Barrierearme digitale Lehre

Tipps für Lehrende
Ein digitales Lehrangebot ist grundsätzlich ein wertvolles Format für eine diverse, inklusive Lehre. Insbesondere Studierende mit einer Beeinträchtigung können von der digitalen Lehre profitieren. Sie birgt jedoch auch Herausforderungen für diese Zielgruppe, weswegen wir Sie als Lehrende bitten, die Zugänglichkeit der digitalen Lehre im Auge zu behalten. Hier geht es insbesondere um die Zugänglichkeit für Studierenden mit Hör- oder Sehbeeinträchtigung, aber z.B. auch für Studierende mit einer Mobilitätseinschränkung (insbesondere in Hinblick auf das Mitschreiben), Beeinträchtigungen durch ADHS, Lese-Rechtschreib-Störung, psychischen Erkrankung oder Beeinträchtigungen durch Medikamenteneinnahme.
Bedenken Sie: Maßnahmen, die Sie für einer Erhöhung der Zugänglichkeit der digitalen Lehre ergreifen können, kommen allen Studierenden zu Gute, die sich auf neue digitalere Lehr- und Lernformate einstellen müssen!
Allgemein
- Fragen Sie zu Beginn einer Veranstaltung eventuelle besondere Bedarfe bei Ihren Studierenden ab. Weisen Sie auf Beratungsangebote der Kontakt- und Informationsstelle für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung (KIS) hin
- Formulieren Sie Anforderungen und Arbeitsanweisungen sehr genau. Auch Rückfragemöglichkeiten zu Ihren Lehrveranstaltungen und Materialien sind wichtig. Reagieren Sie sensibel auf Nachfragen und Bitten von Studierenden.
- Für Studierende, die Schwierigkeiten mit Selbststrukturierung haben, ist es wichtig, dass Sie die Struktur und die zeitliche und logische Abläufe genau erläutern.
- Aufgabenstellungen können Sie gerne mit Zeitangabe machen: Wie lange sollte man für diese Aufgabe an Zeit aufwenden (Orientierung an CP). Bei verschiedenen Beeinträchtigungen „verlieren“ sich Studierende in Aufgaben und können teilweise nicht erkennen, dass die Aufgabe als „kleine“ Aufgabe gedacht war. Eine Gewichtung eines Arbeitsauftrags sollte deshalb nicht fehlen.
- Texte, die gescannt werden, müssen lesbar sein und sollten auf ihre Lesbarkeit kontrolliert werden. Da gescannte Texte nicht mit Screenreadern gelesen werden können (es sei denn der Scanner hat eine Texterkennung), sind diese nicht barrierefrei. Es sollte also darauf geachtet werden, dass möglichst keine Scans verwendet werden, da selbst bei Texterkennung Bilder nachgetagged werden müssten.
- Falls Sie Lehrveranstaltungen mit Webkonferenzen und anderen Präsenzformaten abhalten, ist es - auch wegen unterschiedlichen technischen Ausstattungen der Studierenden - wichtig, alternative Möglichkeiten der Teilnahme (z.B. Aufzeichnung dieser Sitzungen) und Leistungserbringung anzubieten.
- Für Studierende mit Beeinträchtigung kann es schwierig sein, 60 Minuten am Stück am PC zu sitzen. Grundsätzlich sind mehrere kleine Lehreinheiten geeigneter.
Vorlesungen und Seminare in der digitalen Lehre
- Achten Sie bei Vorlesungsaufzeichnungen auf sehr gute Ton- und Bildqualität sowie einen störungsfreien Hintergrund.
- Nutzen Sie das Prinzip der Kommunikation über zwei Sinneskanäle, z.B. Sehen UND Hören: Informationen die gesehen werden, sollten auch gehört werden können und umgekehrt.
- Viele Studierende können nicht gleichzeitig zuhören und mitschreiben und sind darauf angewiesen, dass Sie zusätzlich zu aufgezeichneten Lehrveranstaltungen auch eine schriftliche Ausarbeitung (z.B. Skripte, Vorlesungsnotizen, schriftlich entwickeltes „Tafelbild“ o.ä.) rechtzeitig zur Verfügung stellen.
- Lassen Sie die Online-Angebote (aufgezeichnete Vorlesungen und Skripte/Notizen) mindestens bis zur Prüfung und Nachprüfung online.
- Vorlesungsaufzeichnungen können Sie mit allen Präsentations- und Begleitmaterialien synchronisieren. Achten Sie bei der Produktion darauf, bildliche Darstellungen in den Folien zu erläutern und deutlich zu sprechen (z.B. Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten). Nutzen Sie die Möglichkeit der Untertitelung oder Audiodeskription der Videos mit der Opencast-Technik und dem Upload in Stud.IP über das Opencast-Plugin.
