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Eine Dekade der Zusammenarbeit - Kamalika Dattas akademische Laufbahn von Indien nach Deutschland

Im Jahr 2013 kam Kamalika Dattas erstmals von Indien nach Deutschland, um an einem Projekt an der Universität Bremen teilzunehmen, das vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) finanziert wurde.

Heute, ein Jahrzehnt später, ist sie nicht nur ein festes Mitglied in Professor Rolf Drechslers Forschungsteam „Arbeitsgruppe Rechnerarchitektur“, sondern auch Teil einer Bremer Delegation eines neuen DAAD-Projektes in Zusammenarbeit mit einer indischen Universität.

Die Ursprünge der Zusammenarbeit zwischen Dr. Kamalika Datta und Professor Rolf Drechsler reichen zurück ins Jahr 2012. Ihr erstes Treffen fand während einer Konferenz am Indian Institute of Engineering Science and Technology in Kalkutta statt. Die beiden erkannten schnell Synergien in ihren Forschungsfeldern, insbesondere im Bereich des „reversible computing“. Kamalika Datta erinnert sich: „Unsere Wege kreuzten sich auf einer technischen Konferenz. Zu dieser Zeit hatte Rolf bereits zahlreiche Veröffentlichungen zu diesem Thema herausgebracht. Wir nutzten die Gelegenheit, Ideen auszutauschen und gemeinsame Forschungsvorschläge zu entwickeln.“

Der erste Schritt diesbezüglich erfolgte bereits 2013 im Rahmen des DAAD-Projekts „Synthesis of Reversible Circuits using Probabilistic Methods and Functional Transformation“. Kamalika Datta konnten von Seiten des Indian Institute of Engineering Science and Technology, damals Bengal Engineering and Science University (BESU), teilnehmen. Sie besuchte Bremen während der zweijährigen Projektdauer zweimal für insgesamt zwei Monate. Die Zusammenarbeit beschränkte sich aber nicht nur auf die Zeit, in der Kamalika Datta vor Ort in Bremen war. Trotz räumlicher Distanz setzten sie ihre Forschung fort.

Nachdem Datta ihre Promotion im Jahr 2014 abgeschlossen hatte, wurde sie Fakultätsmitglied am National Institute of Technology, Meghalaya und stand auch von dort stets mit Rolf Drechsler in Kontakt. Datta betont: „Selbst ohne explizite finanzielle Unterstützung war es für uns unerlässlich, die Zusammenarbeit fortzusetzen. Sobald sich eine Finanzierungsmöglichkeit ergab, haben wir uns darum beworben.“

Die Forschungsarbeit von Datta und Drechsler konzentrierte sich auf die Gebiete der Rechnerreversibilität und Quantencomputing. Die Entscheidung, frühzeitig in dieses Forschungsfeld einzusteigen, zahlte sich aus als 2016 große Unternehmen wie IBM, Google, Rigetti Computing, IonQ und andere aktiv an der Entwicklung von Quantencomputern beteiligt waren. Datta erinnert sich: „Wir haben frühzeitig mit der Arbeit an diesem Thema begonnen und wurden oft gefragt, wie dies praktisch anwendbar sein könnte. Im Jahr 2016 wurde unser Forschungsfeld Realität, und die Anwendungen greifbarer als je zuvor.“ Rolf Drechsler fügt hinzu: „Es war entweder sehr visionär oder einfach Glück. Wir haben an den Grundlagen dieses Themas gearbeitet, und nach 10 Jahren wurde es zu einem Mainstream-Thema.“

„Wir lernen so viel von unterschiedlichen Menschen aus verschiedenen Ländern und verschiedenen Instituten. Das erweitert nicht nur unseren Horizont, sondern ermöglicht auch unterschiedliche Perspektiven auf unsere Forschung.“Kamalika Dattas

Nach Aufenthalten in Singapur und Indien wurde Kamalika Dattas Postdoc-Position an der Universität Bremen im Jahr 2021 zu einem weiteren Meilenstein der gemeinsamen Forschung. Zu diesem Zeitpunkt konnten Datta und Drechsler bereits mehr als 20 gemeinsame Veröffentlichungen publizieren. Datta beschreibt den Wechsel an die Universität Bremen als einen wichtigen, aber mühelosen Schritt und sagt: „Durch langjährige Forschung war ich bereits eng mit Bremen verbunden und kannte die Orte und die Kultur. Ich war mit dem internationalen Team vertraut und freute mich darauf, vor Ort zu arbeiten. Daher war die Entscheidung für mich nicht allzu schwer.“

