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Wissenschaftler der Universität Bremen veröffentlichten ersten Bestandsmarktreport für 17 Arzneimittel

Gesamtbewertung ergab: Kein Zusatznutzen für die Patienten

Nr. 285 / 20. August 2014 KG

Das Zentrum für Sozialpolitik (ZeS) der Universität Bremen hat anhand von Daten der Techniker Krankenkasse 17 auf dem Markt befindliche Arzneimittel hinsichtlich ihrer Kosten und des Zusatz-Nutzens für die Patienten im Vergleich zu gut untersuchten und bewährten Therapien bewertet. Den Report des Bestandsmarktes 2014 stellte Professor Gerd Glaeske heute während einer Pressekonferenz in Berlin vor. Das Ergebnis: Keines der Arzneimittel wurde in der Gesamtbeurteilung positiv bewertet. Untersucht wurden Neue Orale Gerinnungshemmer, neuere Antidiabetika sowie biotechnologisch hergestellte Präparate, die zur Behandlung der Rheumatoiden Arthritis eingesetzt werden. Bei den untersuchten Wirkstoffen attestierten die Gesundheitsexperten aus Bremen beispielsweise keinem der sechs Antidiabetika einen Zusatznutzen für die Patienten.

Gesetzlicher Hintergrund:

Nicht nur neue Arzneimittel sollten im Rahmen des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG) von 2011 auf ihren Nutzen bewertet werden. Der Gesetzgeber wollte auch ältere, aber patent-geschützte Präparate einer Nutzenbewertung unterziehen, ist jedoch davon wieder abgerückt. Langwierige gerichtliche Prozesse mit den betroffenen Firmen wurden befürchtet. Das Gesetz wurde deshalb zum 1. April 2014 geändert und die Prüfung des Bestandsmarktes wurde aufgehoben. Arzneimittel, die im Vergleich zu bewährten und preisgünstigen Therapiealternativen über keinen ausgewiesenen Zusatznutzen verfügen, verursachen also weiterhin mit teils exorbitanten Preisen überflüssige Kosten für die Gesetzliche Krankenversicherung in Milliardenhöhe. Im Bestandsmarktreport haben nun Wissenschaftler der Universität Bremen Präparate bewertet, die ursprünglich für derartige Nutzenbewertungen vorgesehen waren, inzwischen aber ausgeklammert sind. Damit hat das Zentrum für Sozialpolitik (ZeS) das Bewertungsverfahren weitergeführt, das der Gemeinsame Bundesausschuss vor der Aufhebung des Gesetzes mit wenigen Arzneimitteln des Bestandsmarktes begonnen hatte. Professor Gerd Glaeske: „Insgesamt machen unsere Ergebnisse deutlich, wie notwendig die AMNOG-Bestandsmarktprüfung gewesen wäre, um die Effizienz der Arzneimittelversorgung zu verbessern. Die Ergebnisse dieses nun vorliegenden Bestandsmarktreports werden daher den verordnenden Ärztinnen und Ärzten von der Techniker Krankenkasse zur Verfügung gestellt.“

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Zentrum für Sozialpolitik
Daniela Boeschen
E-Mail: dboeschenprotect me ?!zes.uni-bremenprotect me ?!.de

Prof. Dr. Gerd Glaeske
E-Mail: gglaeskeprotect me ?!uni-bremenprotect me ?!.de

Kristin Bothur
Forschungskoordinatorin
Tel.: 0421-218-58503
E-Mail: kbothurprotect me ?!zes.uni-bremenprotect me ?!.de