- Nehmen Sie Ihre Onlineveranstaltung (eventuell auch nur teilweise) entweder mit ZOOM oder mit Hilfe der Opencast-Technik in den damit entsprechend ausgestatteten Hörsälen auf, siehe auch Automatische Untertitelung von Lehrveranstaltungsaufzeichnungen und bereiten Sie Ihre Präsentationsmaterialien barrierefrei auf.
- Grundsätzlich bietet die Lernplattform Stud.IP Ihnen die Möglichkeit, alle Veranstaltungsinformationen und -materialien wie Vorlesungsfolien, Veranstaltungsskripte, Vorlesungsaufzeichnungen, Literaturlisten usw. den Studierenden zur Verfügung zu stellen. Bereiten Sie die Dokumente entsprechend der Checkliste zur Erstellung barrierefreier Dokumente auf (Checkliste PDF-Dokumente und Checkliste Powerpoint-Folien.
- Bieten Sie Studierenden, die aufgrund einer Beeinträchtigung Schwierigkeiten mit der Lernplattform Stud.IP, den UBlogs, dem Portfoliosystem p:ier usw. und damit mit der Abgabe haben, an über andere Wege ihre Arbeitsaufträge einzureichen (z.B.Nextcloud, E-Mail).
- Nutzen Sie die Checkliste zur Erstellung und Prüfung barrierearmer Online-Lehrveranstaltungen des Projektes BALLON. (PDF Checkliste)
Automatische Untertitelung von Lehrveranstaltungsaufzeichnungen (barrierearme Lehre und zielgerichtete Unterstützung für internationale Studierende)
Wenn Sie Ihre Videos mit Opencast Technik (vorhanden in über 40 Hörsälen) aufzeichnen und anschließend in dem Opencast-Plugin in einer Stud.IP Veranstaltung hochladen, werden Ihre Lehrveranstaltungsaufzeichnungen automatisch untertitelt und in die englische Sprache übersetzt.
Zeichnen Sie einfach Ihre Lehrveranstaltung mittels Opencast in den entsprechend ausgestatteten Hörsälen auf – diese werden dann automatisch beim Hochladen im Opencast-Plugin in Ihrer Stud.IP Veranstaltung transkribiert und mit Hilfe des KI-Tools WhisperAI übersetzt. Grundsätzlich werden aber alle Videos, die Sie über den Opencast-Reiter in Ihrer Veranstaltung hochladen, automatisch untertitelt und zusätzlich in die englische Sprache übersetzt.
Sie ermöglichen dadurch z.B. Studierenden mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen an Ihren Vorlesungen teilzunehmen.
Wir nutzen dafür das KI-Tool WhisperAI, welches qualitativ sehr hochwertige Ergebnisse liefert, d.h. auch spezielle Fachausdrücke erkennt.
Transkription und Untertitelung von Video- und Audiodateien (auch für Studierende zugänglich)
Zusätzlich gibt es ein Stud.IP-Plugin im Schnellzugriff auf der Stastseite zur Transkription und Untertitelung von Video- und Audiodateien, welches auch für Studierende zugänglich ist (und z.B. gut geeignet ist für Interviewtranskriptionen).
Konzeption barrierefreier digitaler Lehrangebote (Selbstlernangebote, Ringvorlesungen, Praxisbeispiele)
e-teaching.org
Tipps und weiterführenden Informationen zur Konzeption barrierefreier digitale Lehrangebote stellt das Hochschulportal e-teaching.org zur Verfügung: www.e-teaching.org/didaktik/konzeption/barrierefreiheit. 2021 veranstaltete e-teaching.org im Rahmen der Ringvorlesung „Barrierefreie digitale Hochschullehre“ drei Online-Events, deren Aufzeichnungen abrufbar sind:
- Studieren mit Behinderung: Was bedeutet das und wie kann (digitale) Barrierefreiheit beginnen?
- Online-Veranstaltungen barrierefrei gestalten
- Lernen im Kontext der voranschreitenden Digitalisierung – inklusiv oder exklusiv?
Barrierefreie Hochschullehre – Ein Leitfaden für die Online-Lehre , Sarah Ahrens, Katja Fischer, Elena Husel, Sabrina Januzik, Lena König, Laura Maria Maaß, Laura Marmit, Sandra Pilz, Alina Saule, Anna-Lena Stein, CC-BY-SA (4.0)
Der Leitfaden beschreibt, wie Dozierende ihre Online-Lehre mit wenigen Kniffen zugänglicher gestalten können für Studierende mit Beeinträchtigung des Hörens, Beeinträchtigung des Sehens und/oder chronischen Erkrankungen. Damit möglichst alle Studierenden Zugang zum Lehrmaterial haben, braucht es barrierefreie Lehrangebote, die z.B. Untertitel, Skripte, Gebärdensprachverdolmetschung, Advance Organizers, Textalternativen für Grafiken oder verschiedene Dokumenttypen und Formatierungen enthalten. Dieser Leitfaden zeigt exemplarisch auf, wie eine mögliche Umsetzung aussehen könnte.
