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Autonom betriebene Projekte

Arbeitsplatz mit Laptop, Zettel und Stift.

Beschreibung

Das Projekt stellt sich zur Aufgabe, die synchronen phonologischen Eigenschaften der Sprachen Europas flächendeckend zu erheben, zu ordnen und vergleichend auszuwerten. Dabei sollen die Zusammenhänge zwischen genetischer, typologischer und arealer Klassifikation von Sprachen einerseits und ihren phonologischen Eigenschaften andererseits herausgearbeitet und erklärt werden. Für diesen Zweck sollen die Korrelationen unter den verschiedenen beobachteten phonologischen Eigenschaften im präferenztheoretischen Sinne ermittelt und in einen allgemeinen phonologischen Kontext gestellt werden. Die phonologischen Befunde werden im areallinguistischen Sinne kartographiert, und in einem „europhonologischen Atlas“ präsentiert.

Wegen der Reichhaltigkeit der phonologischen Phänomenologie konzentrieren wir uns vor allem für unser Vorhaben auf drei Hauptgegenstände: die Phonematik, die Phonotaktik und die Silbenstruktur.

Teilprojekt Phonematik: Unter diesem Titel werden die Phonemsysteme der Samplesprachen inventarisiert und in eine dem Vergleich dienliche Ordnung gebracht. Die Ergebnisse werden entsprechend kartographisch dargestellt.

Teilprojekt Phonotaktik: Hier sollen die Kombinationsmuster bzw. -restriktionen der Segmente von Lautketten systematisch erfasst werden, nachdem die Phonematik abgeschlossen wurde. Die phonotaktischen Aussagen beziehen sich ausschließlich auf die Struktur von Monosyllaba und sind daher in der nachfolgenden Projektkomponente zur Silbenstruktur mit enthalten.

Teilprojekt Silbenstruktur: Unser Augenmerk gilt in erster Linie den Einsilbern. Wie bei den vorherigen Themen werden die Sprachen aufgrund geteilter Eigenschaften im Bereich der Silbenstrukturen klassifiziert und in Isoglossen kartographisch zusammengefasst.

Die generelle Machbarkeit des Projekts wird mittels einer Pilotstudie zu Lehnphonemen in Europa überprüft, die in monographischer Form Einblicke in die spätere Struktur des geplanten Atlas gibt.

Publikationen

Stolz, Thomas & Nataliya Levkovych (with the collaboration of Beke Seefried). in print. Towards the Phonological Atlas of Europe. On the Areal-Linguistics of Loan Phonemes. Berlin & Boston: De Gruyter.

Stolz, Thomas & Nataliya Levkovych. 2021. Über die Diffusion von /y/ in Europa und wie viel Verantwortung das Deutsche dafür trägt. In Henning Lobin, Andreas Witt & Angelika Wöllstein (eds.), Deutsch in Europa. Sprachpolitisch, grammatisch, methodisch, 135–157. Berlin & Boston: De Gruyter Mouton.

Levkovych, Nataliya, Lidia Mazzitelli & Thomas Stolz. 2019. Slavic vis-à-vis Standard Average European: An areal-typological profiling on the morphosyntactic and phonological levels. In Andrii Danylenko & Motoki Nomachi (eds.), Slavic on the Language Map of Europe. Historical and Areal-Typological Dimensions, 187–223. Berlin & Boston: De Gruyter.

Stolz, Thomas & Nataliya Levkovych. 2017. Convergence and Divergence in the Phonology of the Languages of Europe. In Raymond Hickey (ed.), The Cambridge Handbook of Areal Linguistics, 122–160. Cambridge: Cambridge University Press.

Levkovych, Nataliya. 2013. Monosyllaba in areallinguistischer Perspektive: Slavische, baltische und ostseefinnische Sprachen im Vergleich. In Aina Urdze & Nataliya Levkovych (Hgg.), Linguistik im Nordwesten. Beiträge zum 4. Nordwestdeutschen Linguistischen Kolloquium, Bremen, 02.–03. Dezember 2011, 127–146. Bochum: Universitätsverlag Brockmeyer.

