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„Immer mehr Menschen gestalten die Raumfahrt mit“

2018 war in Bremen das Jahr der Raumfahrt. Unter dem Titel „Sternstunden 2018“ fanden zwölf Monate lang Veranstaltungen für Bremerinnen und Bremer statt, an deren Ausrichtung sich zahlreiche Mitarbeitende der Universität beteiligt haben. Anlass für die Reihe war der International Astronautical Congress (IAC) Anfang Oktober in Bremen. Er zog über 19.000 Menschen an. Federführend organisiert wurde der IAC von Professor Marc Avila und seinem Team vom Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) an der Universität Bremen.

Marc Avila steht auf einer Wiese und im Hintergrund sieht man den Fallturm.
Unendliche Weiten: Marc Avila macht Raumfahrt für Menschen greifbar.

Transfer ist für mich eine wichtige Aufgabe – und den möchte ich vor allem über Menschen machen“, sagt Marc Avila. „Wir bilden Ingenieurinnen und Ingenieure aus, die unsere Zukunft durch ihre Arbeit einmal aktiv mitgestalten werden.“ „Deswegen freue ich mich, dass wir unter den 6.500 Teilnehmenden beim IAC einen so großen Anteil an jungen Leuten hatten.“ Über die Hälfte war jünger als 35, fast 20 Prozent waren Studierende. Dass diese sich eine Teilnahme an dem renommierten Kongress leisten konnten, ermöglichte das engagierte Organisationsteam vom ZARM: Für Studierende kostete ein Ticket für den gesamten Kongress um die 100 anstatt rund 1.000 Euro.

Gemeinsam mit Kooperationspartnerinnen und -partnern in Bremen wie dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, OHB, ArianeGroup, MT Aerospace und Airbus sowie dem Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen und der Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz haben Avila und sein Team den weltweit bedeutendsten Raumfahrt-Kongress nach Bremen geholt.

„Mehr Brücken in die Gesellschaft schlagen“

„Der IAC ist aus Tradition ein Ort, an dem sich Industrie und Wissenschaft austauschen“, sagt Avila. Deswegen war er schon immer wichtig für den Transfer zwischen Forschung und Anwendung. Unser Ziel war es, zusätzlich noch stärker Brücken in die Gesellschaft zu schlagen. Wir wollten, dass sich alle hier in Bremen einbezogen fühlen – vom Schulkind bis zum Menschen im Rentenalter.“ Das ist Avila und seinem Team gelungen. Allein am 3. Oktober, dem „Public Day“ des IAC, kamen über 13.000 Gäste in die Messe Bremen, um den Raumfahrtexpertinnen und -experten über die Schulter zu schauen und die Liveschaltung zum Astronauten Alexander Gerst auf der Internationalen Raumstation (ISS) zu erleben. Fünfmal so viele Menschen besuchten zusätzlich die 170 Veranstaltungen, die in ganz Bremen im Rahmen der einjährigen Reihe „Sternstunden 2018“ angeboten wurden. Sie haben den Bremerinnen und Bremern Lust auf den Kongress gemacht und ihnen den Raumfahrtstandort vor der eigenen Haustür nähergebracht.

„Transferengagement beginnt in der universitären Lehre“

Marc Avila arbeitet an seinem Schreibtisch im Büro.
Prof. Dr. Marc Avila hat Mathematik in seiner Heimatstadt Barcelona und in Glasgow studiert. Anschließend promovierte er in Barcelona. Als Postdoktorand forschte Avila am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen. 2011 erhielt er den Ruf der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seit März 2016 ist Avila am Fachbereich Produktionstechnik – Maschinenbau und Verfahrenstechnik der Universität Bremen und Institutsleiter des ZARM.

„Die Möglichkeit, denIACin Bremen auszurichten, kam zu einem denkbar spannenden Zeitpunkt“, so der ZARM-Chef. „Gerade ändern sich die Regeln des Spiels, wie wir sie bisher kannten: Früher war Raumfahrt ausschließlich getrieben von staatlichen Interessen und der Förderung durch die großen Raumfahrtagenturen wie der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde NASA und der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Heute gibt es immer mehr private Initiativen“, sagt Avila. „Wir sind an der Schwelle zu einer Zeit, in der nicht nur große Player in der Raumfahrt zum Zug kommen: Immer mehr Menschen ergreifen über privatwirtschaftliche Initiativen die Chance, Raumfahrt mitzugestalten.“ Deswegen legt der Wissenschaftler auch so viel Wert darauf, dass Transferengagement schon in der universitären Lehre beginnt: „Wir müssen zukünftig schon im ingenieurwissenschaftlichen Studium vermehrt Kenntnisse vermitteln, die die jungen Leute dazu befähigen, ihre eigenen Ideen umzusetzen.“ Das helfe ihnen, wenn sie in einem großen Unternehmen arbeiten – aber auch, wenn sie selbst ein Start-up gründen möchten.

Im Rahmen von Studienprojekten geben Avila und seine Mitarbeitenden schon heute Studierenden die Chance, innovativ zu arbeiten. Im Programm „STERN: Student Experimental Rockets“ beispielsweise entwickeln, bauen und testen Studierende ihre eigenen Raketen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir mit unserer Strategie, Transfer mithilfe gezielter Nachwuchsförderung zu machen, Erfolg haben werden“, sagt Avila. „Bei unseren wichtigsten Kooperationspartnern hier in Bremen ist es zum Beispiel schon heute so, dass wir die meisten Mitarbeitenden dort persönlich kennen. Sie haben bei uns studiert oder promoviert. Es ist toll zu sehen, welchen Mehrwert sie in den Unternehmen erzeugen.“

Aktualisiert von: Meike Mossig