Zum Hauptinhalt springen

Detailansicht

Der Aufsteiger

Aufstieg durch Bildung. Auf Dr. Peter Mehlis trifft das zu. Der gelernte Feinmechaniker arbeitete in verschiedenen großen Industrieunternehmen in Bremen: bei Airbus, Mercedes und Siemens. Als gewerkschaftlich engagierter Arbeitnehmer hörte er vom Zwei-Jahres-Kurs an der Akademie für Arbeit und Politik, dem heutigen Zentrum für Arbeit und Politik (zap).

Von 1991 bis 1993 eignete er sich nach Schichtschluss eine wissenschaftliche Grundbildung an. Einmal in der Woche vier Unterrichtsstunden, drei Bildungsurlaube und alle sechs Wochen Unterricht an einem Samstag, insgesamt 400 Stunden. Für Peter Mehlis wurde das zur Initialzündung. „Ich merkte, die Sozialwissenschaft, das ist mein Ding“, sagt der inzwischen 62-Jährige. Er hat studiert, wurde promoviert und leitet heute selber als Wissenschaftler am zap einen Zwei-Jahres-Kurs für politische und sozialwissenschaftliche Bildung.

Wenn Dr. Mehlis von seinem Kurs spricht, dann schwingt Begeisterung mit. Unter den 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern reicht die berufliche Bandbreite vom türkischen Gebäudereiniger bis zum pensionierten Richter. Das Durchschnittsalter liege bei Mitte 30. „Alle sind zivilgesellschaftlich aktiv und freuen sich über Wege, die ihnen die Universität eröffnet.“

Schreiben macht Spaß

Nicht anders war das bei Peter Mehlis. Die Arbeit bei Mercedes am Band sei hart gewesen, die Automatisierung war noch nicht so fortgeschritten wie heute. „Wir mussten Fahrhäuser von LKWs anheben, das waren 100 Kilo, um dann zu schweißen“, sagt er. Der Doktor der Soziologie weiß heute, dass er sich geistig immer unterfordert gefühlt hat. Ganz nach seinem Naturell setzte er alles auf eine Karte. „Ich habe gut verdient, aber trotzdem meinen Job aufgegeben. Meine Frau, studierte Lehrerin, war damals arbeitslos, wir hatten ein dreijähriges Kind“, erzählt er. Dennoch begann er nach dem Kurs unverzüglich ein Studium der Soziologie an der Universität Bremen. „Mehr als 20 Seiten schreiben, schaffst Du das überhaupt?“, hat er sich am Anfang oft gefragt. Und siehe da, das Schreiben machte sogar Spaß!

Erfahrungen aus der Arbeitswelt

Der ehemalige Feinmechaniker beendete sein Studium mit einer glatten Eins, trieb als wissenschaftlicher Mitarbeiter Projekte voran, lehrte, schrieb Forschungsberichte und promovierte am Institut für Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen. „Mein Thema war der Wandel der Arbeit, ich brachte ja genügend Erfahrungen aus der Arbeitswelt mit.“ Und so hat er in seiner Promotion die Veränderung der Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern im Zuge der Digitalisierung untersucht. Summa cum laude.

Mann der Wissenschaft

Dass es nicht nur Höhen, sondern auch Tiefen gab, verschweigt Peter Mehlis nicht. „Nach meiner Promotion bin ich in ein tiefes Loch gefallen und habe mich von Werkvertrag zu Werkvertrag gehangelt“, sagt er. Bereut hat er seine Entscheidung, ein Mann der Wissenschaft zu werden, hingegen nie. Die Themen, die der gebürtige Bremer bearbeitet hat, sprechen eine eigene Sprache. Beratungsprojekt für Ausbildungsabbrecher, Analyse des Tarifvertrags zur Beschäftigungsförderung in der Metallindustrie in Niedersachsen, Qualifizierungsoffensive für die Hafenwirtschaft in Wilhelmshaven, Bremerhaven, Hamburg und Lübeck. Da weiß einer genau, wofür er steht. Inzwischen hat Peter Mehlis am zap eine Festanstellung. „14 Jahre hat es gedauert, bis es so weit war“, sagt er lächelnd.

Spaß an Projekten

Projekte anpacken, das begleitet ihn auch in seiner Freizeit. Mit seiner Frau geht er im Kajak paddelnd auf Wanderschaft. Mit einem Freund ist er ein Jahr lang mit dem Fahrrad durch Europa getourt. Er hat als einer der ersten Väter Erziehungszeit genommen und seine Tochter betreut. „Ich liebe die handwerkliche Arbeit weiterhin, das habe ich schließlich gelernt“, sagt der Mann, der in der Neustadt ein Altbremer Haus gekauft und es vom Keller bis zum Dach mit eigenen Händen saniert hat.