Stolz, Thomas, Aina Urdze & Hitomi Otsuka. 2012. Seltene Klänge – Zu den Marginalien der arealen Phonologie Europas. In Cornelia Stroh (ed.), Neues aus der Bremer Linguistikwerkstatt. Aktuelle Themen und Projekte, 1–22. Bochum: Brockmeyer.

Stolz, Thomas, Nicole Nau & Cornelia Stroh (eds.). 2012. Monosyllables. From Phonology to Typology. Berlin: Akademie-Verlag.

Stolz, Thomas, Sonja Hauser & Heiko Stamer. 2012. ω → σ → V: The first step towards the comparative grammar of monosyllables. In Thomas Stolz et al. (eds.), Monosyllables. From Phonology to Typology, 197–238. Berlin: Akademie-Verlag.

Stolz, Thomas, Aina Urdze & Hitomi Otsuka. 2011. The sounds of Europe. Velar and post-velar fricatives in areal perspective. Lingua Poznaniensis 53(1). 87–108.

Stolz, Thomas. 2010. Phonologie und Areal Europa. In Uwe Hinrichs (ed.), Handbuch der Eurolinguistik, 597–622. Wiesbaden: Harrassowitz.

Stolz, Thomas, Aina Urdze & Hitomi Otsuka. 2010. Europäische Liquiden: rhotische und laterale Phoneme – sprachgeographisch betrachtet. In Cornelia Stroh (ed.), Von Katastrophen, Zeichen und vom Ursprung der menschlichen Sprache. Würdigung eines vielseitigen Linguisten. Wolfgang Wildgen zur Emeritierung, 93–114. Bochum: Universitätsverlag Brockmeyer.

Stolz, Thomas. 2007. Being monosyllabic in Europe: an areal-typological project in statu nascendi. In Andreas Ammann (ed.), Linguistics festival. May 2006, Bremen. 97–134. Bochum: Universitätsverlag Brockmeyer.

Stolz, Thomas. 2006. Europe as a Linguistic Area. In Keith Brown et al (eds.), Encyclopedia of Language and Linguistics, vol. 4, 278–295. Amsterdam: Elsevier.

Beschreibung

Das Projekt ist im Bereich der Onymischen Sondergrammatik angesiedelt, die das Gesamt aller strukturellen Eigenschaften untersucht, welche Propria von Appellativa unterscheiden und somit die Namen als distinkte Wortart oder Wortklasse definieren.

Der Bremer Ansatz fokussiert dabei das grammatische Verhalten von Toponymen. Dieses wird im groß angelegten crosslinguistischen Sprachvergleich erfasst, beschrieben und systematisch im typologischen Sinne evaluiert. Es geht vornehmlich um Phänomene aus dem Bereich der Morphosyntax. Folgende Fragen sollen dabei beantwortet werden:

  1. Kann man die Regeln, die für Appellativa gelten, ohne Modifikation auch auf die Toponyme anwenden, oder bedarf es zur adäquaten Erfassung der grammatischen Eigenschaften der Toponyme der Formulierung eigenständiger Regeln?

  2. Gibt es sprachübergreifend strukturelle und/oder funktionale Aspekte, die tendenziell für die Existenz einer Toponymischen Sondergrammatik sprechen?

  3. Sind solche Aspekte unabhängig von genetischen, arealen und/oder typologischen Faktoren?

Diese und ähnliche Fragestellungen werden in unserem stark empirisch ausgerichteten Projekt einer Antwort nähergebracht.

 

Publikationen

Stolz, Thomas & Nataliya Levkovych. accepted. On Special Onymic Grammar (SOG): Definiteness markers in Fijian and selected Austronesian languages. In Javier Caro Reina & Johannes Helmbrecht (eds.), Proper Names Versus Common Nouns. Morphosyntactic Contrasts in the Languages of the World. Berlin & Boston: De Gruyter.

Levkovych, Nataliya & Julia Nintemann (eds.). 2020. Aspects of the grammar of names. Empirical case studies and theoretical topics. München: LINCOM.

Stolz, Thomas. 2020. Is there anything wrong with iya? On morphosyntactic issues connected to place names in Chamorro. In Nataliya Levkovych & Julia Nintemann (eds.), Aspects of the grammar of names. Empirical case studies and theoretical topics, 53–145. München: LINCOM.

