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Arbeitsschutz & betriebliches Gesundheitsmanagement

Für KRAM hängen betrieblicher Arbeitsschutz, betriebliches Gesundheitsmanagement, eine humane Führungskultur sowie für Problemfälle ein strukturell klares Konfliktmanagement eng miteinander zusammen. Dies sind Themen, bei denen wir nachfragen, auf Weiterentwicklung drängen, Eindrücke beisteuern und wesbezüglich wir für eine Koordination der Themenfelder eintreten.

Vielen Beschäftigten im Mittelbau sind Selbstfürsorge stützende Regelungen und Angebote wenig bekannt. Wissenschaft macht Spaß, die Arbeitskultur ist vielerorts entgrenzt und nicht selten auch selbstausbeuterisch. Achtung: Fehl-Sozialisation! Die EU-Grundrechte-Charta garantiert allen Menschen u.a. das Recht auf gesunde, sichere und würdige Arbeitsbedingungen (Art. 31). Menschengerechte Gestaltung der Arbeit ist entsprechend Ziel des deutschen Arbeitsschutzgesetzes: sie soll ausführbar, schädigungslos, beeinträchtigungsfrei und persönlichkeitsfördernd sein. Dies kann strukturell gestützt werden (Verhältnisprävention), aber muss auch gelebt werden (Verhaltensprävention).

Weißt Du zum Beispiel, dass…

  • der Arbeitgeber verpflichtet ist, erforderliche Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit seiner Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen (§ 3 Arbeitsschutzrecht)?
  • gesetzlich verankert und basierend auf arbeitsmedizinischen Erkenntnissen zwischen zwei Arbeitseinsätzen mindestens 11 Stunden Pause zu machen sind?
  • der Arbeitgeber für jeden Arbeitsplatz eine Gefährdungsbeurteilung vornehmen muss? … und Gefährdungen dann, wo als notwendig erkannt, minimieren soll?
  • seit 2013 zur arbeitsplatzbezogenen Gefährungsbeurteilung auch psychische Belastungen erhoben werden müssen? (individuell fragt sich, wann Beanspruchung zu (Fehl-)Belastung wird und damit ein Risiko darzustellen beginnt, welches reguliert werden muss.)
  • zu arbeitsbezogenen Belastungsfaktoren bspw. zählen: Arbeitstempo, Druck durch Vorgesetzte, Termindruck, unklare Arbeitsaufträge oder Zuständigkeiten, Angst vor Fehlern, Verantwortungsdruck, andauernde Konzentration, geringer Handlungsspielraum, widersprüchliche Aufgabenziele, hohe emotionale Inanspruchnahme, fehlende soziale Unterstützung, kurzfristige Verfügbarkeit, fehlende Qualifikation und Erfahrung, Erreichbarkeit außerhalb der Dienstzeit, lange Arbeitszeiten, Konflikte, Umgang mit schwierigen Kunden, Lärm, schlechte Lichtverhältnisse, Heben und Tragen, einseitige körperliche Tätigkeit sowie  Zwangshaltungen (PC), unergonomische Arbeitsmittel, Zugluft, Hitze, Kälte?
  • Du Dich im Falle einer Krankschreibung nicht nur beim Arbeitgeber, sondern auch bei Deiner Krankenkasse (Senden des Durchschlags  des „gelben Scheins“) krankmelden musst?
  • die Europäische Union kürzlich eine Erfassung der Arbeitszeiten in allen Arbeitsfeldern fordert und Universität sich womöglich überlegen muss, wie sie dies umsetzen will?

Präventives Gesundheitsmanagement sollte möglichst zielgruppenspezifisch sein. Mental, räumlich, zeitlich sowie sprachlich müssen Angebote und Maßnahmen zur Arbeits- und Lebenssituation sowie dem Wertesystem der Zielgruppe passen. Darum diskutieren Aktive des KRAM mit, wenn es um den ausgesprochen heterogenen Mittelbau geht, so dass nicht an diesen Beschäftigten „vorbei“ geplant wird. Auch Fragen der Diversity – Beschäftigte mit Migrationshintergrund, Beschäftigte verschiedener Altersgruppen sowie Geschlechterunterschiede – sind hier zu beachten (vgl. in Badura et al. 2015: Sandrock & Breutmann; Dragano & Wahl; Klärs).

Literaturtipp: Badura, B. et al. (Hg.)(2016). Fehlzeiten-Report 2015. Berlin, Heidelberg: Springer.

Mitarbeiterbefragung 2018 & erste Ergebnisse

Im 2018 wurden mittels Online-Befragung physische und psychische Belastungen und Ressourcen für den Gesundheitsschutz aller Mitarbeiter*innengruppen der Uni Bremen erhoben. Das Instrument geht auf den renommierten Gesundheitswissenschaftler Badura (Uni Bielefeld) zurück und wurde eigens für universitäre Kontexte entwickelt. KRAM rief Mittelbauler*innen explizit auf, sich an der Befragung zu beteiligten und auch zu verdeutlichen, wo in ihrem Alltag ggf. der Schuh drückt.  Denn aus Euren Antworten sollen Maßnahmen abgeleitet werden. Und sie geben auch den Interessenvertretungen Ansatzpunkte zum Nachhaken, was aus den Themen weiter wird! Im Juni 2018 haben Universitätsleitung sowie Personalrat in öffentlichen Versammlungen Befragungsergebnisse vorgestellt. Eine Info-Broschüre sowie Rückspiegelung von Ergebnissen in die Bereiche (bei über 10 Personen) wurden ab Herbst 2018 in Aussicht gestellt, um bereichsbezogene Weiterentwicklungen anzustoßen. Auch Unileitung ist gefragt – sie ist gehalten, an transparenteren und wertschätzenderen Prozessen arbeiten. KRAM fragt weiter nach, was konkret daraus entsteht.