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Vergangene Lehrveranstaltungen

zurück bis Sommersemester 2019

Termine, Ablaufpläne und Veranstaltungsorte (sowohl digitale als auch physische) der Lehre entnehmen Sie bitte Stud.IP.
 
Amerikanische Sozialpolitik vom New Deal bis zu Obamas Gesundheitsreform  |  Seminar  |  Prof. Dr. Cornelius Torp

In der Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise seit 1929 liegen die Ursprünge des modernen amerikanischen Wohlfahrtsstaats. Im Seminar soll die Entwicklung der Sozialpolitik von Roosevelts „New Deal“ über Johnsons „Great Society“ bis zu Obamas Gesundheitsreform verfolgt werden. Dabei richtet sich das Augenmerk nicht nur auf die Bundesebene, sondern ebenso auf die Gliedstaaten sowie den Bereich der privaten Absicherung gegen soziale Risiken. Gleichzeitig soll es darum gehen, welche Auswirkungen der spezifische Zuschnitt des amerikanischen Wohlfahrtsstaats auf die Strukturen sozialer Ungleichheit in der US-Gesellschaft hatte.
 

Einführung in das Werk Reinhart Kosellecks  |  Seminar  |  Prof. Dr. Cornelius Torp

Reinhart Koselleck zählt zu den bedeutendsten Historikern des 20. Jahrhunderts. Er legte bahnbrechende Studien zur Begriffsgeschichte, zur Historik und zur Semantik geschichtlicher Zeiten vor. Gleich ob man Politik- oder Sozialgeschichte, Wirtschafts- oder Kulturgeschichte betreibt, führt an Kosellecks Arbeiten kein Weg vorbei. In der Übung werden wir eine Reihe seiner wichtigsten Beiträge gemeinsam lesen und intensiv diskutieren. Damit soll zugleich ein erster Überblick über das vielfältige Werk Reinhart Kosellecks gewonnen werden.
 

Grenzen und ihre Räume. Imperiale Grenzregionen des 19. Jahrhunderts im internationalen Vergleich  |  Seminar  |  Yves Schmitz

Imperiale Grenzregionen zeichnen sich durch spezifische Dynamiken, Durchlässigkeiten und Prozesse aus, welche in diesem Seminar besprochen werden. Konzepte wie „frontier“, „borderland“ und „middle ground“ bilden den theoretischen Hintergrund, mit welchem Themen wie Gewalt und Handel an konkreten Fallbeispielen in der imperialen Peripherie vor allem Afrikas und Nordamerikas diskutiert werden.

Das Lesen von englischen Texten ist Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar.
 

Grundlagen historischen Arbeitens  |  Seminar  |  Sophia Gröschel

Das Seminar dient begleitend zur Vorlesung der Einführung in das geschichtswissenschaftliche Arbeiten. Wir beschäftigen uns zunächst mit der Frage, was historische Forschung leisten kann und sollte. Dafür werfen wir einen Blick auf sowohl klassische als auch neue Forschungsfelder der Geschichtswissenschaft. Der Fokus liegt hier in erster Linie auf dem 20. Jahrhundert aus vornehmlich deutscher aber auch europäischer und globalhistorischer Perspektive. Anhand aktueller Untersuchungen beschäftigen wir uns mit dem Erkenntnisinteresse und den Methoden geschichtswissenschaftlicher Forschung. Anschließend setzen wir uns mit den konkreten praktischen Arbeitsschritten auseinander, die Sie im Laufe Ihres Studiums beim Verfassen von Texten begleiten: Themenfindung und Entwicklung der Fragestellung, Literaturrecherche und Quellenarbeit, effizientes Lesen und wissenschaftliches Schreiben. Der Kurs wirft ein Licht auf die Relevanz und Vielfalt der Geschichtswissenschaft, gibt Ihnen das Handwerkszeug zum historischen Arbeiten mit auf den Weg und ermöglicht es Ihnen, eigene Forschungsinteressen zu entwickeln. Gemeinsam ergründen wir in Bezug auf die Geschichtswissenschaft die drei W-Fragen: Warum? Was? Wie?
 