Stolz, Thomas & Nataliya Levkovych. 2020. Zwischen Ortsnamenbildung und Relationsmarkierung. Strukturelle Ambiguitäten, Grauzonen und Übergänge. Beiträge zur Namenforschung 55(1). 1–25.

Stolz, Thomas & Nataliya Levkovych. 2020. Grammatical versus onymic classifiers: First thoughts about a potentially interesting topic. In Nataliya Levkovych & Julia Nintemann (eds.), Aspects of the grammar of names. Empirical case studies and theoretical topics, 167–180. München: LINCOM.

Stolz, Thomas. 2019. Differentielle Namenkörperschonung. Zur Anlautmutation von Personen- und Ortsnamen im heutigen Walisischen (mit einem Ausblick auf seine keltischen Verwandten). Beiträge zur Namenforschung 54 (1). 15–70.

Stolz, Thomas & Nataliya Levkovych. 2019. Toponomastics meets linguistic typology: Glimpses of Special Toponymic Grammar from Aromanian and sundry languages. Onomastica Uralica 11. 43–61.

Stolz, Thomas, Nataliya Levkovych & Aina Urdze. 2018. La morfosintassi dei toponimi in prospettiva tipologica. In Giuseppe Brincat & Sandro Caruana (eds.), Tipologia e ‘dintorni’: il metodo tipologico alla intersezione di piani d’analisi, 307–324. Roma: Bulzoni.

Stolz, Thomas, Nataliya Levkovych & Aina Urdze. 2017. Die Grammatik der Toponyme als typologisches Forschungsfeld: eine Pilotstudie. In Johannes Helmbrecht, Damaris Nübling & Barbara Schlücker (eds.), Namengrammatik. (= Linguistische Berichte, Sonderheft 23), 121–146. Hamburg: Buske.

Stolz, Thomas, Nataliya Levkovych & Aina Urdze. 2017. When zero is just enough… In support of a Special Toponymic Grammar in Maltese. Folia Linguistica 51(2). 453–482.

Stolz, Thomas & Sander Lestrade & Christel Stolz. 2014. The Crosslinguistics of Zero-Marking of Spatial Relations. Berlin & Boston: De Gruyter Mouton.

Beschreibung

Das in der Kooperation mit dem Arbeitskreis von Prof. Dr. Ingo H. Warnke realisierte Projekt widmet sich der erstmaligen Untersuchung kolonialer Toponyme (KolTop) aus vergleichender Perspektive. Das Hauptaugenmerk liegt auf Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Toponymen, die von europäischen Kolonisatoren in der Zeit von 1415 bis 1999 geprägt wurden, um auf geographische Objekte in von europäischen Mächten beherrschten Kolonien zu verweisen. In diesem Zeitraum waren Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Portugal, Russland, Schweden, Spanien sowie kleinere Kolonialnationen wie Brandenburg-Preußen und Kurland aktiv in Kolonialprojekten involviert, in deren Verlauf geographische Objekte in Afrika, Amerika, Asien und Ozeanien teilweise oder vollständig europäische Namen erhielten. Unabhängig davon, ob sie bis in die postkoloniale Ära überlebt haben, sind diese Exonyme (d.h. Toponyme, die wenigstens einen Bestandteil enthalten, der aus der Sprache der europäischen Kolonisatoren stammt) bisher nicht umfassend erforscht worden.

Die kolonialen Toponyme werden auf ihre funktionalen und formalen Eigenschaften hin überprüft, d.h. dass wir versuchen festzustellen, welche semantischen Muster und welche morphologischen Konstruktionen verwendet werden, um koloniale Toponyme zu bilden. Das Projekt hat zum Ziel, wiederkehrende Phänomene zu identifizieren, die typisch für die europäische koloniale Namengebung sind, sowie Besonderheiten, die bestimmte Kolonialismen, geographische Regionen und/oder historische Epochen auszeichnen.

Die Toponyme werden gemäß ihrer funktionalen und morphologischen Charakteristika klassifiziert und sowohl qualitativ als auch quantitativ analysiert. Auf der Basis dieser Analyse werden explanative allgemein-linguistische Konzepte wie Belebtheit, Frequenz, Ikonismus auf ihre Wirkmächtigkeit im Bereich der kolonialen Toponymie überprüft. Die sich ergebende Datensammlung wird linguistisch kommentiert, sodass das Lexikon der kolonialen Europäisierung außereuropäischer Toponymika entsteht, auf dessen Grundlage Generalisierungen über die Beziehungen zwischen Ortsnamensgebung und Kolonialismus formuliert werden können.