Zurück zu den Anfängen

Im Jahr 2022 bewarben sich Kamalika Datta und Rolf Drechsler erneut um ein DAAD-Projekt, diesmal in Zusammenarbeit mit dem Indian Institute of Technology Kharagpur(IIT Kharagpur). Sie erklärt: „Unser Fokus im Projekt lag auf dem Gebiet der ‚Logic in Memory‘. Unser Ziel ist es, Tools zur Gewährleistung der Korrektheit von Entwürfen für aufkommende Technologien zu entwickeln.” Rolf Drechsler fügt hinzu: „Normalerweise bauen wir Computer auf herkömmliche Weise, wie sie in allen Computing-Plattformen einschließlich Smartphones zu finden sind. Es gibt einen Speicher, in dem Daten gespeichert sind, der mit einem Prozessor kommuniziert. Gleichzeitig erfolgt der Datentransfer vom Speicher zum Prozessor und zurück. Dies verbraucht oft mehr als 80% der Energie, im Grunde nur für das Hin- und Herschieben von Daten im Computer. Und das ist der Engpass, den das In-Memory Computing potenziell bewältigen kann. Insbesondere möchten wir die Berechnung verteilen, indem der Speicher nicht nur speichert, sondern auch Berechnungen durchführt kann. Das würde zu einer verbesserten Informationsverarbeitung auf verschiedenen Computervorrichtungen führen.“

Für dieses DAAD-Projekt bricht Kamalika Datta Ende 2023 ein weiteres Mal nach Indien auf, nur dieses Mal als Mitglied der Bremer Delegation – exakt 10 Jahre nach ihrem ersten Besuch in Bremen. „Es war interessant, nach Hause zurückzukehren und gleichzeitig geschäftlich unterwegs zu sein,“ resümiert sie. „Diese Reise ermöglichte nicht nur produktive Diskussionen über zukünftige Projekte, sondern auch eine persönliche Reflektion über meine akademische Laufbahn der letzten zehn Jahre.“

Relevanz internationaler Zusammenarbeit

Die langjährige Zusammenarbeit über Grenzen und Zeitzonen hinweg unterstreicht die Rolle der internationalen Forschungsarbeit in der heutigen wissenschaftlichen Landschaft. Die Herausforderungen der aktuellen Zeit, erfordern eine Vielfalt von Perspektiven und Fähigkeiten sagt Rolf Drechsler. Er betont: „Die Probleme, die wir angehen, sind äußerst anspruchsvoll. Daher ist es von großer Bedeutung, dass wir alle zusammenarbeiten und somit die vielfältigen Perspektiven einbringen.“

Außerdem hebt Datta die Bedeutung interkultureller Erfahrungen hervor: „Wir lernen so viel von unterschiedlichen Menschen aus verschiedenen Ländern und verschiedenen Instituten. Das erweitert nicht nur unseren Horizont, sondern ermöglicht auch unterschiedliche Perspektiven auf unsere Forschung.“ Dattas Rolle als Mentorin und Beraterin im Forschungsteam von Professor Drechsler an der Universität Bremen unterstreicht dies. Rolf Drechsler betont „Mit ihrer Expertise und ihren Führungsfähigkeiten spielt sie eine entscheidende Rolle in der Gruppe und berät neue Master-Studierende und Doktorand:innen. Das ist ein großer Gewinn für die gesamte Gruppe.“

In einer Zeit, in der globale Herausforderungen interdisziplinäre Lösungen erfordern, zeigt Kamalika Dattas akademische Laufbahn, dass Zusammenarbeit über Grenzen hinweg nicht nur wissenschaftlichen Fortschritt ermöglicht, sondern auch auf persönlicher Ebene eine Bereicherung darstellt. Darüber hinaus versprechen die neuen Etappen ihrer Zusammenarbeit nicht nur relevante Forschungsergebnisse, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag für zukünftige internationale Kooperationen.

Bild von Rolf Drechsler und Kamalika Datta