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Forschungsdatenmanagement

Informationen und Unterstützungsangebote

Im Kontext der fortschreitenden Digitalisierung ist das Management von Forschungsdaten zentraler Bestandteil jeder wissenschaftlichen Untersuchung. Bereits die Ordnung zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis der Universität Bremen weist darauf hin, dass Forschungsdaten, die die Grundlage von Publikationen bilden, für mindestens zehn Jahre auf gesicherten Datenträgern vorgehalten werden sollten.

Auch Forschungsförderer wie die DFG fordern, dass Forschungsdaten für mindestens zehn Jahre auf gesicherten Datenträgern gespeichert werden. Für die Beantragung von Forschungsgeldern bei nationalen und internationalen Geldgebern ist es notwendig, einen umfassenden Datenmanagementplan zu erarbeiten. Hierzu gehört nicht nur eine Beschreibung der Datenerhebung selbst, sondern ebenso eine ausreichende Dokumentation und vieles mehr. Jeder Schritt ist so zu dokumentieren, dass Dritte bei etwaiger Veröffentlichung der Daten mit diesen arbeiten können. Nur so werden wissenschaftliche Erkenntnisse nachvollziehbar und reproduzierbar.

Auf dieser Seite finden Sie Informationen rund um das Thema des Forschungsdatenmanagements. Wir unterstützen und beraten Sie bei der Suche nach geeigneten Repositorien, der Erstellung von Datenmanagementplänen sowie in allen weiteren relevanten Fragen. Darüber hinaus bieten wir über das Promotionszentrum (BYRD) Weiterbildungskurse an.

Anfang 2019 hat der Lenkungskreis Forschungsdatenmanagement Empfehlungen zum Umgang mit Forschungsdaten an der Universität Bremen veröffentlicht. Diese wurden vom Rektorat verabschiedet sowie vom Akademischen Senat bestätigt. Diese generischen Empfehlungen dienen der allgemeinen Orientierung. Praktische und differenziertere Empfehlungen liegen in der Regel durch die wissenschaftlichen Fachgesellschaften vor. Eine Liste der bekannten und öffentlich einsehbahren Empfehlungen finden Sie auf dieser Seite.

Empfehlungen zum Umgang mit Forschungsdaten der Universität Bremen
 

Ansprechpartner*innen und Beratung

Dr. Björn Oliver Schmidt E-Mail
+49 421 218-60304
Gebäude SFG, Raum 3290

Beratung an der SuUB

Noemi Betancort-Cabrera E-Mail
+421 218-59592

Vorteile eines professionellen Forschungsdatenmanagements

Das Management von Forschungsdaten beginnt nicht erst mit der Erhebung von Primärdaten, sondern sollte vielmehr schon bei der Planung eines Projektes im Rahmen des Antrages berücksichtigt werden. Eine frühzeitige, professionelle Planung und klare Strukturierung des Forschungsdatenmanagements hat gleich mehrere Vorteile:

  • Vermeidung doppelter Arbeiten
  • Erleichterung der Einarbeitung von neuen Mitarbeiter*innen bei Fluktiation
  • Klare Zuständigkeiten für einzelne Arbeitsschritte und somit höhere Wahrscheinlichkeit für valide Daten
  • Verringerung des Risikos von Datenverlust
  • Aufwand für zukünftige eigene oder fremde Nachnutzung wird verringert
  • Nachvollziehbarkeit und Reproduzierbarkeit wird gewährleistet/Einhaltung guter wissenschaftlicher Praxis
  • Bei Veröffentlichung: Erhöhung der eigenen Sichtbarkeit durch Weiterverwendung und Zitation

 

Die FAIR Prinzipien

Vor allem auf europäischer Ebene wurden die FAIR Prinzipien geprägt, die besagen, dass Forschungsdaten findable, accessable, interoperable und reusable sein müssen. Die Nachnutzbarkeit der Forschungsdaten, die persönlich als Forscher*in veröffentlicht wurden, wird maßgeblich durch die FAIR Prinzipien bestimmt. Deswegen ist es wichtig, den eigenen Datensatz so mit Metadaten zu versehen, dass er auffindbar ist. Der Datensatz, die Variablen sowie der Projektkontext selbst müssen nachvollziehbar beschrieben sein, sodass dritte Personen damit arbeiten können.

Die GO FAIR Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, spezifische Materialien, Tools und Unterstützungsangebote zu erarbeiten, damit die FAIR Prinzipien direkt in den Forschungsprozess integriert und umgesetzt werden können.

