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Videospielentwicklung in Asien. Kulturelles Erbe und nationale Identität

Die Rolle der Medien für den Aufbau des kulturellen Erbes und der nationalen Identitäten ist weit anerkannt und teilweise bereits erforscht. Allerdings ist die Forschung bislang weitgehend auf Massenmedien oder soziale Medien beschränkt. Die Rolle der Videospiele, obwohl eines der einflussreichsten Mediengenres vor allem für die jüngere Generation und ein wichtiger Faktor in der sozialen und kulturellen Bildung, wurde bisher übersehen. Wir fokussieren aus zwei Gründen auf Videospiele. Erstens sind sie Mainstream-Medien, die einen Großteil der Gesellschaft unabhängig von Alter, Geschlecht und sozialem Status erreichen. Sie sind in unseren Alltag eingewoben und regen die Entstehung neuer Muster sozialer Interaktion, Kommunikation und gemeinsamer Bedeutungen an. Zweitens sind Spiele zunehmend komplexe, interaktive virtuelle Welten, in denen nationale Identitäten buchstäblich von Spielentwicklern konstruiert werden: sie sind "sekundäre Welten", in denen nationale Identitäten dargestellt, Geschichten neu konstruiert und Traditionen (z.B. Religion, Kunst und Kultur) neu erfunden werden.

Videospiele tragen aktiv dazu bei, Wahrnehmungen von Normen, Werten, Identitäten und generell der Gesellschaft zu konstruieren. In Zeiten tiefer Medialisierung erhalten Akteure Informationen und Ideen aus vielen Quellen, darunter verschiedene Medien, und Spiele zählen zunehmend dazu. Spielnarrative wirken also auf die Interpretation sozialer Zusammenhänge und insbesondere auf die Konstruktion der Gesellschaft ein. Spieleentwicklung und -produktion ist ein komplexer und stark reflektierter Prozess, der unter anderem von Geschäftsentwicklern und vielen einflussreichen Akteuren in der Gesellschaft beeinflusst wird (z. B. Politiker), sodass Spielgeschichten die Gesellschaft formen und verändern können. Auf globaler Ebene finden wir zwei unterschiedliche Entwicklungen in der jüngsten Spieleentwicklung: Während die meisten Blockbuster-Spiele in den USA für ein globales Publikum entwickelt werden, entwickeln viele kleinere Spieleunternehmen erfolgreich regionale Spiele. Derzeit werden gerade in Asien neue Spiele mit Inhalten aus dem Bereich kulturelles Erbe produziert, eine Entwicklung, die mit nationaler Identitätsbildung verbunden sein kann. Dieses explorative, multidisziplinäre und internationale Projekt untersucht, wie kulturelles Erbe in Videospiel-Erzählungen umgesetzt und von Spielentwicklern in Asien genutzt wird. Durch Interviews mit einzelnen Spieleentwicklern und Spieleentwicklungsunternehmen in vier beispielhaften asiatischen Ländern, nämlich Indien, Japan, Nepal und den Philippinen, analysieren wir spezifisch Konstruktionen und Interpretationen des kulturellen Erbes in Videospielen - einschließlich Geschichte, Religion, Politik und anderen Elementen.

Projektteam:

  • Prof. Dr. Kerstin Radde-Antweiler , IR2, Universität Bremen (Philippines)
  • Prof. Dr. Xenia Zeiler, University of Helsinki, Finland (India)
  • Prof. Dr. Gregory P. Grieve, University of North Carolina, USA (Nepal)
  • Prof. Dr. Christopher Helland, Dalhousie University, Canada (Japan)

Gefördert von der University of Helsinki und dem Future Development Fund.

Aktualisiert von: H. Grünenthal