In 12 Städten um die Welt: Eine Einführung in die Global Urban History  |  Proseminar  |  Norman Aselmeyer

Die Global Urban History ist ein noch recht junger Zugang innerhalb der Geschichtswissenschaft. Er interessiert sich vor allem dafür, welche Funktion und Rolle Städte in einer global vernetzten Welt einnehmen, ob sie Triebkräfte oder Ergebnis der Globalisierung sind, wie globale Trends in Städten erfahrbar und verhandelt wurden. Der Ansatz verbindet also die Forschungen von Stadt- und Globalgeschichte miteinander. Im Seminar bewegen wir uns mithilfe von 12 verschiedenen Fallbeispielen einmal um den Globus und gehen den offensichtlichen, fühlbaren, geheimen und gefährlichen Verflechtungen der Städte auf den Grund.
 

Kolonisierte, Ausgebürgerte, Geflüchtete: Staatsbürgerschaft und ihre Grenzen, 1789-2015  |  Seminar  |  Dr. Avner Ofrath

Jeder Staat inkludiert einige und schließt andere aus. Diese stets umkämpfte Dynamik prägt seit zwei Jahrhunderten unsere Politik, Gesellschaft und Kultur. Wie universal kann Staatsbürgerschaft sein? Welche Kriterien gelten als legitim? Und welche Rolle spielt solch ein nationaler Rahmen in einer zunehmend globalisierten Welt? Solchen Fragen wollen wir in diesem Seminar nachgehen. Beginnend mit der Französischen Revolution, in der die Unterscheidung zwischen Menschen- und Bürgerrechten zum ersten Mal formuliert wurde, diskutieren wir das Spannungsverhältnis zwischen Inklusion und Exklusion im nationalstaatlichen, imperialen, und postkolonialen Kontext.
 

Zwischen Protektionismus und Freihandel: US-Handelspolitik im 20. und 21. Jahrhundert  |  Seminar  |  Prof. Dr. Cornelius Torp

Die Vereinigten Staaten haben eine weit ins 19. Jahrhundert zurückreichende protektionistische Tradition. Nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch waren sie die entscheidende Triebkraft bei der Liberalisierung des Welthandels. Mit Präsident Trump scheinen nun wieder Protektionismus und Handelskriege auf der Tagesordnung zu stehen. Im Seminar sollen die Ideen und Interessen, die die amerikanische Handelspolitik bestimmt haben, ebenso im Zentrum stehen wie ihre ökonomischen und sozialen Auswirkungen.
 

Ausnahmezustände: Theorie und Geschichte im 19./20. Jahrhundert  |  Lektürekurs  |  Prof. Dr. Stefanie Middendorf

Der Ausnahmezustand gilt vielfach als das eigentliche Paradigma des Regierens in der Gegenwart. Ob im amerikanischen War on Terror, der französischen Sicherheitspolitik, der europäischen Finanzmarktregulierung oder in der Corona-Krise der Gegenwart – die Vorstellung, hier herrsche die Ausnahme, prägt nicht selten die Legitimierung wie die Kritik entsprechender Maßnahmen. Im Seminar werden wir uns vor allem den theoretischen Grundlagen dieser Debatten widmen und Schlüsseltexte von Carl Schmitt, Walter Benjamin, Giorgio Agamben und anderen lesen. Anhand von Beispielen aus der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts soll zudem ermittelt werden, inwiefern dieser Begriff herangezogen werden kann, um Machtverhältnisse in der Vergangenheit zu analysieren – und damit auch gegenwärtige Auseinandersetzungen besser zu verstehen.
 

