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Neue Wege im Metropoljournalismus

Das "Urban Storytelling Lab"

Projekteitung: Dr. Leif Kramp (ZeMKI-Lab "Medienkultur und Globalisierung")

Forschungsverbund/Kooperation: Hamburg Media School (Prof. Dr. Stephan Weichert), WeBuildCity (Timo Lundelius), Funke Mediengruppe/Hamburger Abendblatt, NDR/Norddeutscher Rundfunk

Fördernde Institution: Google Digital News Initiative

Projektlaufzeit: 2017 - 2019

Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Trends wie demographischer Wandel, Urbanisierung, Gentrifizierung oder Kommerzialisierung ist Stadtentwicklung und -planung zu einem höchst kontroversen und konfliktträchtigen öffentlichen Thema mit politischen Implikationen geworden. Die öffentliche Verfügbarkeit von Informationen über Bauprojekte, Baustellen, Verwaltungsmaßnahmen und Infrastrukturmanagement wurde im Hinblick auf die generelle Ausrichtung auf eine transparente öffentliche Verwaltung in einigen Regionen bereits durchgesetzt. Allerdings bedeutet die Verfügbarkeit offener Daten selten eine leichte Zugänglichkeit der mit den Daten verbundenen Informationen im Sinne der Verständlichkeit. Heutzutage besteht in deutschen Städten die einzige Möglichkeit, sich über sich ändernde Bebauungspläne z.B. für einen Stadtteil, ein Quartier oder eine Straße zu informieren, darin, die von der Kommunalverwaltung veröffentlichten kommunalen Berichte zu konsultieren, die einfache Verwaltungsinformationen enthalten. Da diese offiziellen Verlautbarungen wahrscheinlich kein breites Publikum erreichen und ansprechen, könnten datengestützte Methoden des städtischen Lokaljournalismus ein kritisches Verständnis der Stadtplanung erhellen und den öffentlichen Diskurs über politische Themen, die das städtische Leben betreffen, fördern. Der Journalismus kann sich daher eine Open-Source-Technologie zunutze machen, um eine leicht verständliche Visualisierung der lokalen Bauplanung zu erstellen und diese auf lokale Themen, Debatten und Geschichten zu übertragen. Dies könnte das Potenzial haben, die Öffentlichkeit stärker in den Prozess der Stadtentwicklung einzubeziehen als nur durch Verwaltungsberichte und politische Kommunikation.

Dieses Schema beleuchtet die theoretische Annahme, dass digitale Medientechnologien sowohl Instrumente zur Verfügung stellen als auch diskursive Dynamiken unterstützen, um sich am öffentlichen Diskurs deliberativ zu beteiligen. Die Forschung über die Rolle des datengesteuerten Journalismus als Beitrag zum Gemeinwohl hat sich in den letzten Jahren auf internationaler Ebene recht schnell entwickelt. In der Journalismusforschung besteht jedoch neben einem starken Fokus auf Nachrichteninnovationen ein Hauptinteresse an Möglichkeiten und Modi, wie datengesteuerter Journalismus die Tradition der computergestützten Berichterstattung aufrechterhält oder ergänzt, um die Offenlegung und Erklärung öffentlicher und politischer Themen zu verbessern. Eine weitere Diskussion in der Medien- und Kommunikations- sowie der Politikforschung befasst sich mit der kommunikativen Beziehung zwischen der Redaktion und dem Publikum, wobei der Schwerpunkt auf politischer Partizipation und bürgerschaftlichem Empowerment durch partizipative Elemente der journalistischen Arbeit mit oder ohne Social Media auf der einen Seite oder die Verfügbarkeit offener Daten auf der anderen Seite liegt - unter Betonung der Größenordnung der Faktoren und komplexen Bedingungen, die bei dem Versuch, partizipative Potenziale zu bestimmen, berücksichtigt werden müssen. Empirische Forschung, die versucht, die Aspekte der Öffentlichkeitsbeteiligung durch offene Daten und die Rolle, die datengetriebener Journalismus zur Förderung der Partizipation und des kritischen öffentlichen Diskurses über politische Themen - insbesondere mit lokalem kommunalem Fokus - spielt oder spielen kann, zu verbinden, ist selten und hat noch keine zufriedenstellenden Ergebnisse erbracht. Studien zeigen, dass es für die Orientierung von Leserkommentaren und Diskussionen von großer Bedeutung ist, wie die Leser in den Design Thinking Prozess einer datengesteuerten Nachrichtenplattform eingebunden sind und welche Themen durch die Datenvisualisierung und die begleitende Berichterstattung hervorgehoben werden.

Das Forschungsprojekt analysierte die Entwicklungsprozesse im "Urban Storytelling Lab", einem in Hamburg angesiedelten Gemeinschaftsprojekt von Journalisten und Software-Ingenieuren zur Entwicklung innovativer journalistischer Formate für urbane Umgebungen mit Schwerpunkt auf Aspekten der Stadtentwicklung und der Transformation von Metropolen. 

 

: Dr. Leif Kramp
Dr.

Leif Kramp

Einrichtung: Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI)

Gebäude/Raum: LINZ4 40270
Telefon: +49 (0) 421 218 676 52
E-Mail: krampprotect me ?!uni-bremenprotect me ?!.de