(AKAD28) Ich schreibe, also bin ich – unsterblich?

Dieses Seminar ist geplant als Projekt über zwei Semester. Beide Teile werden nacheinander angeboten - inhaltlich in sich abgeschlossen - und können einzeln gebucht werden. Die Teilnehmer/innen sind zur aktiven Mitarbeit / Diskussion eingeladen. Es werden (literarische) Texte von bekannten und unbekannten Autor/inn/en vorgestellt als wesentlicher Schwerpunkt der gesamten Veranstaltung.
Für die Reflexionen und Betrachtungen zum Thema werden wir in diesem Seminar zwei Gedankenwege gehen, die sich kreuzen.
Erstens:
„Am Anfang war das Wort.“ Unvorstellbar lange Zeiten gab es keine Schrift.
Was tradiert werden sollte, wurde mündlich weitergegeben; berichtet, erzählt; im (kollektiven) Gedächtnis gespeichert; immer wieder nacherzählt und so bewahrt – doch vieles ging irgendwann verloren. Nur wenig von all dem Reichtum vergangener Zeiten und ausgelöschter Kulturen ist bis in die Gegenwart überliefert...
Zweitens:
(Auf-)Schreiben – aber was denn? Und warum? 
Schreiben – und lesen – sind für die allermeisten von uns selbstverständlich erlernte und geübte Kulturtechniken. Wir können uns vermutlich unseren Lebensalltag kaum vorstellen ohne (auch von uns) geschriebene Worte, Texte, Aufzeichnungen…
Was weitergegeben und tradiert werden soll, kann schriftlich aufgezeichnet und festgehalten werden; weitergereicht von Hand zu Hand. Geschriebene Texte aus Vergangenheit wie Gegenwart sind über eine sehr lange Zeit für „alle“ – die lesen können! – zugänglich, „überall“ und „jederzeit“ abrufbar, und (ausgewählte Texte) sind auch verfügbar in mehreren Sprachen. Pathetisch gesprochen: Weltwissen zwischen Buchdeckeln – und heutzutage auch anderswo ...
... und daraus abgeleitet:
Schreiben kann für manche zur (Lebens-)Aufgabe werden, zu einer Notwendigkeit:
x damit nicht vergessen wird, was war (historisches Schreiben) und was ist (Zeitzeugnisse);
xx  damit Frau oder Mann (noch lebend oder bereits gestorben) gewürdigt wird – auch und gerade über die eigene Lebenszeit hinaus (biographischs und zeitgeschichtliches Schreiben);
xxx  damit „ich“ (die schreibende Person; Ich-Erzähler/in) besser verstehen kann, was mit mir war und ist (autobiographisches Schreiben; auch therapeutisch).
Und manch ein/e Verfasser/in von Schriften lebt durch das Geschriebene über die eigene Lebenszeit hinaus. Umgangssprachlich: „Wer schreibt, der bleibt.“
Auf der einen Seite: „Die Lust zu fabulieren“ und auf der anderen: „Und wo der Mensch in seiner Qual verstummt, gab mir ein Gott zu sagen, was ich leide“ (formuliert von einem „Unsterblichen“) – zwischen diesen beiden Polen liegt wohl die Welt-Geschichte der geschriebenen Worte: schriftlich überlieferte Zeugnisse als alter und neuer Zeit.

Leitgedanken zu erstens:
-   Können wir kommunizieren ohne schriftliche Äußerungen?
-   Kommunikation im gegenwärtigen Alltag: was „muss“ aufgeschrieben werden?
-   Mitteilungen ohne Schrift – und auch ohne Worte? Auf-Zeichnungen aus fernen Zeiten
-   Gemalte / gezeichnete Botschaften: Überlieferungen aus schriftlosen Kulturen

Leitgedanken zu zweitens:
-   Schreiben als Aufgabe, als „Notwendigkeit“ – Mitteilungen, um besser zu verstehen: andere Menschen, „die Welt“, sich selbst.
-   Das geschriebene Wort wird erst lebendig, wenn andere es lesen.
-   „Vorgestern“ und „gestern“ geschriebene Aufzeichnungen – heute gelesen und jetzt für uns lebendig?
-   Eine Faszination des Schreibens: Texte/Geschichte/n können Lebens-Zeiten überdauern; „verewigte“ Geschichte/n?
-   Wer kennt nicht den Satz: „Das solltest Du aufschreiben!“ Wenn „ja!“, dann: Aber was denn? Und für wen?
-   Provokativ gefragt: Ich schreibe, also werde ich unsterblich?


Dozentin:          Barbara Hoffmann-Gabel, M.A. (Supervisorin)
Zeit:                   8 x Freitag, 10:00 s.t. - 11:30 Uhr
Termine:           28.10. + 04.11. + 11.11. + 18.11. + 25.11. + 02.12. + 09.12. + 16.12.2022
Hinweis:         Teilnehmerbegrenzung: 30 Personen
Veranstaltungsart
:       Online-Seminar

 

Kontakt

Wir sind für Sie da:

Nicole Lehmkuhl
Maike Truschinski
Jaroslaw Wasik

Büro:
Zentralbereich / Raum B0670
Bibliothekstraße 2A

Sprechzeiten:
Mo - Fr 10:00 - 12:00 Uhr

Telefon: 0421- 218 61 616
Telefax: 0421 - 218 61 606
eMail: seniorenprotect me ?!uni-bremenprotect me ?!.de

Sie möchten sich anmelden?

[Zur Online-Anmeldung]