Die andere Moderne? Die nahöstliche Öffentlichkeit zwischen osmanischer und europäisch-kolonialer Herrschaft  |  Seminar  |  Dr. Avner Ofrath

Im 19. Jahrhundert erlebten der Nahe Osten und Nordafrika einen sozialen, politischen und kulturellen Wandel, der die Grenzen zwischen privat und öffentlich, eigen und fremd, profan und sakral neu definieren lies. Im Osmanischen Reich – in Europa häufig als „der kranke Mann am Bosporus“ verspottet – wurden ambitionierte Reformen initiiert. Neue Städte, Infrastrukturen, Verwaltungsaparte und nicht zuletzt Grundkonzepte von Staatsbürgerschaft und politischer Teilhabe schufen neue öffentliche Sphären. Gleichzeitig bekam man die europäische Expansion immer näher und unmittelbarer zu spüren. Im Laufe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts kamen immer mehr Territorien unter direkte koloniale Herrschaft, die von entfesselter Gewalt und einem aggressiven Modernisierungsanspruch charakterisiert war.

Wie interagierten verschiedene Bevölkerungsgruppen in diesen neuen öffentlichen Sphären? Wie wurden religiöse, ethnische und politische Bestreben artikuliert? Und welche Vorstellungen von Fortschritt und Modernität entstanden aus dieser Epochenwende? Solchen Fragen wollen wir in diesem Seminar nachgehen, und somit erste Einblicke in die Geschichte des Nahen Ostens und Nordafrikas gewinnen.
 

Die „Volksgemeinschaft“ im Nationalsozialismus: Neuere Forschungen und Kontroversen  |  Proseminar  |  Prof. Dr. Stefanie Middendorf

In der nationalsozialistischen Propaganda spielte der Begriff der „Volksgemeinschaft“ eine wichtige Rolle. Doch ist in der Forschung umstritten, ob dieser Begriff für eine Analyse der nationalsozialistischen Gesellschaft wirklich sinnvoll ist oder nur eine Selbstinszenierung des Regimes reproduziert. Im Seminar werden wir uns daher kritisch mit der Begriffsgeschichte, mit einzelnen sozialen Erscheinungsformen der „Volksgemeinschaft“ sowie mit den zentralen Forschungskontroversen zu diesem Thema beschäftigen. Im zweiten Teil des Semesters sollen im Staatsarchiv Bremen eigenständige Recherchen durchgeführt werden. Erkenntnisse aus der vorherigen Lektüre können so empirisch angewandt werden. Zudem dient das Seminar der Vermittlung und Festigung grundlegender Techniken geschichtswissenschaftlichen Arbeitens.
 

Doing Capitalism? Praktiken, Räume und Dinge in der Wirtschaftsgeschichte Westeuropas  |  Seminar  |  Prof. Dr. Stefanie Middendorf

Wie und von wem wird der Kapitalismus eigentlich „gemacht“? An welchen Orten und in welchen Dingen lässt sich kapitalistisches Denken und Handeln auffinden? Wie lässt sich etwa am Beispiel des Börsentickers oder der Kreditkarte der Kapitalismus verstehen? Um solche Fragen zu beantworten, haben sich wirtschaftshistorische Forschungen in den letzten Jahren verstärkt mit praxeologischen Ansätzen beschäftigt. Das Seminar widmet sich dieser Verschränkung theoretischer Debatten mit konkreten Forschungsmethoden und blickt exemplarisch auf Praktiken, Räume und Dinge in der westeuropäischen Geschichte des Kapitalismus. Damit vertieft diese Veranstaltung an konkreten Beispielen auch die Fragen, die im Seminar zur Geschichte des Kapitalismus als historiographischer Konjunktur behandelt werden.
 

Gefühlte Moderne: Auf der Suche nach Emotionen in multiplen Modernen  |  Seminar  |  Sophia Gröschel

