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NS-Zwangsarbeit in Bremen

In Kooperation des Instituts für Geschichtswissenschaft mit der Landesarchäologie Bremen und dem Denkort Bunker Valentin wurden (und werden) verschiedene Projekte in Forschung und Lehre durchgeführt. Einen Überblick erhalten Sie hier:

Buchpublikation „Bremen-Gröpelingen, Bromberger Straße 117“: 

Ein Sammelband aus der Reihe der „Bremer Archäologischen Blätter“ fasst nun die Erkenntnisse der Lehrgrabungen vom Sommer 2018 und der Recherchen zur Geschichte des „Schützenhofs“ in Bremen-Gröpelingen und studentische Beiträge zusammen: Das Außenlager „Schützenhof“ des KZs Neuengamme in Bremen-Gröpelingen bestand 1944/45 nur wenige Monate. Das Gelände besitzt eine spannende Geschichte davor und danach. 1907 errichtete die Bremer Schützengilde von 1904 e.V. dort eine Schießanlage und eine Gaststätte, der „Schützenhof“ war fortan Ausflugsort. 1939 diente er kurzzeitig als Internierungslager für indische Seeleute, dann als Sammelort für Sinti- und Romafamilien, anschließend als Lager für zivile Zwangsarbeiter. Nach der Zerstörung der Gebäude im Oktober 1943 wurden Ende 1944 Baracken für ein KZ-Außenlager errichtet. Nach 1945 zogen Mitarbeiter der A.G. „Weser“ und die Schützengilde in die Baracken; die Geschichte der Lager geriet jedoch bis Anfang der 2000er Jahre in Vergessenheit. 2018 setzten eine archäologische Lehrgrabung und ein Geschichts­seminar an der Universität Bremen neue Impulse für die Erforschung des Ortes und förderten bislang unbekannte historische, archäologische und geophysikalische Erkenntnisse zutage.

Uta Halle, Ulrike Huhn (Hrsg.): Bremen-Gröpelingen, Bromberger Straße 117. Schützenhof – Internierungslager – Polenlager – KZ-Außenlager – Wohn- und Arbeitsort. Forschung und Erinnerung zur vielschichtigen Geschichte des Schützenhofs im 20. Jhdt., Bremen: Edition Falkenberg, 2019. (144 Seiten, farb. Abb., Softcover, 21 x 29,7 mm)

Pressemeldungen:


Lehrgrabung auf dem Gebiet des ehemaligen KZ-Außenlagers „Schützenhof“ in Bremen-Gröpelingen sowie Poster- und Fundpräsentation am „Tag des Offenen Denkmals“ am 9. September 2018

Die Geschichte des Stadtteils Bremen-Gröpelingen ist bestimmt von seinen Häfen und seinem lange Zeit wichtigsten Arbeitgeber – der A.G. Weser. Während des Zweiten Weltkriegs war die A.G. Weser intensiv an der Rüstungsproduktion und der Herstellung von U-Booten für das nationalsozialistische Regime beteiligt. In den letzten Kriegsmonaten sollten KZ-Häftlinge den eklatanten Mangel an Arbeitskräften kompensieren. Auf dem Gelände des Schützenhofs in der Bromberger Straße bestand für wenige Monate, von Dezember 1944 bis Ende März 1945, ein Außenlager des KZ Neuengamme bei Hamburg, in dem einige hundert Männer inhaftiert waren. Die Namen von 257 Menschen sind bekannt, die das Lager und die Zwangsarbeit bei der A.G. Weser nicht überlebt haben. Basierend auf den Ergebnissen der bisherigen Aufarbeitung und Erinnerung erfolgte 2018 eine weitere Initiative zur Erforschung der Geschichte des Geländes und Stadtteils. Eine Lehrgrabung und eine geophysikalische Messung mit Studierenden der Universität Bremen fand im Frühjahr unter Leitung der Bremer Landesarchäologin Prof. Dr. Uta Halle 2018 statt. In einem Seminar unter Leitung von Dr. Ulrike Huhn recherchierten Studierende weiteres Material zum Lager „Schützenhof“ im Bremer Staatsarchiv und im Archiv der Gedenkstätte Neuengamme.
Verschiedene Formen des historischen Erinnerns stehen im Mittelpunkt der Aktionen auf dem Schützenhofgelände und in Gröpelingen. Am Tag des offenen Denkmals 2018 wurden Ergebnisse der archäologischen und geophysikalischen Untersuchungen und der weiteren Recherchen zu den Zwangsarbeitern, die auf der „AG Weser“ Zwangsarbeit leisten mussten, präsentiert. Hierzu gehörte insbesondere eine Fund- und Posterausstellung der Studierenden auf dem Gelände des Schützenhofs. An der Präsentation nahm auch der Bürgermeister der Stadt Bremen, Dr. Carsten Sieling, teil. Näheres hierzu finden Sie hier.

