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Haifischbecken und Goldfischteiche. Mikropolitik in der Wissenschaft

Veranstaltung 2019-50

Datum/Zeit: Freitag, 22.11.2019 09:00 bis 17:00 Uhr

Raum: SFG 1060

Trainerin: Dr. Veronika Fuest

Zielgruppe: Promovierende und Postdocs, die eigene Rollen beziehungs­weise Verhaltensmöglichkeiten im  Arbeitsumfeld reflektieren möchten, ihre Einflussmöglichkeiten erhöhen und ihr autonomes Handeln fördern wollen.

Goldfisch

Kennen Sie das? Entscheidungen werden unabhängig von formal existierenden Regeln gefällt, sinn­volle Vereinbarungen werden ignoriert, Expertise erweist sich bei einer Entscheidungsfindung als unwichtig, rivali­sierende Lager beeinträchtigen die konstruktive Arbeit ...

Promovierende und Postdocs haben oft eine Vielfalt von Aufgaben zu bewältigen und sind dabei in spezifische hierarchische Konstellationen eingebettet – nur kleine Fische im ‚Haifischbecken‘? Lassen sich auch ‚Goldfischteiche‘ finden, von Vertrauen geprägte Mikrowelten? Wie kann unter schwierigen Strömungsverhältnissen erfolgreich navigiert werden?
Abläufe im Wissenschaftsbetrieb werden zuweilen als unproduktiv oder frust­rierend erlebt. Wie in anderen Organisationen auch scheinen informelle, offiziell nicht sanktionierte Praktiken oft stär­ker als die formal geregelten Prozesse zu wirken. Im Wissenschaftssystem fehlen zudem besonders häufig kontrollierende Instanzen, klare Zuständigkeiten und Kompetenzen. 
Das organisationstheoretische Konzept Mikropolitik hilft Manifestationen des alltäglichen  Einsatzes von Macht in Organi­sationen systematisch zu verstehen. Auf allen Ebenen, nicht nur im Verhalten von Führungskräften, werden Eigeninteressen (die durchaus ethisch motiviert sein können) verfolgt und individuelle oder kollektive Strategien zur informellen Einfluss­nahme oder zur Vermeidung von Kontrolle eingesetzt. Durch geschicktes Agieren und Kommunizieren können also auch Promovierende und Postdocs schwierige Situationen selbst aktiv gestalten und meistern.
Der Workshop bietet Wissenschaftler*innen die Möglichkeit, auf der Basis eines analytisch-theoretischen Zugangs Machtprozesse im eigenen Umfeld und eigene Rollen in mikropolitischen Spielen - als „Opfer“ oder als „Agierende“ - zu reflek­tieren. Anhand von Fallbeispielen werden mikro­politische Praktiken in hierarchischen und kollegialen Konstellationen an der Universität analysiert und Handlungsoptionen aufgezeigt.

Inhalte

  • Wissenschaftssystem und Hochschulorganisation
  • theoretische Konzepte: Mikropolitik, Machtressourcen, Machtspiele
  • Grundhaltungen in der Zusammenarbeit
  • typische ‚Arenen‘
  • Praxisfälle
  • eigene und fremde Rollen / Spielpositionen
  • Verhaltensalternativen
  • Kommunikative Techniken

Zielgruppe
Promovierende und Postdocs, die eigene Rollen beziehungs­weise Verhaltensmöglichkeiten im  Arbeitsumfeld reflektieren möchten, ihre Einflussmöglichkeiten erhöhen und ihr autonomes Handeln fördern wollen.

Methoden
Vortrag und sukzessive Inputs durch die Trainerin, Diskussionen im Plenum, Einzel- und Klein­gruppenarbeit, Selbstreflexion, Praxisfallarbeit, Bereitstellung weiterführender Literatur­hin­weise. - Grundsätzlich orientiert sich die Moderation an den Erfahrungen und Interessen der Teilnehmer*innen. Bei Bedarf wird mit der Methode der Kollegialen Fallberatung gear­beitet.

Anmeldung

Um sich anzumelden, füllen Sie bitte mit Angabe der Veranstaltungsnummer 2019-50 dieses Anmeldeformular aus.

Dr. Veronika Fuest

Dr. Veronika Fuest

Dr. Veronika Fuest verfügt über vielfältige Erfahrungen in der Wissenschaft: multidisziplinäre akademische Qualifikation - Beteiligung an Verbundforschungsprojekten verschiedener wissenschaftlicher Einrichtungen - eigene Forschung als Ethnologin einschließlich Akteurs- und Institutionenanalysen im Feld der Wissenschaft - Wissenschaftsmanagement mit verschiedenen Aufgabenfeldern, darunter Betreuung von Ombudsangelegenheiten und interne Organisationsentwicklung - akademische Lehre, darunter Politische Anthropologie - Betreuung von Promovierenden und Mentoring - ehrenamtliche Tätigkeiten für BMBF, DFG und VolkswagenStiftung. Sie ist zertifizierte Beraterin (systemische Transaktionsanalyse) und ist selbständig  als Coach für Einzelpersonen und Teams sowie als Trainerin und Moderatorin aktiv.

Aktualisiert von: M. Sander