • Praxisakzeptanz der Arbeitgeber:innen

Schlagworte

  • Integrative Pflegeausbildung
  • Curriculumentwicklung
  • Lernfelder
  • Kooperationsverbund
  • Kompetenzmodell
  • Assessmentcenter
  • Lernwerkstatt
  • Europakompatibilität
  • Lernortkooperation
  • Berufsabschlüsse
  • Theorie-Praxis-Integration

Ausgewählte Literatur

BGBl. (Bundesgesetzblatt) I (2003a). Gesetz über die Berufe in der Krankenpflege und zur Änderung weiterer Gesetze (KrPflG) v. 21.07.2003: 1442-1458
BGBl. (Bundesgesetzblatt) I (2003b). Gesetz über den Beruf in der Altenpflege (AltPflG) v. 24.11.2000, geändert in der Fassung v. 25.08.2003: 1690-1696
Görres, S. & Boeckler, U. (2004). Innovative Potentiale und neue Märkte für zukünftige Dienstleistungen in der Pflege - Ergebnisse einer Delphistudie. In: Pflege 2/2004: 105-112, Huber
Görres, S., Bohns, S., Krippner, A. & Stöver, M. (2001). Organisationskulturen gestalten. Modellprojekt "Integrierte Pflegeausbildung in Bremen". In: Pflegemagazin 1/2001: 48-55
Görres, S., Bohns, S., Krippner, A. & Stöver, M. (2003). Modellprojekt "Integrierte Pflegeausbildung in Bremen" In: Pflege & Gesellschaft 3/2003: 91-96
Görres, S., Hoffmann & Terschüren (Hrsg.) (2000). Entwicklung des Gesundheitssystems bis zum Jahr 2020 - Trends und Einflussfaktoren - Expertenpapier im Auftrag der "Zukunftswerkstatt Pflegeausbildung". Gefördert durch die Robert Bosch Stiftung. Universität Bremen, Zentrum für Public Health
Heiner, M. (Hrsg.) (1998). Experimentierende Evaluation. Ansätze zur Entwicklung lernender Organisationen. Weinheim, München
Kerngruppe Curriculum (2003). Integrative Pflegeausbildung: Das Stuttgarter Modell© . Auszüge aus dem Begründungsrahmen. Stuttgart
Lamnek, S.(1998). Gruppendiskussion. Theorie und Praxis. Weinheim
Landenberger, M. (1998). Innovatoren des Gesundheitssystems. Handlungspotentiale von Pflegeorganisationen und Pflegeberufen durch die Gesundheitsreformgesetzgebung, Bern: Huber
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