Verlinken mit dem Forschungsprogramm „Koloniallinguistik“ und zusätzlich mit der Forschungsgruppe „Koloniallinguistik“

Publikationen

Levkovych, Nataliya (ed.). 2020. Advances in Comparative Colonial Toponomastics. Berlin & Boston: De Gruyter.

Miccoli, Paolo. 2020. Italienische Kolonialtoponyme: Geschichte und linguistische Analyse. Bremen: Universität Bremen. [Dissertation]

Stolz, Thomas & Nataliya Levkovych. 2020. Places without names and names without places? In Nataliya Levkovych (ed.), Advances in Comparative Colonial Toponomastics, 117–154. Berlin & Boston: De Gruyter.

Warnke, Ingo H., Thomas Stolz, Jascha de Bloom & Nataliya Levkovych. 2020. Martin Luther at a Pacific harbor. Toponymic classifiers and their role in German colonial placemaking. In Nataliya Levkovych (ed.), Advances in Comparative Colonial Toponomastics, 79–115. Berlin & Boston: De Gruyter.

Wolter, Anna. 2020. Stadt der Kolonien – Street names in colonial contexts with particular consideration of the Hanseatic City of Bremen. In Nataliya Levkovych (ed.), Advances in Comparative Colonial Toponomastics, 245–298. Berlin & Boston: De Gruyter

Miccoli, Paolo. 2019.Colonial place-names in Italian East Africa (Africa Orientale Italiana AOI) with additional data from Tripoli. In Brigitte Weber (ed), The linguistics heritage of colonial practice, 75–92. Berlin & Boston: De Gruyter.

Schuster, Susanne. 2019. “The making of Greenland” – Early European place names in Kalaallit Nunaat. In Brigitte Weber (ed.), The linguistic heritage of colonial practice, 43–74. Berlin & Boston: De Gruyter.

Stolz, Thomas & Ingo H. Warnke. 2019. Saints, nobility, and other heroes. Colonial place-naming as part of the European linguistic heritage. In Brigitte Weber (ed.), The linguistic heritage of colonial practice, 13–42. Berlin & Boston: De Gruyter.

Stolz, Thomas, Nataliya Levkovych & Ingo H. Warnke. 2019. Anthroponymic constituents of colonial toponyms: a comparison of Netherlands New Guinea and Portuguese Timor (as of 1955). Onomastica Uralica 12. 189–210.

Levkovych, Nataliya. 2018. Russische koloniale Toponyme in Alaska: eine Pilotstudie. In Thomas Stolz & Ingo H. Warnke (Hgg.), Vergleichende Kolonialtoponomastik: Strukturen und Funktionen kolonialer Ortsbenennung, 189–278. Berlin, Boston: De Gruyter.

Schuster, Susanne. 2018. Europäische Ortsnamen als Zeugen kolonialer Raumaneignung: Grönlands Nordosten. In Thomas Stolz & Ingo H. Warnke (Hgg.), Vergleichende Kolonialtoponomastik: Strukturen und Funktionen kolonialer Ortsbenennung, 161–188. Berlin & Boston: De Gruyter.

Stolz, Thomas & Ingo H. Warnke. 2018. Auf dem Weg zu einer vergleichenden Kolonialtoponomastik. Der Fall Deutsch-Südwestafrika. In Birte Kellermeier-Rehbein, Matthias Schulz & Doris Stolberg (eds.), Sprache und (Post)Kolonialismus, 71–103. Berlin & Boston: De Gruyter.

Stolz, Thomas & Ingo H. Warnke. 2018. System- und diskurslinguistische Einblicke in die vergleichende Kolonialtoponomastik: Eine gemeinsame Einführung. In Thomas Stolz & Ingo H. Warnke (eds.), Vergleichende Kolonialtoponomastik: Strukturen und Funktionen kolonialer Ortsbenennung, 1–75. Berlin & Boston: De Gruyter.

