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Carsten Meyer-Heder wünscht sich „mehr Flughöhe“

Auf Christian Lindner folgt Carsten Meyer-Heder. Zum zweiten Mal hat der Fachbereich Wirtschaftswissenschaft einen Politiker eingeladen, um die akademische Welt zu erden. Moderiert von Dekan Professor Jochen Zimmermann geht es um die digitale Wirtschaft in Bremen unter kritischen Aspekten.

Carsten Meyer-Heder, einer der erfolgreichsten IT-Unternehmer Deutschlands, ist Spitzenkandidat der Bremer CDU und möchte gern Bürgermeister werden. Er wird in der Diskussion gerahmt von zwei Spitzenwissenschaftlern aus dem Fachbereich: Professor Maik Eisenbeiß, Marketingspezialist und Direktor des neu gegründeten „markstones Institute“, und Professor Lars Hornuf, Experte für Finanztechnologie. Erst kürzlich ist er als einer der Top-Ökonomen Deutschlands gerankt worden. Dementsprechend gut gefüllt ist der Hörsaal A 1070 im Wiwi1. 

Plan für ein Forum

So richtig konfrontativ wird die Diskussion zwar nicht, wie sollte sie auch angesichts der all bekannten künftigen Herausforderungen? Doch gibt es im Laufe der intensiv verbrachten Stunde Vorschläge,  Nachdenkenswertes mit direktem Uni-Bezug und eine konkrete Idee, die zum Auftrag wird. Professor Eisenbeiß will ihn zügig umsetzen. Studierende und Absolventen sollen in einem Forum die Möglichkeit erhalten, mit alteingesessenen Vertreterinnen und Vertretern der Bremer Wirtschaft zusammenzukommen. Meyer-Heder will sich persönlich darum kümmern. 

Keine wirklichen Innovationen

Denn, so seine überraschende Ansicht: „Startups fördern zu wollen, indem man ihnen beibringt, wie ein Businessplan geschrieben wird, ist Quatsch“. Die Geschäftsmodelle seien inzwischen „langweilig“, es gebe nur noch wenige wirkliche Innovationen in der Szene.  „Vielen Startups ging es nicht um Innovationen, sondern ums Geld“, kritisiert der IT-Unternehmer. Dabei sei Leidenschaft wichtig. „Große Unternehmen haben Leidenschaft.“ Kurzum, am liebsten wäre es ihm, wenn mit „altem Bremer Geld junge Firmen unterstützt werden.“  Mal sehen, was beim Forum der Wirtschaftswissenschaft herauskommt?

„Bremen hat ein Imageproblem“

Was aber ist mit Bremen los? Professor Hornuf, der zwischen München und Bremen pendelt, findet die Stadt an der Weser viel attraktiver. Schon wegen der vergleichsweise entspannten Wohnsituation. „In München muss ein Ingenieur doch in einem Keller ohne Sonnenlicht hausen.“ Die Studierenden lachen.  Auch Marketingspezialist Eisenbeiß stößt in das Horn: „Bremen hat ein Image- und Sichtbarkeitsproblem“, sagt er und bedauert. „Neun von zehn unserer Absolventen gehen nach Hamburg oder München. Wir schaffen Kompetenzen und verlieren sie dann wieder. Die Perspektive fehlt hier.“  Lars Hornuf will vom Kandidaten wissen, welche Wünsche er an die Universität hat.

Zu wenig anwendungsorientiert

Meyer-Heder lobt: „Wir machen viel mit der Uni, ich habe mittlerweile etwa 400 Leute eingestellt, die hier Informatik studiert haben". Allerdings müssten die erst an die Realität herangeführt werden und könnten überraschend wenig anwendungsorientiert arbeiten. Er habe zudem den Eindruck, dass in den Instituten jeder auf seins schaut, statt sich zu vernetzen. „Ich wünsche mir von der Uni mehr Flughöhe.“ Maik Eisenbeiß widerspricht: „Ich glaube nicht, dass wir unser Ding machen wollen.“

Auch mal Fehler machen

Der CDU-Politiker zählt immer wieder auf, was er in Bremen verändern möchte: Schneller werden, Neues ausprobieren, auch mal Fehler machen, verkrustete Strukturen aufbrechen, besser vernetzen und Pilotprojekte umsetzen. Klingt gut, ist aber noch wenig konkret. Da schaltet sich blitzschnell Lars Hornuf ein: „Wie wäre es mit kostenlosem W-Lan flächendeckend in Bremen?“ Meyer-Heder stutzt erst und sagt dann: „Ja“.    

 

Vier Männer lächeln in die Kamera
Diskutierten über digitale Wirtschaft (von links) Prof. Lars Hornuf, Carsten Meyer-Heder, Prof. Jochen Zimmermann, Prof. Maik Eisenbeiß
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