(AKAD03) Das unermessliche Meer ...

Verehrt. Gefürchtet. Bedroht?!

„Du freier Mensch, du liebst das Meer voll Kraft,
Dein Spiegel ist‘s. In seiner Wellen Mauer,
Die hoch sich türmt, wogt deiner Seele Schauer,
In dir und ihm der gleiche Abgrund klafft. (…)

(…) Und doch bekämpft ihr Euch ohn‘ Unterlass
Jahrtausende in mitleidlosem Streiten,
Denn ihr liebt Blut und Tod und Grausamkeiten,
O wilde Ringer, ewiger Bruderhass!‘‘

(Charles Baudelaire, Der Mensch und das Meer, in Die Blumen des Bösen)
 

Von jeher übt das unendlich erscheinende, stets bewegte Meer eine große Faszination auf Menschen aus. Das Meer als Mythos, Topos und vielschichtige Denkfigur begleitet die Menschheitsgeschichte von Anfang an – als „Quelle allen Lebens“, gar als ‚Prinzip aller Dinge‘, tief verankert in den unterschiedlichen (Schöpfungs-) Mythologien der Menschheit. Ohne das Meer ist menschliches Leben nicht denkbar.
Und doch ist die Zukunft der Meere und Ozeane mehr als ungewiss: Überfischung und rücksichtlose Ausbeutung von Rohstoffen, Verschmutzung und der anthropogene Klimawandel bedrohen Widerstandskraft und Anpassungsfähigkeit der Meere in zunehmenden Maße. Was also bedeuten uns die Meere heute? Die gegenwärtigen (umwelt-)politischen Bemühungen und Diskurse lassen jedenfalls große Zweifel an der Ein- und Weitsicht aufkommen…
Festzuhalten gilt: Mit dem Meer ist die Geschichte fast aller Kulturen verbunden. Dies gilt nicht zuletzt für die europäische Kultur, die im mediterranen Raum entsteht. Das Mittelmeer ermöglicht frühe Begegnungen und Austausch, setzt aber auch Grenzen und lässt Inselwelten entstehen. Die weitergehende europäische Expansion, die Entdeckung ‚neuer Welten‘ im Medium des Meeres ist zugleich auch die Geschichte der gewaltsamen Aneignung.
Es sind die Weltmeere, die die machtpolitische, ökonomische, kulturelle Zirkulation befördern; Vernetzungen und Verflechtungen ermöglichen, die unsere globalisierte Welt heute ausmachen. Auch hier schaffen die verbindenden Meere zugleich (neue) Grenzen zwischen Kontinenten, Welten und Kulturen. Kritisch gesehen ist das Meer nicht nur Transit-, Austausch- und Handelsraum, sondern stets ein Herrschaftsraum, in dem es um Konkurrenzen, um Einfluss, um (Welt-) Macht geht. Längst hat der Kampf um immer knapper werdende Ressourcen begonnen und Meere und Ozeane unterliegen wachsenden geopolitischen Interessen, werden mit Interventionen überzogen. Vor diesem Hintergrund stellen sich drängende Fragen: Wem gehört eigentlich das Meer? Und: Wer übernimmt heute Verantwortung, wer das ‚Heft des Handelns?
Mit neueren Ansätzen in der kulturellen Meeresforschung wird versucht, nicht nur mit einer interdisziplinären und multiperspektivischen Herangehensweise der Vielgestaltigkeit der Meere Ausdruck zu verleihen, sondern tradierte Ordnungskategorien der eurozentrischen Modern (wie Land / Meer, geschichtsträchtig / geschichtslos, Zentrum / Peripherie…) aufzubrechen und damit eurozentrische Sichtweisen zu vermeiden. Erst die Historisierung und Pluralisierung des Meeres ermöglicht es, Meere und Menschen in ihrem Verhältnis zu- und miteinander zu betrachten und hier – mit Blick auf zukünftige (Nachhaltigkeits-) Strategien - nach historischen und kulturellen Unterschieden und Voraussetzungen zu fragen.
Die Seminarreihe ist auf zwei Semester angelegt (WiSe 2022/23 und SoSe 2023). Erörtert werden – medial gestützt und in kritischer Auseinandersetzung – Topoi der Wahrnehmungsgeschichte der Meere, ihrer Konstruktionen und Repräsentationen in Kartografie, in literarischen und bildlichen Manifestationen und nicht zuletzt in Narrativen – hier verstanden als sinnstiftende Erzählungen. Es geht darum, die verschiedenen Dimensionen des ‚modernen‘ Umgangs mit den Meeren zu betrachten und ihr Potential für ein anzustrebendes Gleichgewicht zwischen Menschen und Meeren, Natur und Kultur auszuloten.

Literatur:
Für beide Seminare wird eine Textsammlung in Form eines Readers zur Verfügung gestellt.

Anmerkung:
Angedacht sind – abhängig von der Pandemie-Lage – Expertengespräche sowie Veranstaltungen in Form einer Exkursion und/oder eines Museums- bzw. Ausstellungsbesuches. Näheres wird in der Veranstaltung erläutert.


Dozentin:    Dr. Ursula Dreyer
Zeit:     
Gruppe A: AKAD03A - Mittwoch, 10:00 s.t. - 12:30 Uhr (mit kurzer Pause)
Gruppe B: AKAD03B - Mittwoch, 13:00 s.t. - 15:30 Uhr (mit kurzer Pause)
Die Inhalte beider Gruppen sind identisch.

Hinweis: Teilnehmerbegrenzung: 30 Personen in Präsenz (max. 40 Personen insgesamt)
Veranstaltungsart: hybrid, in Präsenz (Akademie, Raum B 0660) oder wahlweise Online-Teilnahme

Kontakt

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Maike Truschinski
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