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Die Gründungsforscherin

„Entrepreneurship“ und „Refugee“ sind Fahnenwörter in der Forschungsarbeit von Dr. Aki Harima. Die gebürtige Japanerin ist Postdoc am Lehrstuhl für Mittelstand, Existenzgründung und Entrepreneurship (LEMEX). Jüngst hat sie gemeinsam mit ihrem Chef, Professor Jörg Freiling, und Professorin Sibylle Heilbrunn ein Buch herausgegeben. 25 Autoren erzählen darin 16 Geschichten von Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan und Iran, die sich eine eigene Existenz in einem anderen Land aufgebaut haben.

„Normales Leben im Heimatland“

So entstanden kommerzielle und soziale Unternehmungen in Deutschland, Frankreich, in Israel, Irland, Jordanien oder Pakistan, um nur einige Länder zu nennen. Aki Harima wertet gemeinsam mit ihren Kollegen diese Fallstudien aus, um herauszufinden, welche Hilfen Flüchtlinge brauchen, um mit einem eigenen Business Fuß zu fassen. „Wir wollen mit dem Buch zeigen, dass Geflüchtete ein ganz normales Leben in ihrem Heimatland hatten, aus dem sie jäh herausgerissen wurden“, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin. Mediales Aufsehen hat auch ihr Projekt in Namibia geerntet. Sie ist mit Studierenden nach Windhuk geflogen. Direkt vor Ort haben sie im Bokamaso Gründungszentrum Konzepte für Start-up-Unternehmerinnen und -Unternehmer entwickelt.

Begeisterte Backpackerin

Aki Harima empfängt uns in ihrem noch baufeuchten Büro im „Haus an der Allee“, kurz WiWi1, und erzählt aus ihrem Leben. Sie ist in Osaka geboren und aufgewachsen. 2,7 Millionen Menschen leben in der Glitzerstadt mit ihren hoch aufgeschossenen Wolkenkratzern. Eine ihrer Vorlieben machte sie bereits als Jugendliche kosmopolitisch und international erfahren. Aki Harima ist viel als Backpackerin unterwegs gewesen. Mit dem Rucksack auf dem Rücken durch die Welt. „Ich mag besonders die Länder Europas“, sagt sie. „Ihre Geschichte, ihre Vielfalt, die Ähnlichkeiten und Unterschiede“. Diese Vorliebe hat sie von ihrem Großvater, der in der Physikforschung in Nordrhein-Westfalen tätig war. „Deutschland ist ein gutes Land, die Deutschen sind direkt und argumentativ-logisch“, hat der inzwischen Verstorbene seiner Enkelin mit auf den Weg gegeben. Noch während sie an der Kobe University in Japan ihren Bachelor schrieb, absolvierte sie ein Austauschjahr an der privaten „Otto Beisheim School of Management“ in Vallendar bei Koblenz.

„Erst schwäbisch, jetzt hochdeutsch“

Das Masterstudium hat sie dann an der Universität Mannheim angeschlossen. Deutsch spricht die 32-Jährige fließend. „Erst schwäbisch, jetzt hochdeutsch“, lacht sie. Neben ihrer Muttersprache japanisch spricht sie englisch und beherrscht die spanischen Basics für einfache Konversation. 2013, nach ihrem Master in Wirtschaftswissenschaft, ist Aki Harima nach Bremen gekommen und seither am LEMEX. „Professor Freiling hat mich beim Einstellungsgespräch nach meinem Leben gefragt, das fand ich sehr sympathisch“, erinnert sie sich. Unternehmer, die aus Industrieländern in Entwicklungsländer auswandern waren Thema ihrer Dissertation, „summa cum laude“ das Bewertungsergebnis. Zwei Preise hat sie außerdem dafür erhalten. Dr. Aki Harima ist jetzt Postdoc-Forscherin und auch in der Lehre aktiv

Sechs Stunden in der Küche

Samstags steht die Japanerin bis zu sechs Stunden lang in der häuslichen Küche am Herd und kocht Mahlzeiten für die ganze Woche vor, die sie in Bento Boxen einfriert. „Geflügel, Fisch, Reis, Gemüse“, sagt sie. Die schlanke Frau, die dreimal am Tag warm isst, wundert sich, welche Mengen an Weißmehl und Nudeln die Deutschen so verdrücken können. Bremen? „Die Stadt ist sehr nett, hübsch und international“, schwärmt Aki Harima. Für die nächste Zukunft hat sie viel vor. Beim Thema transnationales Unternehmertum will die junge Wissenschaftlerin Netzwerke und Ressourcen in den Mittelpunkt ihrer weiteren Forschung stellen. Ihre wissenschaftliche Analyse gilt Themen wie Gründungspotenzialen von Menschen mit Fluchthintergrund, der Rolle von transnationalen Unternehmern im Gründungsökosystem Santiago de Chile oder Gründerlandschaften in Entwicklungsländern. Eine Gründungsforscherin eben.

 

Porträt einer jungen Frau
Aki Harima forscht am LEMEX, dem Lehrstuhl für Mittelstand, Existenzgründung und Entrepreneurship.