Stolz, Thomas & Ingo H. Warnke (eds.). 2018. Vergleichende Kolonialtoponomastik: Strukturen und Funktionen kolonialer Ortsbenennung. Berlin & Boston: De Gruyter.
 https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/9783110608618/html

Stolz, Thomas & Ingo H. Warnke. 2018. Comparative Colonial Toponomastics: Evidence from German and Dutch Colonial Place-Names. In Rita Heuser & Miriam Schmuck (eds.), Sonstige Namen: Stiefkinder der Onomastik, 45–68. Berlin & Boston: De Gruyter.

Dunker, Axel, Thomas Stolz & Ingo H. Warnke (eds.). 2017. Benennungspraktiken in Prozessen kolonialer Raumaneignung. Berlin & Boston: De Gruyter.

Miccoli, Paolo. 2017. Italokoloniale Toponomastik zwischen Liberalismus und Faschismus. Namenkundliche Aspekte des italienischen Kolonialismus. In Thomas Stolz, Ingo H. Warnke & Axel Dunker (eds.), Benennungspraktiken in Prozessen kolonialer Raumaneignung, 187–204. Berlin & Boston: De Gruyter.

Stolz, Thomas & Ingo H. Warnke. 2017. Anoikonyme und Oikonyme im Kontext der vergleichenden Kolonialtoponomastik. In Axel Dunker, Thomas Stolz & Ingo H. Warnke (eds.), Benennungspraktiken in Prozessen kolonialer Raumaneignung, 205–229. Berlin & Boston: De Gruyter.

Engelberg, Stefan & Thomas Stolz. 2016. Einleitung: Namen und Kolonialismus. Beiträge zur Namenforschung 51(3/4). 269–277.

Stolz, Thomas & Ingo H. Warnke. 2016. When places change their names and when they do not. Selected aspects of colonial and postcolonial toponymy in former French and Spanish colonies in West Africa – the cases of Saint Louis (Senegal) and the Western Sahara. International Journal of the Sociology of Language 239. 29–56.

Stolz, Thomas, Ingo H. Warnke & Nataliya Levkovych. 2016. Colonial Place Names in Comparative Perspective. Beiträge zur Namenforschung 51(3/4). 279–355.

Stolz, Thomas & Ingo Warnke. 2015. Aspekte der kolonialen und postkolonialen Toponymie unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Kolonialismus. In Daniel Schmidt-Brücken et al. (eds.), Koloniallinguistik. Sprache in kolonialen Kontexten, 107–176. Berlin & Boston: De Gruyter.

Filling the gaps on the maps of the Gani-islands
Toponomastische Spurensuche nach den vergessenen Ortsnamen auf den nördlichsten Inseln der Marianen

Die Mehrzahl der Inseln im Norden des Staatsgebiets des Commonwealth of the Northern Mariana Islands (CNMI) ist heute trotz früherer Besiedlung (bis in die 1980er Jahre hinein) ohne Namen für Geo-Objekte kartiert, d.h. dass auf den Karten keinerlei Ortsnamen verzeichnet sind. Die in den Süden umgesiedelten ehemaligen Bewohner der nördlichen Inseln sind heute durchweg älter als 40 Jahre. Mit ihrer Generation droht das mögliche Wissen über die bisher nicht verzeichneten Namen auszusterben. Für die kulturelle Identität der indigenen Bevölkerung ist es von größter Bedeutung, die Toponymie der im Zuge des spanischen, deutschen, japanischen und US-amerikanischen Kolonialismus vernachlässigten nördlichen Inseln wiederherzustellen. Ziele des Projektes sind

  1. die Erfassung der auf den heute unbewohnten nördlichsten Marianen-Inseln noch vor einer Generation üblichen Ortsnamen und

  2. die Erstellung eines Atlas in dem die Geo-Objekte mit ihren ursprünglichen Bezeichnungen kartographiert werden sollen.

Somit wird der beforschten Gemeinschaft ein wichtiges Segment ihrer kulturellen Identität wieder zugänglich gemacht. Während eines Forschungsaufenthalts im Sommer 2018 wurden die ersten nötigen Vorbereitungsarbeiten für das Projekt durchgeführt. Ein Gegenbesuch von Leo Pangelinan, dem Leiter des Northern Marianas Humanities Council (Saipan), fand im November 2019 zur Bestätigung der Kooperation mit der Bremer Linguistik statt. Die Regierung der Nördlichen Marianen begrüßt das Projekt ebenfalls offiziell.