Ausgehend vom Konzept der multiplen Modernen, das nicht Variationen einer einzigen globalen Moderne nach westlichem Vorbild, sondern eine Vielzahl von Modernen annimmt, machen wir uns in diesem Seminar auf die Suche nach Gefühlen der Moderne rund um den Globus. Neben dem Konzept und Begriff der Moderne(n) an sich werden wir uns anfangs mit zentralen theoretischen Grundlagen der Geschichte der Gefühle beschäftigen. Anhand neuerer emotionshistorischer Forschung betrachten wir dann Gefühlswelten des insbesondere späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts in Asien, im Nahen Osten und in der westlichen Welt. Dabei werden wir dem Stellenwert von sowohl Emotionen allgemein als auch konkreten Gefühlen in unterschiedlichen Gesellschaften nachgehen. Welche Gefühle spielten im Umgang mit Moderne und Zivilisation eine Rolle? Welche emotionalen Standards gingen mit Modernisierungs- und Zivilisierungsansprüchen einher? Bei der Beantwortung dieser Fragen legen wir ein besonderes Augenmerk auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede emotionaler Standards in verschiedenen Modernen und untersuchen, inwiefern sich unterschiedliche Emotionskulturen in Bezug oder Kontrast zueinander entwickelten.
 

Geschichte(n) des Kapitalismus. Annäherungen an eine historiographische Konjunktur  |  Seminar  |  Prof. Dr. Stefanie Middendorf

„Kapitalismus“ war und ist ein kein eindeutiger, sondern ein umstrittener Begriff, auch in der Geschichtswissenschaft. Die jüngsten Finanzkrisen haben der Geschichte des Kapitalismus und der Kapitalismuskritik neue Aufmerksamkeit beschert. In den vergangenen Jahren sind daher von Historiker*innen zu diesem Thema Kontroversen angestoßen und größere Studien verfasst worden. Im Seminar werden wir uns mit dieser historiographischen Konjunktur beschäftigen und längere Auszüge aus neueren Werken lesen, um kapitalismushistorische Ansätze in ihrer Unterschiedlichkeit zu verstehen. Die Veranstaltung bietet damit die Gelegenheit, Schlüsseldebatten der Gegenwart historisch präziser einzuordnen und zugleich die Produktionsbedingungen geschichtswissenschaftlicher Forschungen zu reflektieren.
 

Umkämpftes Erbe: Debatten um Europa und die Kolonialvergangenheit  |  Proseminar  |  Norman Aselmeyer

In vielen Ländern Europas ist in den letzten Jahren mit Vehemenz über die europäische Kolonialgeschichte und ihre Nachwirkungen debattiert worden. Hierzulande hat sich die öffentliche Diskussion mit Blick auf das Berliner Humboldt-Forum insbesondere auf die Restitution von kolonialen Objekten beschränkt. Wenige andere Länder sind bereits weiter und bemühen sich um einen veränderten Blick auf die Kolonialvergangenheit insgesamt. Die Schärfe, mit der in der politischen Öffentlichkeit zum Teil um das Erbe Europas gestritten wird, zeigt, dass es sich bei der Kolonialgeschichte um ein hochsensibles Thema handelt. Stehen wir also vor der „größten Identitätsdebatte unserer Zeit“ oder „neigt sich die Debatte ihrem Ende zu“, wie einzelne Kommentatoren meinen? Das Seminar beschäftigt sich mit dem eigenwilligen Nachleben des europäischen Kolonialismus auf drei verschiedene Weisen: Es untersucht, erstens, die Genese der aktuelle Debatte und beschäftigt sich mit dem Erinnern und Verdrängen der Kolonialvergangenheit; es fragt, zweitens, wie sich unter postkolonialen Gesichtspunkten die imperiale Geschichte Europas erforschen und ausstellen lässt; und nimmt, drittens, ausgewählte Streitthemen innerhalb der Geschichtswissenschaft in den Blick.
 

Der Holocaust in seiner europäischen Dimension: Themen, Methoden und Probleme der Holocaustforschung  |  Seminar  |  Veronika Settele

Der Kurs besteht aus einer problemorientierten Einführung in die Geschichte des Holocaust selbst und einer Reflexion der spezifischen Problemen und Herausforderungen der Holocaust-Forschung. Diese umfassen ein Nachdenken der Aufgaben und Grenzen der Historisierung, Debatten über Singularität und Vergleichbarkeit, die Rolle von Bildern und Fotografien als Quellen, das Problem der Sprache der Holocaust-Forschung, der Schwerpunktsetzung Opferforschung vs. Täterforschung und der Erklärungsmaxime Intentionalismus vs. Funktionalismus/Strukturalismus.

