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Das Maltesische

Das Maltesische gehört zum semitischen Zweig der afroasiatischen Sprachfamilie und wird zu den neoarabischen Varietäten gezählt. Es ist ein relativ naher Verwandter des maghrebinischen Arabisch. Mit ca. 450.000 Muttersprachler:innen ist das Maltesische eine relative kleine, aber nicht bedrohte Sprache, die in Malta (neben Englisch) Staatssprache und im Rahmen der EU auch seit 2004 eine der 27 Arbeitssprachen ist. Das Maltesische ist die einzige semitische Schriftsprache Europas und wird im Unterschied zu vielen anderen semitischen Sprachen mit einer lateinbasierten Alphabetschrift geschrieben. Auf Malta ist mehr oder minder ausgeprägte Mehrsprachigkeit in den Kombinationen Maltesisch-Englisch und Maltesisch-Englisch-Italienisch weit verbreitet, obwohl annähernd 98% der Bevölkerung Maltas Maltesisch als Muttersprache spricht.

Um das Jahr 1240 herum begann die separate Entwicklung des Maltesischen weg von anderen arabischen Varietäten hin zu einer eigenständigen Sprache, die sich gegenüber ihren nächsten Verwandten u.a. durch das hohe Maß von hauptsächlich italoromanischen Einflüssen auf Phonologie, Lexikon und Grammatik auszeichnet. Seit dem späten 15. Jahrhundert gibt es vereinzelte Schriftdokumente auf Maltesisch, dessen endgültige (offizielle) Durchsetzung als Sprache Maltas erst in der Periode zwischen den beiden Weltkriegen erfolgte, als der Sprachenstreit zwischen Englisch, Maltesisch und Italienisch zu Ungunsten des Italienischen entschieden wurde.

Innerhalb der traditionell philologisch ausgerichteten Orientalistik (Semitistik, Arabistik) wird dem Maltesischen nur in eingeschränktem Maße Aufmerksamkeit geschenkt, da es als Forschungsobjekt mit zahlreichen anderen neoarabischen Varietäten und dem sonstigen Themenkanon der Fachgebiete zu konkurrieren hat. Seine Bedeutung für die über diesen philologisch begrenzten Rahmen hinausblickende allgemein-linguistische Forschung verlangt daher, dass dem Maltesischen ein ausschließlich ihm vorbehaltenes Forum gegeben wird. Das Maltesische ist u.a. für die Sprachkontaktforschung von größtem Interesse, weil seine Struktur eine Kombination von semitischen und romanischen Komponenten aufweist, deren Koexistenz und Zusammenspiel eine Herausforderung für kontaktlinguistische Theorien und Modelle darstellt. Gleichzeitig bestehen weiterhin viele Wissenslücken auf deskriptiv-linguistischem Gebiet, d.h. dass noch zahlreiche Phänomene des Maltesischen erstmalig beschrieben oder auf Grund neuer Erkenntnisse umgedeutet werden müssen. Die dialektale Gliederung des Maltesischen, seine soziolinguistische Ausdifferenzierung, seine Normierung und seine sprachpolitische Position sind ebenso erkenntnisreiche Forschungsfelder wie die Herausbildung einer distinkten, nicht-muttersprachlichen Varietät des Englischen auf Malta, das als Maltese English bezeichnet wird.

Damit sich am Maltesischen interessierte Linguist:innen diesen und weiteren Fragestellungen angemessen widmen können, stellt sich das Malta-Zentrum als Koordinator, Organisator und Gastgeber zu Verfügung.