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Wohnen und Ausstellen als gesellschaftliche Schauplätze

Uni-Institut Kunstwissenschaft und Kunstpädagogik sowie das Mariann Steegmann Institut. Kunst & Gender präsentieren den Forschungsschwerpunkt „wohnen+/-ausstellen“ / Start der Vortragsreihe Studio am 14. Dezember

Nr. 384 / 9. Dezember 2010 SC

Wohnen gilt gemeinhin als Ort des Privaten. In der Moderne ist er allerdings als gesellschaftlicher Schauplatz ausgewiesen, an dem sich Subjektivität bildet und veräußert, genauer: sich ausstellt und ausstellen muss. Wohnen und Ausstellen sind Konstellationen sozialer und kultureller Erzählungen über Geschlechter, Ethnien, Körper und Nation, die Wissen und Vorstellungen herstellen. Im Forschungsfeld „wohnen+/-ausstellen“ kooperieren unter der Leitung von Professor Irene Nierhaus und Kathrin Heinz das Institut für Kunstwissenschaft und Kunstpädagogik der Universität Bremen mit dem Mariann Steegmann Institut. Kunst & Gender.

Um die interessierte Öffentlichkeit mit der Thematik „Wohnen und Ausstellen“ vertraut zu machen, ist die Vortragsreihe Studio ins Leben gerufen worden. Hier setzen sich renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Kunstwissenschaft, Architektur, Philosophie und Gender Studies mit den Schwerpunkten des Forschungsprojektes auseinander. Eröffnet wird die Reihe am 14. Dezember 2010 um 19 Uhr im Uni-Gebäude GW 2 (Raum B 3850) mit dem Vortrag „Vom Interieur zum Eigenheim. Eine Besichtigung privater Innenräume in Begleitung von Walter Benjamin“ von Professor Cornelia Klinger. Ausgehend von einem Fragment in Benjamins Passagenwerk widmet sich der Vortrag dem Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Kolonialismus und der Entstehung der bürgerlichen Privatsphäre im 19. Jahrhundert. Benjamins auf die Zeit um 1900 bezogene Aussagen geben dabei Anlass für einen Ausblick auf die Genese der Privatsphäre im Verlauf des 20. Jahrhunderts bis hin zur Gegenwart. Ziel der Überlegungen ist es, die gesellschaftlichen und politischen Dimensionen des Themas Wohnen sichtbar zu machen.

Cornelia Klinger ist seit 1983 ständiges wissenschaftliches Mitglied am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien, seit 2003 hat sie eine Professur an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen inne. Ihre breitgefächerten Forschungsinteressen liegen in den Bereichen der Politischen Philosophie, Ästhetik, Theoriegeschichte der Moderne sowie den Gender Studies.

Buchpräsentation

Der Vortrag leitet über zur Präsentation des Buches „Landschaftlichkeit. Forschungsansätze zwischen Kunst, Architektur und Theorie“, herausgegeben von Irene Nierhaus, Josch Hoenes und Annette Urban im Reimer Verlag, Berlin 2010. Die Publikation versammelt Beiträge der Tagung Landschaft, Gehäuse, Orientierung, Territorialisierungs- und Naturalisierungsprozesse in Stadt, Wohnen und Körper, die im Juni 2009 an der Universität Bremen im Institut für Kunstwissenschaft und Kunstpädagogik stattgefunden hat. Die Autoren des Buches betrachten den Begriff Landschaft aus kunst- und kulturwissenschaftlicher Perspektive sowie aus der Sicht der Architekturgeschichte/-theorie und Philosophie. Sie untersuchen dabei u. a. das Verhältnis von Raum- und Körperbildern, von Subjektbildung und Gemeinschaftsvorstellungen sowie von visuellen Repräsentationen und geplanten oder realisierten Raum(an)ordnungen.

Die Vortragsreihe wird am 25. Januar mit dem Vortrag von Professor Andreas K. Vetter (Detmold) zum Thema „Elemente, die fähig sind, auf unsere Sinne zu wirken. Über kreative Strategien in der Wohnarchitektur der klassischen Moderne“ fortgesetzt. In den Monaten April bis Juni 2011 werden Vorträge von Dr. Christina Threuter (Trier), Dr. Regina Wonisch (Wien) und Jennifer John (Zürich) folgen. Die Verantwortung für die Vortragsreihe liegt bei Dr. Christiane Keim.

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Fachbereich Kulturwissenschaften
Institut für Kunstwissenschaft und Kunstpädagogik
Mariann Steegmann Institut. Kunst & Gender.
Dr. Christiane Keim
Tel. 0421 218 67711, -67700, -67701
E-Mail: keimprotect me ?!uni-bremenprotect me ?!.de