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg: Onlinekurs „Barrierearmut in der digitalen Lehre“ (frei zugänglich)
Wie kann nun konkret dieser Vielfalt und Heterogenität von Studierenden in Lehrveranstaltungen und Prüfungen begegnet werden? Was ist zu berücksichtigen und wie sieht die konkrete Umsetzung aus? Mit digitaler Lehre können viele verschiedene Aspekte flexibel einbezogen werden. Wie das geht bzw. funktionieren kann, das erfahren Sie in diesem Onlinekurs. Dieses Online-Selbstlern-Angebot gibt einen Überblick über die Barrierearmut in der digitalen Lehre und soll über die Möglichkeiten (und Pflichten) Lehrender innerhalb ihrer eigenen Lehre informieren.
Digi[Snack]Bar: Mikro-Fortbildung zu Digitaler Barrierefreiheit
Mit der Digi[Snack]Bar bot das Hochschulforum Digitalisierung (HFD) gemeinsam mit dem Netzwerk digitale Barrierefreiheit (HessenHub) im Mai 2022 verschiedene Mikro-Fortbildungen rund um digitale Barrierefreiheit an. Expert:innen aus dem Hochschulkontext stellten Tools und Kniffe vor, die inklusives Lehren, Lernen und Arbeiten leichter machen – häppchenweise und gut verdaulich in 30- bis 60-minütigen Micro-Lerneinheiten. Mithilfe der hier hinterlegten Aufzeichnungen und Aufgaben können Sie die Veranstaltungen jederzeit ansehen und einige hilfreiche Tools selbst ausprobieren, u.a. mit einem Beitrag der Uni Bremen: Barrierearme digitale Lehr- und Lernmaterialien erstellen mit Nadja Willy und Christina Broo (Projekt BALLON)
University:Future Festival 2021
Die Aufzeichnungen der Beiträge zur Barrierefreiheit in der digitalen Lehre vom University:Future Festival 2021 sind die in der YouTube Playlist Inclusivity abrufbar, u.a. mit dem Themen Online-Veranstaltungen barrierefrei gestalten und Digital & barrierefrei – Praktisch, pragmatisch, systematisch.
Lernplattform Stud.IP und AK Barrierefreiheit
2020 wurde die Version 4.6 der Lernplattform Stud.IP auf Barrierefreiheit nach WCAG 2.1. / EN 301 549 überprüft. Anhand der Ergebnisse wird seitdem der daraus entstandene Maßnahmenkatalog zur Reduzierung von Barrieren systematisch von data-quest und dem Stud.IP Verein unter Einbeziehung der Core-Group und der finanziellen Beteiligung einiger Hochschule (u.a. Universität Bremen) abgearbeitet.
Die Schwerpunkte dabei sind Konzeption und Umsetzung HTML-Struktur, Kontrast und alternatives Farbschema, Tastatursteuerung und Fokus, Überarbeitung Akkordeonelemente und Aktionsmenüs, Formulare und Formularelemente.
Barrierefreiheit richtig umsetzen. Dr. Steffen Puhl, Justus-Liebig-Universität Gießen, Dr. Inke Beckmann, Marco Bohnsack, data-quest (Stud.IP-Tagung 2021). Download der Folien als PDF-Datei
Projekt „Barrierearmes Lernen und Lehren Online (BALLON) – Support für Lehrende bei der Gestaltung barriererefreiere Hochschullehre“
UPDATE: Projekt endet am 31.12.2023!
Vom Wintersemester 2021/22 bis Ende 2023 haben Sie als Lehrende an der Universität Bremen in Kooperation mit den Hochschulen Bremen und Bremerhaven über das Projekt BALLON die Möglichkeit sich bei der Umsetzung und Gestaltung einer barrierearmen digitalen Lehre unterstützen zu lassen.
Checklisten für barrierearme digitale Inhalte
Ausführliche Checklisten helfen Ihnen, Ihre bisherigen Materialien selbstständig zu kontrollieren und ggf. zu überarbeiten. Diese Checklisten enthalten Schritt für Schritt Vorgehensbeschreibungen und listen Kriterien als Grundlage für das selbstständige Gestalten und Überprüfen barrierefreier/barrierearmer Materialien in folgenden Formaten und Formen auf:
Word (Download der Checkliste für barrierearme Word-Dokumente)
PDF (Download der Checkliste für barrierearme PDF-Dokumente)
PowerPoint (Download der Checkliste für barrierearme PowerPoint Folien)
Websites und Web-Inhalte (Download der Checkliste für barrierearme Websites)
Online-Lehrveranstaltungen/ Webkonferenzen (Checkliste für barrierearme Online-Lehrveranstaltungen)
Informationssvideos (Download der Checkliste für barrierearme Informationsvideos)
Download der Gesamtcheckliste: Checkliste für barrierearme digitale Inhalte