 

Der Datenmanagementplan

Der Datenmanagementplan (DMP) strukturiert die Erhebung und Arbeit mit Forschungsdaten. Hier werden Informationen zur Projektlaufzeit, den Zuständigkeiten oder dem Projektkontext festgehalten. Sollen Forschungsdaten im Anschluss an ein Projekt veröffentlicht werden, ist ein Großteil der Arbeit schon mit dem Erstellen und Aktualisieren des DMP erledigt. Forschungsförderer, wie die DFG oder die EU, fordern einen DMP in jedem Projektantrag. Hier finden Sie eine Übersicht über die möglichen Elemente eines DMP´s. Nicht alle dort aufgeführten Dimensionen müssen zwangsläufig für ein Projekt relevant sein.

Hier finden Sie weitere Handreichungen und hilfreiche Tools zur Erstellung eines DMP:

 

Förderrichtlinien

 

Empfehlungen wissenschaftlicher Fachgesellschaften und weiterer Institutionen

 

Weitere nützliche Tools

  • LEARN - Toolkit of Best-Practice for Research Data Management

    Vorhandene Forschungsdaten recherchieren

    Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich über vorhandene Datenbestände zu informieren. Über Datenbanken oder Fachzeitschriften können entsprechende Informationen recherchiert werden. Für die Nachnutzung steht schon heute eine Vielzahl an Sekundärdatensätzen zur Verfügung. Wird ein Datenbestand nach FAIR-Prinzipien veröffentlicht erhöht sich nicht nur die Wahrcheinlichkeit einer Nachnutzung, sondern gleichzeitig auch die Sichtbarkeit der eigenen wissenschaftlichen Arbeit.

    Über professionelle Aufbereitung und Dokumentation werden Forschungsdaten nachnutzbar gemacht. Sollen Forschungsdaten nach den FAIR-Prinipien veröffentlicht werden, sind einige Vorarbeiten zu leisten. Ein wichtiger Arbeitsschritt ist dabei die Beschreibung des Datensatzes mittels standardisierter Metadatenschemata. In der Regel geben Repositoriumsbetreiber*innen vor, wie dieses Schema zur Veröffentlichung auszusehen hat. Häufig wird dabei auf international etablierte Standards Bezug genommen, die in der Regel fachspezifisch herausgegeben werden.

    Metadatenstandards (Beispiele)

    • DDI Alliance (Document, Discover, Interoperate) - Metadatenstandard für die Beschreibung und Dokumentation survey- und beobachtungsbasierter Daten in den Sozial-, Verhaltens-, Wirtschafts- und Gesundheitswissenschaften.
    • NeXus Dataformat - gängiges internationales Datenformat für die Neutronen-, Röntgen- und Myonforschung. Entwickelt von Wissenschaftler*innen und Programmierer*innen.
    • PATRIC Documentation - Umfangreiche Genom-Metadaten, die aus einer Vielzahl von Quellen in über 60 Bereichen stammen.

     

    Eine Beratung zu Metadatenstandards erhalten Sie bei Frau Betancort Cabrera.

     

    Forschungsdatenrepositorien

    Schon heute stehen dem/der Forscher*in verschiedene Repositorien zum Speichern und (Langzeit-) Archivieren von Forschungsdaten zur Verfügung. Diese sind dabei sowohl fachspezifisch als auch generisch organisiert. Welches das passende Repositorium für die eigenen Daten ist, muss individuell entschieden werden. Gerne beraten wir Sie und helfen Ihnen, das geeignete Repositorium für die eigenen Daten zu finden. Um sich einen Überblick über die vorhandenen Archivierungsmöglichkeiten zu verschaffen, gibt es mit re3data.org eine Datenbank, die eine Vielzahl an Repositorien verzeichnet.

    Soll ein Datensatz veröffentlicht und zur Nachnutzung bereit gestellt werden, ist in der Regel ein Datenschutzkonzept erforderlich. Forschungsdaten sind so zu anonymisieren, dass keine Rückschlüsse auf Einzelpersonen möglich sind. Die jeweiligen Datenschutzregelungen sind maßgebend und müssen im Rahmen des Forschungsdatenmanagements Berücksichtigung finden.

    Wie finde ich ein geeignetes Repositorium?

    • Fachübergreifende Repositorien nutzen
      • RADAR - Research Data Repositorium. Generische Forschungsdatenifnrastruktur als Dienstleistung für die Wissenschaft
    • Über die jeweiligen wissenschaftlichen Fachgesellschaften

     

    Eine Beratung zu Repositorien erhalten Sie bei Frau Betancort Cabrera und Herrn Schmidt.

