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Identitätsarbeit deutschsprachiger lutherischer Gemeinden im Ausland

Gemeindetafel Kirche USA "German Service"

Das Projekt hat deutschsprachige lutherische Gemeinden außerhalb Deutschlands zum Gegenstand. Fokussiert wird die jeweils vorfindliche Identitätsarbeit (Keupp/Höfer 1997) in Hinblick auf die konfessionelle bzw. religiöse (etwa „lutherische“ / „protestantische“ / „christliche“) und die kulturelle/ethnische/nationale (etwa „deutsche“ / „europäische“) Dimension.

Das Sample beinhaltet Vergleichsfälle aus den USA, Brasilien, Namibia und dem Iran / den Vereinigten Arabischen Emiraten. Es repräsentiert entsprechend unterschiedliche religiöse Mehrheitsverhältnisse bzw. historische Ausgangssituationen der jeweiligen deutschsprachigen lutherischen Gemeinden: Solche, die sich in einem überwiegend protestantischen Umfeld bewegen (USA), jene in einem mehrheitlich katholisch geprägtem Staat (Brasilien) und solche in religiös mehrheitlich islamischen Umfeldern (Iran/VAR). Weiterhin lassen sich die Fälle in Hinblick auf die deutsche bzw. lutherische Auswanderungs- und Kolonialgeschichte vergleichen, mit Namibia als einem besonders einschlägigen Fall der fortwährenden Bedeutung der kolonialen Dimension.

Innerhalb der Gemeindearbeit fokussiert das Projekt die alltägliche Religiosität der Gemeindeglieder (Primiano 1993) und ihre individuellen wie kollektiven Aushandlungsprozesse kultureller und religiöser Identitätsarbeit. Andererseits interessieren die lokalen liturgischen Formen und die formalen Strukturen der nationalen lutherischen Kirchen, insbesondere die theologische Ausbildung und das Verhältnis zur EKD.

Gegenwärtig stehen etliche deutschsprachige lutherische Gemeinden im Ausland vor enormen Herausforderungen in Hinblick auf ihre zukünftige Gemeindearbeit: Soll der konfessionelle wie kulturelle Zuschnitt, der bisweilen über Jahrhunderte leitend war, zugunsten einer Öffnung in beide Richtungen aufgeweicht werden oder nimmt man eine schleichende Schrumpfung zugunsten einer Bewahrung des Bestehenden in Kauf?

Vor diesem Hintergrund möchte das Projekt religionswissenschaftliche Erkenntnisse in einem empirisch wenig erforschten Gegenstandsbereich zutage fördern und einen eigenen theoretischen Beitrag zu vorgängigen Diskussionen über religiöse Identität und interreligiöses Miteinander produzieren. Der Fokus auf alltäglicher Identitätsarbeit soll weiterhin Ergebnisse für den breiteren kulturwissenschaftlichen Diskurs um Transformationsforschung, Identitätsbildung und Alltagskultur mit sich bringen.

Projektleitung
Dr. Thorsten Wettich

Laufzeit
2019-2023

Gefördert durch die American Academy of Religion und die Universität Bremen

 

Aktualisiert von: B. Stelter