 

Audio Walk „Ein KZ für die Werft. Die Geschichte des KZ-Außenlagers „Schützenhof“

Der Audiowalk ist im Rahmen des Seminars „Lager und Erinnerung: Schriftquellen und Öffentlichkeit im Kontext des KZ-Außenlager ‚Schützenhof‘ in Gröpelingen“ im Sommersemester 2018 an der Universität Bremen entstanden. Unter der Leitung von Dr. Ulrike Huhn sprachen die Studierenden unter anderem mit Zeitzeug*innen bzw. ihren Angehörigen, sichteten Quellen sowie Literatur und trugen die Informationen zusammen.

Auf dem Rundgang durch Gröpelingen vom „Schützenhof“ zum Hafen sind die die Erinnerungen von Überlebenden und ihren Angehörigen, von früheren Nachbarn, die den täglichen Weg der Häftlinge zum Arbeitsort bei der AG Weser gesehen haben zu hören. Zu Wort kommen auch diejenigen, die sich in den in den letzten Jahrzehnten für die Erinnerung an das Lager eingesetzt haben.
Der digitale Spaziergang startet mit der im App Store bzw. bei GooglePlay verfügbaren kostenfreien App “Radio Aporee“ am „Schützenhof“ in der Bromberger Str. 117 und folgt der täglichen Route der Häftlinge zum früheren Werksgelände der A.G. Weser am Hafen. Von dort aus führt der Weg entlang der „Waterfront“ und endet beim Bunker am Pastorenweg. Der Audiowalk ist über diesen Link erreichbar: https://einkzfuerdiewerft.wordpress.com/audiowalk/

Siehe hierzu auch die Presseberichte der Uni Bremen und des Weser-Kuriers.

 

Deutsch-ukrainischer Studierendenaustausch 2016/2017

Im Sommersemester 2016 startete eine Gruppe von 18 Bachelor- und Masterstudierenden der Integrierten Europastudien, Geschichts- und Politikwissenschaft unter Leitung von Dr. Julia Timpe und Dr. Ulrike Huhn zu einer einwöchigen Exkursion in die Ukraine. In Kiew und Nikolajew trafen sie ehemalige NS-Zwangsarbeiterinnen sowie deren mit ihnen nach Deutschland verschleppte Kinder, um von ihren Erfahrungen in Deutschland während des Krieges zu hören. An der Universität Nikolajew nahmen sie gemeinsam mit dortigen Studierenden und Promovierenden an einem von Dr. Anatolij Pogorielov mitorganisierten zweitägigen Workshop teil, in dem sie jeweils eigene Recherchen über die vielfältigen Kriegserfahrungen, deren Folgen und Bedeutungen in der regionalen Erinnerungskultur vorstellten.

Im Oktober 2017 war eine Gruppe ukrainischer Studierender eine Woche in Bremen zu Gast und besuchte zusammen mit zehn Bremer Studierenden eine Woche lang viele Orte in Bremen und Norddeutschland, an denen NS-Zwangsarbeit erinnert und erforscht wird, so den Denkort Bunker Valentin, das Staatsarchiv Bremen, die Gedenkstätte Neuengamme in Hamburg sowie die Gedenkstätte Augustaschacht am Ort eines früheren „Arbeitserziehungslagers“ bei Osnabrück. Dabei ging es auch um die unterschiedlichen Perspektiven auf und familienbiographischen Verbindungen mit dem Thema NS-Zwangsarbeit. Ein Höhepunkt der Woche war ein öffentlicher Workshop an der Bremer Landeszentrale für politische Bildung, bei dem Dr. Anatolij Pogorelov von der Universität Nikolajew sowie einige Studierende aus Nikolajew und Bremen ihre Forschungsergebnisse, basierend u.a. auf Akten der Staatsarchive Bremen sowie des Gebiets Nikolajew vorstellten.

Reiseberichte sowie ein Kurzfilm zur Rückbegegnung in Bremen sind auf einem studentischen Blog eingestellt: https://bremkraine.hypotheses.org/

Aktualisiert von: M.Fritzsche