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Forschung

Körpertechniken

Einen Forschungsschwerpunkt der Abteilung Frühe Neuzeit stellen „Körpertechniken“ dar, d. h. der historisch wandelbare, kulturell strukturierte, instrumentelle Gebrauch des Körpers in all seinen Facetten. Der von Marcel Mauss eingeführte Begriff ist dabei sehr viel breiter angelegt als das wettkampforientierte Konzept des „Sports“ oder die gesundheitsorientierten „Leibesübungen“. Körpertechniken können jedoch ebenso wie diese als Linse und Symptom für die Untersuchung individueller wie gesellschaftlicher Entwicklungen und Konfliktfelder dienen sowie in ihrer Funktion als Erkenntnisquelle (embodiment) und prozedurales (Körper-)Gedächtnis untersucht werden. Da den historisch arbeitenden Wissenschaften vergangene Körperhaltungen und -bewegungen nur mittelbar durch Bild- und Textquellen gegeben sind, spielt die Analyse von Darstellungsformen als auch deren Rückwirkungen auf Körpererfahrung eine wichtige Rolle.

Eine 2008 in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel von Rebekka von Mallinckrodt kuratierte und gemeinsam mit Forscherinnen und Forschern aus dem In- und Ausland umgesetzte Ausstellung gab erstmals einen Überblick über die vielfältigen Bestände der HAB zum Thema (siehe Ausstellungskatalog und Pressespiegel).

Von 2009 bis 2012 führte das DFG-Netzwerk „Körpertechniken in der Frühen Neuzeit“ ForscherInnen aus neun Nationen und acht Disziplinen zusammen, um ihre Arbeiten auf vier thematisch unterschiedlichen Netzwerktreffen an der FU Berlin, am DHI Paris, der Universität des Saarlandes (Saarbrücken) und am DHI London zu diskutieren. Als Ergebnis dieser Kooperation entstanden mehrere Qualifikationsarbeiten und Monographien, der Sammelband „Sports and Physical Exercise in Early Modern Culture“ sowie zahlreiche Aufsätze und Lexikonartikel (s. u.).

Aktuell werden diese Forschungen durch Beiträge zur Wissenschafts-, Sinnes- und Technikgeschichte der Erforschung der Meere und der (Unter-)Seefahrt sowie als Herausgeberin des Bandes "The Age of Enlightenment 1650-1800" der sechsbändigen "Cultural History of Sport" (Bloomsbury) fortgeführt.

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.frueheneuzeit.uni-bremen.de/index.php/de/forschung/koerpertechniken

German Slavery

Von 2015 bis 2020 fördert der European Research Council das Forschungsprojekt „The Holy Roman Empire of the German Nation and its Slaves” in Form eines Consolidator Grants (Projektleitung: Rebekka v. Mallinckrodt). Dadurch konnten drei Qualifikations- und eine Koordinationsstelle geschaffen werden. Auf Grundlage dieser Stellen einschließlich der Forschungen der Antragstellerin entstehen in den kommenden Jahren vier Fallstudien. Hinzu kommt eine komplementär quantitativ angelegte Datenbank. Ziel des Gesamtprojektes ist es, systematisch zum besseren Verständnis des Ausmaßes und der Bedeutung der Verschleppung von Menschen ins Alte Reich beizutragen.

Gleichzeitig wird auf der konzeptuellen Ebene kontinuierlich diskutiert, inwiefern bzw. in welchen Fällen man in Bezug auf verschleppte Menschen im Alten Reich zu Recht von Sklaverei sprechen kann und welche neuen Perspektiven sich daraus für die Forschung ergeben.

Weitere Informationen finden Sie unter:

http://www.frueheneuzeit.uni-bremen.de/index.php/de/forschung/german-slavery