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Anticipatory Norms, Uncertainty and Emerging Weapons Technologies

UN Meeting Geneva
A general view of participants during the Meeting of Experts on Lethal Autonomous Weapons Systems of CCW. 14 April 2015. UN Photo / Jean-Marc Ferré

 

Dieses Projekt untersucht Prozesse antizipativer Normgenese für neue Waffentechnologien. In dem Maße, in dem sich technologische Innovationen im Bereich autonomer Waffensysteme, künstlicher Intelligenz (KI) oder Informations- und Kommunikationstechnologien (ICTs) beschleunigen, wächst auch die Nachfrage nach antizipativen Normen, die negative Auswirkungen auf Sicherheit, Frieden und humanitäre Prinzipien vorbeugen sollen. Dennoch ist unser Verständnis solcher „vorausschauender“ Normbildungsprozesse nach wie vor begrenzt. Antizipative Normen setzen in den frühen Phasen der technologischen Entwicklung an, bevor militärische Technologien in großem Umfang eingesetzt und im Kampf erprobt werden (Nutzungsphase) und bevor es eine endgültige Bewertung der tatsächlichen Auswirkungen oder Gefahren der Technologien gibt (Post-Nutzungsphase). Dieser zeitliche Status hat wichtige Folgen für den Prozess der Normentstehung. Anders als in bisherigen Bemühungen zur Normsetzung scheint hier grundsätzliche Unsicherheit über das Wesen und die Existenz eines Problems zu herrschen, da die Entwicklung und die Folgen dieser Technologien (ob schädlich oder nützlich) noch weitgehend in der Zukunft liegen. Dies stellt eine zusätzliche Herausforderung für präventive Rüstungskontrolle dar, da der Bedarf nach normativen Veränderungen von der Wahrnehmung abhängt, dass ein Problem tatsächlich „existiert“. Ziel des Projekts ist es daher, die Entstehung antizipativer Normen im Rahmen von Rüstungskontroll- und Abrüstungsbemühungen zu verstehen und zu theoretisieren. Dabei werden drei Fallstudien vergleichend betrachtet: die Bemühungen um eine Regulierung autonomer Waffensysteme und Cyberwaffen und das Verbot von Laser-Blendwaffen im Rahmen des UN Übereinkommens über das Verbot konventioneller Waffen.

Das Projekt verbindet Erkenntnisse aus der kritischen Sicherheitsforschung und der Forschung zu Ignoranz/Nichtwissen (Agnotologie), um neue Hypothesen zur antizipativen Normentstehung abzuleiten. In Anlehnung an diese Literatur schlage ich vor, Unsicherheit als ein „object of governance“ zu begreifen, das eingedämmt, strategisch genutzt oder aktiv konstruiert werden kann, um die Entstehung antizipativer Normen voranzutreiben oder zu verhindern. Der Erfolg oder Misserfolg antizipativer Normentstehung hängt also entscheidend davon ab, ob es den Akteuren gelingt, Unsicherheit zu zügeln oder aufrechtzuerhalten/zu schaffen. Anstatt Ungewissheit als pauschale Kategorie zu behandeln, betrachtet das Projekt dabei drei Arten von Unsicherheit: Informationsmangel, Kontingenz und Ambiguität.

 

Projektmitglied

Berenike Prem

 

Projektbezogene Publikationen

Prem, Berenike (2022): Governing through Anticipatory Norms: How UNIDIR Constructs Knowledge about Autonomous Weapons Systems. In: Global Society, 36:2, 261-280, DOI: 10.1080/13600826.2021.2021149.

Aktualisiert von: Roy Karadag