This course deals with an introduction in the history of the holocaust and a reflection of specific problems and challenges of holocaust reseach. These include, among others, debates about singularity and comparability, the role of pictures as sources, language of holocaust research and focus on victims vs. focus on perpetrators.
 

Die Überwindung des Eurozentrismus: Methoden und Ansätze der Globalgeschichte  |  Seminar  |  Dr. Avner Ofrath

Die Geschichtswissenschaft erlebt in den letzten Jahren einen beachtlichen Paradigmenwechsel. Der Vorrang nationaler oder höchstens regionaler Geschichtsschreibung wird durch einen immer stärkeren Fokus auf transnationale, oft sogar globale Verflechtungen ersetzt. Von Teehandel zu Städtebau, von der Französischen Revolution zur Industrialisierung, überall werden neue Ansätze entwickelt und altvertraute Fragen neu aufgegriffen. Dieser Entwicklung wollen wir in unserem Seminar nachgehen. Dabei gilt es, Entstehungsimpulse und Grundtexte der Globalgeschichte zu diskutieren und über Chancen und Herausforderungen dieser Stoßrichtung gemeinsam nachzudenken.
 

Geschichte und Theorie der Solidarität  |  Seminar  |  Prof. Dr. Cornelius Torp

Solidarität ist ein Schlüsselbegriff unserer Gegenwart. Wo immer es darum geht, Menschen zur Hilfe in Notsituationen aufzufordern oder die Umverteilung knapper Ressourcen zu legitimieren, da ist der Appell an die Solidarität nicht weit – und zwar zunehmend nicht nur im lokal oder national begrenzten Kontext, sondern auch mit transnationaler und globaler Stoßrichtung. Gleichzeitig hat die Idee der Solidarität eine lange Geschichte – nicht zuletzt als eine Kampfformel, die das neue Selbstbewusstsein der Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert ausdrückte.

Im Seminar wollen wir uns auf der einen Seite mit verschiedenen theoretischen Ansätzen beschäftigen, die sich mit dem Solidaritätsbegriff auseinandersetzen. Auf der anderen Seite sollen Geschichte und Praxis der Solidarität seit dem 19. Jahrhundert im Mittelpunkt stehen.
 

Globalgeschichte in der Praxis: Themenfelder und Beispiele  |  Seminar  |  Prof. Dr. Cornelius Torp

Die Globalgeschichte ist derzeit fraglos eines der innovativsten und interessantesten Felder der Geschichtswissenschaft. Ausgehend von der immer engeren Verflechtung der Welt in der Moderne, stellt sie historische Phänomene konsequent in einen globalen Kontext und richtet ihr Augenmerk besonders auf den grenzüberschreitenden Transfer von Menschen, Dingen und Ideen. Auf der Grundlage der im anderen Seminar erörterten globalgeschichtlichen Ansätze und Methoden wollen wir uns in dieser Veranstaltung mit konkreten Beispielen globalhistorischer Geschichtsschreibung auseinandersetzen. Hierzu wollen wir nicht nur gemeinsam neuere globalgeschichtliche Texte lesen, sondern z. T. auch mit ihren Autoren diskutieren.
 

Grundlagen historischen Arbeitens  |  Seminar  |  Prof. Dr. Cornelius Torp
 
Moderne: Konzepte, Merkmale, Repräsentationen  |  Seminar  |  Prof. Dr. Cornelius Torp

„Moderne“ ist in der gegenwärtigen historischen Debatte ein ebenso zentraler wie schillernder Begriff. Lange Zeit war sie als Fluchtpunkt der Modernisierungstheorie primär positiv besetzt und verkörperte das Ergebnis eines säkularen Fortschrittsprozesses. In der Diskussion der letzten Jahrzehnte traten immer mehr die Ambivalenzen der Moderne und ihre Abgründe hervor, die stichwortig mit Disziplinargesellschaft, Biopolitik und industriellem Massenmord bezeichnet werden können. In der Übung sollen die zentralen Dimensionen der Moderne ebenso wie ihre Schattenlinien zur Sprache kommen. Im Mittelpunkt stehen darüber hinaus neuere Theorieansätze wie die Multiple Modernities des israelischen Soziologen Shmuel Eisenstadt. Die Veranstaltung bietet Gelegenheit, einige Schlüsselwerke der Gegenwartsdiagnose kennenzulernen und historisch informiert über sie zu diskutieren.
 

