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Universitätsmusikdirektorin 1996-2020: Dr. Susanne Gläß

Vita und Tätigkeit an der Universität Bremen von 1996 - 2020

Susanne Gläß (*1957 in Bremen) hat als Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes in Hamburg und Bristol zunächst alte Sprachen (Althebräisch, Ugaritisch, Altgriechisch und Latein) studiert, dann evangelische Religion (Schwerpunkt Altes Testament bei Klaus Koch), Philosophie und Schulmusik (Dirigieren: Klaus Vetter/Chorleitung und Gisela Jahn/Orchesterleitung) und Violine (Stanley Weiner). 1984/85 hat sie die 1. Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien in Musik und evangelischer Religion abgelegt sowie das Violin-Lehrdiplom erworben. 

Nach ihrem Studium hat Susanne Gläß als freie Musikerin gearbeitet, zuerst in Norddeutschland, dann in der Schweiz. Dort hat sie auch die ersten drei schweizerischen Frauenmusikwochen initiiert und organisiert. 1991 hat sie an der Universität Zürich bei Ernst Lichtenhahn in Musikwissenschaft über "Die Rolle der Geige im Jazz" promoviert.

Nach drei Jahren in Portugal war Susanne Gläß von 1996 bis einschließlich Oktober 2020 Universitätsmusikdirektorin an der Universität Bremen. Von 2003 bis einschließlich Februar 2020 hat sie zusätzlich Orchesterleitung für das Lehramt Musik an der Hochschule für Künste Bremen unterrichtet. 2008 ist ihre Monografie zu Carl Orffs „Carmina Burana“ im Bärenreiter Verlag/Kassel erschienen. 2016 hat sie das musikalische Konzept für das Mitsingfest „Bremen so frei“ entwickelt und es in den Jahren 2017, 2018 und 2019 auf dem Bremer Marktplatz realisiert.

Erst 25 Jahre nach der Gründung der Universität Bremen, im Jahr 1996, hatte die Universität Bremen die Stelle einer Universitätsmusikdirektor*in geschaffen. Die erste Stelleninhaberin war Susanne Gläß. 24 Jahre hat sie das Amt bekleidet.  Sie erweiterte das Orchester, das der Musikpädagogikprofessor Klaus Mävers bereits 1971 an der Universität Bremen ins Leben gerufen hatte, und gründete neu 2003 einen großen Chor. Mit den beiden Ensembles gab sie jedes Jahr Konzerte an vielen Orten in der Stadt und im Umland, besonders auch regelmäßig in der Glocke und im Dom. Die Konzerte waren stets sehr gut besucht, häufig sogar ausverkauft. Sie organisierte und unternahm Konzertreisen unter anderem nach England, Istanbul, in die Ukraine, nach Namibia und bis nach China.
Zu Hause auf dem Campus sorgte sie für wöchentliche kostenlose Mittagskonzerte jeden Dienstag im Theatersaal. Sie schaffte mehrere Klaviere zum Üben für Nicht-Musikstudierende an, organisierte gleichermaßen Singen mit Geflüchteten und Musik für universitäre Festveranstaltungen aller Art und baute ein dichtes Netzwerk von Kontakten zu Partnern aus allen Fachbereichen der Universität, aus der Stadt Bremen, aus der Region und international auf.
Der Transfer der Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung in die Öffentlichkeit war ihr ein wichtiges Anliegen. Dazu konzipierte sie regelmäßig die Öffentlichkeitsarbeit für die Konzerte gemeinsam mit den Studierenden ihrer musik- und kulturwissenschaftlichen Seminare, lehrte sie die Programmhefte und Wikipedia-Artikel zu verfassen, Schulmaterial zu erstellen und öffentliche Einführungsvorträge zu den Konzerten im Haus der Wissenschaft zu gestalten.

Am 1. November 2020 ist sie in den Ruhestand gegangen. Im Dezember 2020 ist ihr der Berninghausen-Preis der Universität Bremen für hervorragende Lehre überreicht worden.

Repertoire

Die Schwerpunkte der künstlerischen Projekte von Susanne Gläß sind Musik der 1920er und 1930er Jahre, aktuelle Musik mit zahlreichen Erst- und Uraufführungen, traditionelle Chormusik in Originalsprache aus vielen verschiedenen Kulturen der Welt sowie Musik mit einer Beziehung zu Bremen. Darunter sind zu verstehen einerseits Meilensteine der deutschen Musikgeschichte wie Brahms' Requiem und Bruchs "Odysseus", die im 19. Jahrhundert in Bremen uraufgeführt worden sind, und andererseits Werke, die heute in Bremen komponiert werden.  Eine Repertoireliste kann als PDF-Datei heruntergeladen werden, ausführliche Informationen finden sich im Konzertarchiv.

"Bremen so frei"

Jährliches Mitsingfest am 1. Juni auf dem Bremer Marktplatz

Der ehemalige Bremer Senatsbaudirektor Eberhard Kulenkampff hatte die Idee, sich am 1. Juni jeden Jahres auf dem Bremer Marktplatz mit ganz vielen Menschen gemeinsam singend die Geschichte Bremens zu vergegenwärtigen und damit das Glück, in Bremen zu leben, zu feiern. Er konnte den ehemaligen Bremer Bürgermeister Dr. Henning Scherf dafür begeistern und der wiederum gewann die Universitätsmusikdirektorin Dr. Susanne Gläß dafür, eine musikalische Konzeption zu entwickeln und umzusetzen. Das Mitsingfest erhielt den Namen "Bremen so frei". 2017 haben mehr als 4000 Menschen auf dem Bremer Marktplatz gemeinsam gesungen, 2018 waren es mehr als 2000, 2019 erneut mehr als 1500. Weitere Informationen finden sich im Konzertarchiv 2017 und 2019.

Susanne Gläß und Carl Orffs Carmina Burana

Susanne Gläß
Carl Orff
Carmina Burana

Bärenreiter Werkeinführungen

160 Seiten mit Abbildungen und Notenbeispielen; Taschenbuch

ISBN 978-3-7618-1732-2

Rezensionen

  • „Endlich liegt - erschienen als Taschenbuch bei Bärenreiter, Reihe Werkeinführungen – ein Buch vor, das, gleichermaßen interessant für den Fachmann wie den sich erstmals in diese Materie einlesenden Laien, diesen Themen sachkundig und gut lesbar auf die Spuren geht." (Chor aktuell 2-2009)
  • „…textnah, gut verständlich und mit Blick für die Praxis der Aufführung kommentiert.“ (Chor und Konzert 3/2008)
  • „Das Buch richtet sich an alle, die die Carmina Burana hören, aufführen, oder erforschen. Es ist für Sänger, Dirigenten, Musiker und Musikfreunde eine wahre Fundgrube, in der sie schnell Information und gründliche Detailkenntnis entdecken werden.“ (Fränkische Sängerzeitung 2-2008)
  • „Dieses Buch…war längst überfällig…“ (27.8.2008 RBB „Kulturradio am Morgen“ mit Bernhard Morbach)

Fernsehen

Susanne Gläß' Monografie zu den Carmina Burana wurde vom Autor und Regisseur Dominik Wessely als fachliche Grundlage für seinen Film „Carl Orff – Carmina Burana“ verwendet. Die Dokumentation im Auftrag von ZDF und Arte zeichnet Orffs Leben und Werk im Dritten Reich nach und zeigt bislang unveröffentlichtes Archivmaterial aus dieser Zeit. Susanne Gläß ist als Orff-Expertin in Interviews zu erleben. Der Film wurde am 22. Januar 2012 auf Arte zum ersten Mal gesendet.