    Aufbewahrung

    Forschungsförderer setzen eine Langzeitarchivierung der erhobenen Primärdaten, in der Regel für mindestens 10 Jahre, als Förderbedingung voraus. Dabei muss zwischen Archivierung und Veröffentlichung unterschieden werden. Denn sprechen datenschutzrechtliche Bedenken gegen eine Veröffentlichung und Nachuntzung der erhobenen Primärdaten, kommt lediglich eine Archivierung infrage. Diese Art von Daten können in der Regel lediglich unter ganz bestimmten Bedingungen nachgenutzt werden. Wenn Daten aufbewahrt und nicht veröffentlich werden ist insbesondere darauf zu achten, dass diese in eine sichere IT-Infrastruktur eingebettet sind. Hier schließen sichd eine Reihe weiterer Fragen an, wie z.B.: Gibt es eine Sicherungsroutine? Ist die Infrastruktur möglichst sicher gegen Angriffe von außen? Ist ein Schutz gegen Umweltschäden wie Brand oder Hochwasser notwendig und gegeben?

    Der eigene USB-Stick ist KEIN geeigneter Speicherplatz für Forschungsdaten.

    Zusätzlich besteht die Möglichkeit, einen Datensatz in einer Datenbank oder Zeitschrift verzeichnen zu lassen, sodass dieser auffindbar und unter bestimmten Bedingungen nachgenutzt werden kann, auch wenn dieser nicht über ein Repositorium zur Verfügung gestellt wird.

     

    Gutachten und Forschungsprojekte zu den rechtlichen Rahmenbedingungen

    • Forschungsprojekt DataJus - rechtliche Rahmenbedingungen des Forschungsdatenmanagements
      • Gutachten zu den rechtlichen Rahmenbedingungen des Forschungsdatenmanagements

     

    Nachnutzung und Lizenzierung

    Werden Forschungsdaten nachgenutzt ist darauf zu achten, dass die Urheber korrekt zitiert werden und die Daten nur so bearbeitet und weitergegeben werden, wie es der Dateneigener vorgesehen hat. Die Creative Commons Lizenzen (CC) sind hierbei ab Version 4.0 auch für Forschungsdaten geeignet und geben vor, wie diese Informationen angegeben werden müssen. Darüber hinaus wird hiermit festgelegt, was mit den Daten im Rahmen der Nachnutzung gemacht werden darf und was nicht.

    Sollen die eigenen Forschungsdaten möglichst häufig nachgenutzt und verbreitet werden, ist die Vergabe einer CC Lizenz immer in Betracht zu ziehen. Denn hiermit werden Rechte und Pflichten zur Nachnutzung, wie etwa die Weiterverbreitung der Forschungsdaten, geregelt. So werden nicht nur etwaige Kollaborationen gestärkt, sondern vor allem für Transparenz gesorgt.

    Eine Übersicht über die verschiedenen Creative Commons Lizenzmodelle liefert das Repositorium Radar.

     

    Eine Beratung in rechtlichen Fragen rund um das Thema Forschungsdatenmanagement und den Datenschutz erhalten Sie in der Rechtsstelle der Universität Bremen (Referat 06).

    Forschungsdatenrepositorien und Projekte an der Universität Bremen

    PANGAEA

    PANGAEA ist ein geologisches Datenrepositorium mit mehr als 350.000 Datensätzen. Es ist ein gemeinsames Projekt des Alfred Wegener Instituts, des Helmholtz Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) sowie des Zentrums für Marine Umweltwissenschaften (MARUM) an der Universität Bremen. Als Service wird die Langzeitarchivierung sowie Dokumentierung von Datensätzen, deren Publikation und Verbreitung  angeboten.

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    Qualiservice

    Das Projekt bietet eine Plattform für die Speicherung, Dokumentation und Bereitstellung von Daten aus qualitativen Interviews. Diese werden in drei Dimensionen zur Verfügung gestellt.

    • Metadaten, die das Projekt selbst beschreiben,
    • Kontextdaten über den Forschungsprozess,
    • Primärdaten, zu einem großen Anteil als Transkripte qualitativer Interviews.
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    ParlGov

    ParlGov stellt Daten über Wahlen und Regierungen aller EU und nahezu aller OECD Mitgliedsstaaten für die komplette Nachkriegszeit zur Verfügung. Die Datenbasis kombiniert Informationen von Parteien, Wahlen mit Wahlergebnissen und regierenden Parteien Kabinetten.

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    OpenEase

    Das Projekt openEase stellt eine umfangreiche, webbasierte Datenbank über Episoden zur Verfügung, im Rahmen derer Menschen und Roboter komplexe Verarbeitungsaufgaben durchführen. In diesem offenen System kann jeder Daten einpflegen sowie abrufen und eigene Software zur Ausführung nutzen.

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    AimData

    Das Projekt hat zum Ziel, eine Datenbasis für die zentralisierte Speicherung von materialwissenschaftlichen Daten aufzubauen.

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