 

Das "lange" 19. Jahrhundert  |  Vorlesung  |  Prof. Dr. Cornelius Torp

Die Vorlesung zielt darauf, einen Überblick über die Geschichte Europas von der Französischen Revolution bis zum Ersten Weltkrieg zu geben. Dieses „lange 19. Jahrhundert“ war eine Epoche der dramatischen „Verwandlung der Welt“ (Jürgen Osterhammel): von Nationalstaatsbildung, Industrialisierung, Imperialismus, Demokratisierung, wissenschaftlichem Fortschritt und Globalisierung. Zugleich erreichte Europa in dieser Zeit den Zenit seiner globalen Dominanz – eine Vormachtstellung, die den Weltkrieg in dieser Form nicht überlebte. Im Mittelpunkt der Vorlesung stehen die wichtigsten gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen, die Europa prägten, genauso aber die europäisch-globalen Wechselwirkungen.
 

Europäische Weltstädte des 19. Jahrhunderts: Industrialisierung, Urbanisierung, "Moderne"  |  Seminar  |  Laura Kaiser

Cholera-Epidemien und Miasmen-Theorie: David Brennemann + Keno Jans + Yaël Myriam Richter-Symanek, die Umgestaltung von Paris durch den Baron Haussmann: Jannic Puschmann, die Weltausstellung(en): Anna-Luisa Leinen + Tin Ching Leung + Sophia Strekies, das Phänomen der Warenhäuser: Lisa Hamann, Ausflug ins Deutsche Auswandererhaus nach Bremerhaven, die Music Halls und café-concerts: Lukas Kayser + Lara-Marie Penshorn + Tabea Welsch, die Barrikadenkämpfe: Lennart Ahlfeld + Jannes Schulz, die Veränderungen des Großstadtlebens durch den Siegeszug der Elektrizität: Alan Maciejewski + Charlotte Temme + Johannes Strauß, Charlie Chapin: "Modern Times", das häusliche Leben des Stadtbürgertums, Mietskasernen, Mietskasernen: Tim Howald + Paul-Jannis Grammel.
 

Spekulation und Glücksspiel im 19. und 20. Jahrhundert  |  Seminar  |  Prof. Dr. Cornelius Torp

Handelt es sich bei Spekulationsgeschäften auf den Finanzmärkten – ob nun mit Optionsscheinen, Futures oder anderen Derivaten – um eine ganz normale ökonomische Aktivität oder um reines Glücksspiel? Sind Börsen nichts anderes als große Casinos? Diese Fragen sind nicht erst seit der Weltfinanzkrise ab 2007 brandaktuell, sondern besitzen einen langen historischen Stammbaum. Im Seminar wollen wir verfolgen, wo die Scheidelinie zwischen Spekulation und Glücksspiel in verschiedenen historischen Kontexten verlaufen ist, wie sie sich verschoben hat und welche Konflikte um sie entstanden. Dabei soll der gesamte Zeitraum von 1800 bis heute in den Blick genommen werden.
 

