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Novel Natures? Ontologies, Ethics and Politics beyond the Human

Gene drive

 

Planetare Krisen wie Klimawandel und der Verlust von Biodiversität verändern momentan Diskurse über die Beziehungen zwischen Menschen und nicht-menschlichen Wesen und zwischen „menschlichen“ und „natürlichen“ Systemen. Aber auch die Entwicklung neuer Biotechnologien und neuer Formen von Wissen, wie der Genomforschung, haben dazu beigetragen, dass in den letzten Jahrzehnten die Frage nach der Kultur/Natur Beziehung wieder verstärkt in den Vordergrund akademischer und gesellschaftlicher Debatten gerückt ist. Wie Menschen mit ihrer „mehr-als-menschlichen“ Umwelt interagieren wird dabei immer mehr als ethische und politische Problematik erfasst, in der sich Fragen von Verantwortung, „agency“, Gerechtigkeit und Repräsentation neu stellen.

In meinem Forschungsprojekt untersuche ich Neuverhandlungen von Naturbegriffen anhand von normativen Debatten im Naturschutz über den Einsatz neuer (Bio-)Technologien. Hier werden sowohl das Objekt des Naturschutzes – also die Frage was eigentlich das schützenswerte Gut ist und warum – als auch konkretere Wissensformen, Ziele, Strategien und Werkzeuge des Naturschutzes kontrovers diskutiert. Ausgehend von diesen Debatten verfolgt meine Forschung zwei Fragestellungen: Erstens untersuche ich, wie Ontologien der Natur, epistemologischen Fragen und normativen Ideen in lebenswissenschaftlichen Diskursen miteinander verknüpft sind, und wie sich diese Verbindungen in ihrer Übersetzung über disziplinäre Grenzen hinweg verschieben. Zweitens untersuche ich verschiedene Strategien in der gegenwärtigen politischen Theorie, das „mehr- als- menschliche“ stärker in den Vordergrund normativen Denkens zu rücken. Aus dieser Auseinandersetzung möchte ich eine eigene postanthropozentrische Perspektive entwickeln, die in der Lage ist konstruktiv zu konkreten Streitfragen im Naturschutz beizutragen, und zugleich für Debatten an den Schnittstellen der politischen Theorie, Sozialphilosophie und Ethik anschlussfähig ist.

 

Habilitationsprojekt

Rosine Kelz

 

Projektbezogene Publikationen

Kelz, Rosine, 2021: Tissue Culture and Biological Time – Alexis Carrel, Henri Bergson and the Plasticity of Living Matter, in: BioSocieties, doi:10.1057/s41292-020-00224-2

Kelz, Rosine/Knappe, Henrike, 2021: Politics of time and mourning in the Anthropocene, in: Social Sciences, doi:10.3390/socsci10100368

Kelz, Rosine, 2021: The Ethics and Politics of Temporality: Judith Butler, Embodiment, and Narrativity, in: Rae; Ingala Gomez (Hg.), Historical Traces and Future Pathways of Poststructuralism. Aesthetics, Ethics, Politics, Routledge, S. 160 - 180

Kelz, Rosine, 2020: Genome editing animals and the promise of control in a (post)anthropocentric world, in: Body and Society, 26 (1), S. 3 - 25, doi:10.1177/1357034X19882762

Kelz, Rosine, 2019: Thinking about future/democracy: towards a political theory of futurity, in: Sustainability Science, 14 (4), S. 905 - 913, doi:10.1007/s11625-019-00697-6

Aktualisiert von: Roy Karadag