Living Memories

Auf den Spuren von Leopold und Bella Rosenak

Am 15. August 2023 findet die erste Studierendenkonferenz der Public History Bremen statt. Studierende stellen anlässlich des 100. Todestags des Bremer Rabbiners Dr. Leopold Rosenak ihre Forschungen zu ihm und seiner Familie vor. Ausgehend von den Lebenserinnerungen seiner Ehefrau Bella, die sie in den 1950er Jahren in New York niedergeschrieben hat, begeben sich Studierende der Public History auf Spurensuche.

Die Geschichte der Rosenaks in der Hansestadt begann 1896, als Dr. Leopold Rosenak (1868–1923) als Rabbiner eingestellt wurde, und sie endete, als Bella Rosenak (1876–1961) im Jahr 1939 infolge der NS-Repressionen Bremen verließ. Am Beispiel der Lebensgeschichten von Leopold und Bella Rosenak werfen die Studierenden einen Blick auf jüdisches Leben in Bremen, aber auch auf Verfolgung und Vertreibung während der Zeit des Nationalsozialismus.

Neben Vorträgen im Haus der Wissenschaft stehen eine Podiumsdiskussion und ein Stadtspaziergang auf dem Programm.

Studierendenkonferenz

Die Vorträge im Haus der Wissenschaft thematisieren sowohl das soziale als auch das gesellschaftliche Engagement der Rosenaks: Während Sarah Bußmann sich mit Leopold Rosenaks Einsatz für Auswandernde und die Einrichtung von Koscherküchen auf den Dampfern des Norddeutschen Lloyd beschäftigt, untersucht Marlene Rehbein seinen Kampf gegen den sich verstärkenden Antisemitismus nach dem Ersten Weltkrieg. Lennart Wichmann richtet den Blick auf die für die Familiengeschichte so zentrale Quelle, die Lebenserinnerungen. Anna-Luisa Leinen stellt das Mutter-Tochter-Duo Bella Rosenak und Hanna Aber (1904–1995) vor; die jüngste Tochter der Rosenaks heiratete nach dem Tod des Vaters dessen Amtsnachfolger, Rabbiner Dr. Felix Aber (1895–1964). Abschließend beleuchtet Marie Zachger die Etappen der mehrjährigen Flucht Bella Rosenaks, die für sie selbst eine „wunderbare Rettung“ blieb.

Stadtspaziergang

Der Stadtspaziergang knüpft an die Themen der Vorträge an, verortet diese allerdings im Stadtraum. Die Studierenden laden ein, sich auf eine Entdeckungsreise durch Bremen zu begeben. Ihr Anliegen ist, jüdisches Leben und Geschichte sichtbar zu machen.

Vom Neuen Rathaus führt der Weg mit einem Stopp am Deutschen Haus bis zur Lloyd Passage. Weitere Tourstationen sind Die Glocke und das Rosenak-Haus im Schnoorviertel. Von den Lebenserinnerungen Bella Rosenaks ausgehend haben die Studierenden Orte und Geschichten recherchiert. Sie erzählen von Menschen, deren Engagement und Erfahrungen die Stadt veränderten und prägten, aber heute kaum noch bekannt sind.

Die Seitenangaben zu den Zitaten beziehen sich auf das Exemplar der Lebenserinnerungen von Bella Rosenak, welches sich im Staatsarchiv Bremen befindet; es entspricht dem Exemplar im Leo Baeck Institute.

„Bei einem Empfang bei General Ludendorff, war auch der Bremer Buergermeister zugegen. Er bat sich aus, dass man den Feldrabbiner Dr. Rosenak neben ihn setzen moege, und er sprach zu ihm voller Anerkennung ueber seine grossen Leistungen.“

– S. 96, Absatz 2

„In den Jahren zwischen 1905 und 1910 gruendete mein Mann die Loge, die den Namen ‚Kaiser Friedrich‘ trug. Sie hat grossen Segen gestiftet. [/] Einige Jahre spaeter entwickelte sich aus ihr eine Schwesternloge, in der ich viele Jahre den Vorsitz hatte.“

– S. 44, Absatz 4 und 5

„Dann trat ein Herr aus dem Besucherkreis vor, und, indem er sich als ein Direktor des N.D.Lloyd vorstellte, sagte er: ‚Seit vielen Jahren arbeitet Herr Rabbiner Dr. Rosenak mit uns zusammen, aus vollem Herzen bemueht, fuer die vielen vom Schicksal enterbten Heimatlosen zu sorgen und ihnen einen neuen Weg fuer die Zukunft zu bahnen. […]‘“

– S. 18, Absatz 4

„Zu meinem 40. Geburtstag schenkte mir mein Bruder Alex einen Fluegel. […] Den Fluegel schenkte ich Hannele zur Hochzeit, da sie angab, ohne Fluegel nicht heiraten zu koennen. Noch heute, nach ueber 40 Jahren – lebt der Fluegel und steht stolz bei den lieben Abers.“

– S. 86, Absatz 3

„10 Jahre nach dem Todestage meines Mannes weihte die Gemeinde das hinzugekaufte Nebenhaus der Synagoge ein und benannte es ‚Rosenakhaus‘. […] Im Eingang hing ein grosses, schoenes Bild von Dr. Rosenak. Dieses Haus fiel am 9. November 1938 als erstes der Vernichtung anheim. Das Bild wurde zerschmettert, bevor die Herren Aerzte die Synagoge in Brand steckten.“

– S. 42, Absatz 1

Aktualisiert von: Anna Leinen