Teller, Markt, Moral: Ernährung und Lebensmittelproduktion im 20. Jahrhundert  |  Proseminar  |  Veronika Settele

Essen ist zu einer umstrittenen Tätigkeit geworden. Lebensmittelskandale, Kritik an Körpernormen und am Konsumverhalten, Überlegungen zu Umweltschutz und der Massenhaltung von Tieren – unsere Ernährung steht im Mittelpunkt gleich mehrerer gegenwärtiger Konfliktfelder, die zeigen: Essen ist weder essentialistische Nahrungsaufnahme noch hedonistische Betätigung allein, sondern eine aussagekräftige Schnittstelle zwischen Individuum und Gesellschaft. Was Menschen konsumieren, ist nicht allein vom Zugang zu Nahrungsmitteln abhängig, sondern ebenso von sozialem Milieu, wissenschaftlicher Normierung und regionaler Tradition. Das Seminar sieht in staatlicher Ernährungspolitik und individuellem wie kollektivem Lebensmittelkonsum ein Brennglas für wirtschaftliche Lagen, technische Brüche, medizinische Glaubenssätze und Fragen sozialer Ungleichheit. Der geografische Rahmen des Kurses ist Deutschland in europäischer Umgebung und transatlantischer Verflechtung. Der Blick auf das gesamte 20. Jahrhundert rückt Phasen sowohl des Mangels als auch des Überflusses in den Blick. Das Wechselspiel zwischen "zu wenig" und "zu viel" beschleunigte sich in der Moderne und ist der Grundstein von Ernährungspolitiken und Konsumstrategien. Anhand von landwirtschaftlicher Tierhaltung werden jene Prozesse erschlossen, die die Produktivität der Lebensmittelerzeugung in historisch ungekannte Höhen führten und damit aber zugleich zu einer moralischen Verunsicherung der Gesellschaft gegenüber den Produktionsbedingungen ihrer Nahrung beitrugen.

Fünf thematische Schneisen organisieren den chronologisch aufgebauten Kurs: Wir denken nach über Handel und Globalisierung der Nahrungsmittel (1), über Tiere als Lebensmittel mit eigenen Gesetzen (2), über technische Innovationen wie Kühlung und Verpackung (3), über Gesundheit, die Mensch und Staat durch Ernährung zu erhalten versuchen (4) und über den Zusammenhang zwischen Essen und Identität (5).
 

Transatlantische Massenmigration im 19. Jahrhundert  |  Seminar  |  Prof. Dr. Cornelius Torp

Wohl kein anderer Faktor hat die Vereinigten Staaten im „langen“ 19. Jahrhundert tiefgreifender geprägt als die Masseneinwanderung aus Europa. In der Übung sollen die verschiedenen Wellen der transatlantischen Migration mit ihren Herkunfts- und -zielgebieten nachgezeichnet werden. Es soll ebenso um die Wanderungsursachen wie um die kulturellen Identitäten gehen, die die einzelnen ethnischen Gruppen in der Diaspora herausbildeten. Welche Rolle spielte bei der Einwanderung die Gender-Dimension? Wie gestalteten sich die Verbindungen der ImmigrantInnen zu ihren Herkunftsgesellschaften? Die historischen Wurzeln von Xenophobie und Widerstand gegen die Immigration werden ebenso im Fokus stehen wie die Anfänge der amerikanischen Einwanderungspolitik. Insgesamt wollen wir untersuchen, wie die transatlantische Einwanderung im 19. Jahrhundert die Gesellschaft, die Kultur, die Politik und die Wirtschaft der USA geformt hat.
 

Zeit, Geschichte, Regime und Konflikte  |  Seminar  |  Prof. Dr. Cornelius Torp

Nach dem spacial turn lässt sich in der Geschichtswissenschaft in jüngster Zeit ein temporal turn beobachten. Nach dem Raum rückt nun zunehmend die Zeit als soziale Konstruktion, als historisch gewachsenes Ordnungskonzept in das Zentrum des Forschungsinteresses. Die Zeit wird nicht länger als naturgegebene Grunddimension menschlichen Daseins hingenommen, sondern selbst historisiert. In der Übung wollen wir uns mit den Ergebnissen dieser neuen historischen, aber auch soziologischen und ethnologischen Zeit-Forschung beschäftigen. Probleme der Standardisierung der Zeit werden ebenso im Mittelpunkt stehen wie die gesellschaftliche Durchsetzung von Zeitregimen und die Frage nach der Überzeugungskraft des gegenwärtig vorherrschenden Beschleunigungsnarrativs.
 

 

Modern History