Themenbereiche
Die Arbeitsgruppe „Innovation und Strukturwandel“ widmet sich der theoriegeleiteten empirischen Forschung in vier Themenbereichen, die in Teams bearbeitet werden. Eine Vielzahl der Projekte in den vier Themenbereichen sind drittmittelfinanziert und werden mit Kooperationspartnern im In- und Ausland durchgeführt. Die Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen von Promotionen und Postdoc-Karrierepfaden spielt in allen Bereichen unserer Forschung eine wichtige Rolle.

Themenbereich 1: Industrieökonomik
An der Professur untersuchen wir das strategische Verhalten von Unternehmen in unterschiedlichen Marktumfeldern und analysieren, wie diese Entscheidungen die Marktstruktur und die Wohlfahrt beeinflussen. Unsere Forschung verbindet mikroökonomische Theorie mit modernen empirischen Methoden, um zentrale Fragen zu Marktmacht, Preisdiskriminierung und Kollusionsstrategien zu bearbeiten. Darüber hinaus nutzen wir computergestützte Verfahren wie Text Mining und Web Scraping, um neuartige Datensätze zu generieren und zu verarbeiten. Dies ermöglicht es uns, Märkte mit großer Präzision und Aktualität zu analysieren.
Ein zentrales Ziel dieses Forschungsbereichs besteht darin, politikrelevante Erkenntnisse für die Wettbewerbs-, Regulierungs- und Industriepolitik abzuleiten. Aktuelle Projekte befassen sich unter anderem mit Strukturwandel, strategischer Preisbildung, Strategiewahl in unendlich wiederholten Spielen, strategischem Verhalten im Wettbewerb sowie den Auswirkungen digitaler Geschäftsmodelle auf traditionelle Industrien.
Dieser Forschungsbereich umfasst zudem ein Projekt zur Regulierung von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln im Apothekenmarkt, das in enger Kooperation mit der JLU Gießen durchgeführt wird. Ziel ist es, die Wirkmechanismen fester Rx‑Preise und deren Auswirkungen auf das Verbraucherverhalten und gesundheitspolitische Zielsetzungen empirisch zu evaluieren. Das Projekt wird vom Apothekerverband Westfalen‑Lippe e. V. gefördert.

Themenbereich 2: Innovationsökonomik
In diesem Forschungsbereich untersuchen wir Mechanismen, die Innovationen fördern und ihre Diffusion erleichtern, während gleichzeitig bestehende Formen des Marktversagens adressiert werden. Diese Mechanismen reichen von unternehmensinternen F&E‑Prozessen über Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft bis hin zu institutionellen Rahmenbedingungen wie Patenten und öffentlichen Förderprogrammen. Empirische Analysen stützen sich auf Patentdaten und regionale Indikatoren, um beispielsweise die Wirksamkeit von Fördermaßnahmen, die Rolle von Netzwerken für Wissensdiffusion oder die Einführung neuer Technologien zu quantifizieren.
Aktuelle theoretische Arbeiten befassen sich mit Prozess- und Produktinnovationen in oligopolistischen Märkten. Ein zentraler thematischer Schwerpunkt liegt auf dem Aufbau der Wasserstoffinfrastruktur. Empirisch konzentriert sich die laufende Forschung auf die Bestimmungsfaktoren von Wasserstoffinnovationen und Produktionskapazitäten. Die Ergebnisse liefern evidenzbasierte Empfehlungen für Innovationsförderung, Technologiepolitik und die Gestaltung von Forschungssystemen.

Themenbereich 3: Energie- und Umweltökonomik
In diesem Forschungsbereich analysieren wir, wie staatliche Eingriffe Investitionsentscheidungen im Kontext der Energiewende beeinflussen. Wir nutzen sowohl theoretische als auch empirische mikroökonomische Ansätze, um die Effizienz und die Verteilungswirkungen verschiedener Politikinstrumente – etwa Subventionen, F&E‑Förderung oder nachfrageseitige Anreize – zu bewerten. Ziel ist es, Entscheidungsträgern praxisnahe Hinweise zur Gestaltung von Klima-, Energie- und Investitionspolitik zu geben, die ökologische Ziele wirtschaftlich effizient erreichen.
Die Forschungsgruppe ist Teil des EU‑geförderten Projekts H2B:IMPACT, das den Aufbau und die Konsolidierung eines Wasserstoff‑Valleys im Land Bremen zum Ziel hat. Das Projekt integriert fünf innovative Testfelder in den Bereichen Mobilität, Bauwesen, Logistik und Industrie. Aufbauend auf einem etablierten Ökosystem sollen 25,1 MW neue Elektrolysekapazität installiert und mehr als 3.600 Tonnen erneuerbarer Wasserstoff produziert werden. Die Initiative wird von einem breiten Konsortium aus Industriepartnern, führenden Forschungseinrichtungen, innovativen KMU und Branchenexperten getragen. Innerhalb dieses Projekts prognostiziert unsere Forschungsgruppe Angebot und Nachfrage im Wasserstoffmarkt auf Grundlage einer Analyse der Erfolgsfaktoren und potentiellen Marktversagens in diesem Sektor.

Themenbereich 4: Wirtschaftspolitik
Unsere Forschung im Bereich Wirtschaftspolitik konzentriert sich auf die Bewertung umfassender staatlicher Maßnahmen. Zentrale Fragestellungen betreffen die Wirkungen fiskalischer Stimuli, die Rolle von Marktmacht auf Arbeitsmärkten sowie die Interaktionen nationaler Politik mit internationalen Märkten. Das übergeordnete Ziel besteht darin, Politikoptionen hinsichtlich Effizienz, Verteilungswirkungen und Nachhaltigkeit vergleichbar zu machen und praxisnahe, evidenzbasierte Empfehlungen zu formulieren.