Das Projekt wurde bei zwei Gelegenheiten der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt.

  1. Vortrag beim Werkstattgespräch der Staatsbibliothek zu Berlin: „Namen auf Karten – einige Einblicke in Forschungsfragen der Vergleichenden Kolonialtoponomastik“, 20. 02.2018.

  2. Vortrag auf der 6th Marianas History Conference 2021 (Guam): „Places Without Names and Names Without Places? On the Blank Maps of the Gani Islands“, 20.02.2021.

 

Publikationen

Stolz, Thomas & Nataliya Levkovych. 2020. Places without names and names without places? In Nataliya Levkovych (ed.), Advances in Comparative Colonial Toponomastics, 117–154. Berlin & Boston: De Gruyter.

Beschreibung

Die linguistischen Forschungen zur Possession blicken auf eine mehrere Dekaden umfassende Tradition zurück. Im Bereich der prädikativen Possession hat der Fokus schon immer auf haben-Konstruktionen gelegen, also auf Übersetzungsäquivalenten von beispielsweise Englisch the girl has a book, die dazu dienen, die Kontrolle des Possessors (= the girl) über das Possessum (= the book) aus dem Blickwinkel des Possessors zu etablieren. Im Gegensatz zu den haben-Konstruktionen, die Objekt einer Vielzahl von Studien sind, sind gehören-Konstruktionen noch weitgehend Terra incognita. Um die interne Logik der notorisch schwer zu fassenden Domäne der Possession besser zu verstehen, besteht dringender Bedarf an einer umfassenden crosslinguistischen Erfassung der gehören-Konstruktionen, nicht zuletzt weil gehören-Konstruktionen überwiegend so verstanden werden, dass sie eng mit dem Begriff des Besitzes/Eigentums verknüpft sind, der seinerseits als entscheidend für die Definition des Prototyps der haben-Possession angesehen wird. Um diese Hypothese zu testen, ist es sinnvoll, diejenigen Konstruktionen zu inventarisieren, die unstrittige Repräsentanten von mit Besitz/Eigentum assoziierten Kategorien sind – nämlich gehören- und besitzen-Konstruktionen, die in der einschlägigen typologischen Literatur zur prädikativen Possession bislang vernachlässigt wurden.

Das Projekt befasst sich mit der Bestimmung der verschiedenen Typen von gehören-Konstruktionen und ihrer Distribution über die Sprachen der Welt. Die Konkurrenz oder Arbeitsteilung zwischen der substantivischen Possession (= Englisch The book is hers.) und anderen Arten von gehören-Konstruktionen (beispielsweise solche, die ein lexikalisches Verb wie Englisch belong involvieren) werden untersucht. Des Weiteren erforscht das Projekt die Interaktion von gehören-Konstruktionen und besitzen-Konstruktionen sowie ihre Beziehung zu haben-Konstruktionen.

Dieses Forschungsvorhaben ist als Spin-off aus unserem abgeschlossenen Alienabilitätsprojekt hervorgegangen.

 

Publikationen

Stolz, Thomas & Nataliya Levkovych. 2020. On different ways of belonging in Europe. In Luka Szucsich, Agnes Kim & Uliana Yazhinova (eds.), Areal Convergence in Eastern Central European Languages and Beyond, 245–279. Berlin et al.: Peter Lang.

Stolz, Thomas & Nataliya Levkovych. 2019. On belonging. Preliminary thoughts on the typology of belong-constructions. In Lars Johanson & Lidia Federica Mazzitelli & Irina Nevskaya (eds.), Possession in Languages of Europe and North and Central Asia, 313–363. Amsterdam: John Benjamins.

Stolz, Thomas & Nataliya Levkovych. 2017. haben – besitzen – gehören. Vorüberlegungen zu einer Komplettierung der Possessionsforschung. In Aina Urdze & Nataliya Levkovych (eds.), Linguistik im Nordwesten. Beiträge zum 8. Nordwestdeutschen Linguistischen Kolloquium, Bremen, 13.–14. November 2015, 95–127. Bochum: Universitätsverlag Brockmeyer.