Zum Hauptinhalt springen

Event

Aus den Akten auf die Bühne - Keine Zuflucht. Nirgends. Die Konferenz von Evian und die Fahrt der St. Louis (1938/39)

Veranstalter: Eva Schöck-Quinteros, FB 8
Ort: Theater am Leibnizplatz
Beginn: 30. November 2020, 19:30 Uhr
Ende: 30. November 2020, 22:00 Uhr

Szenische Lesung mit der bremer shakespeare company:

1938 können sich 32 Staaten auf der Evian-Konferenz nicht auf die Aufnahme von 500.000 jüdischen Verfolgten einigen. Der Umgang der Länder mit Migration und Flucht ist Thema der szenischen Lesung aus der Reihe „Aus den Akten auf die Bühne“. 

Nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 nahm die Verfolgung von Jüdinnen und Juden im Deutschen Reich immer mehr zu. Für viele war der einzige Ausweg die Flucht. Doch wohin? US-Präsident Franklin D. Roosevelt lud zu einer internationalen Konferenz ein, die im Juli 1938 in Evian am Genfer See stattfand. Es wurde debattiert, diniert und um Einwanderungsquoten gefeilscht. Am Ende erklärte sich kein Staat bereit, seine Grenzen für die Verfolgten zu öffnen. Durch die Novemberpogrome 1938 verschärfte sich die Lage dramatisch.

Die Irrfahrt der St. Louis

Im Mai 1939 legte die St. Louis in Hamburg mit 937 Kindern, Frauen und Männern an Bord Richtung Kuba ab. Den Hafen von Havanna in Sichtweite wurde der St. Louis die Einfahrt verweigert. Auch die USA und Kanada lehnten die Aufnahme an. Nach tagelangen Verhandlungen musste das Schiff beidrehen und zurück nach Europa fahren. Am 17. Juni 1939 durfte die St. Louis in Antwerpen anlegen. Die Passagiere wurden auf Großbritannien, Belgien, Frankreich und die Niederlande verteilt. Viele von ihnen gerieten nach der Besetzung durch die deutschen Truppen in die nationalsozialistische Vernichtungsmaschinerie, wurden deportiert und in Konzentrationslagern ermordet.

Im neuen Projekt von „Aus den Akten auf die Bühne“ wird am Beispiel der Konferenz von Evian und der Fahrt der St. Louis der Umgang der Staaten mit Migration und Flucht verhandelt. Zeugnisse der Fahrt und der Schicksale der Geflüchteten werden in der szenischen Lesung zum Sprechen gebracht. Die Veranstaltung verbindet die Geschichte mit der Gegenwart, um zu der Einsicht beizutragen, die der schwedische Schriftsteller und Journalist Göran Rosenberg, Sohn zweier jüdischer Holocaustüberlebender, im Berliner Tagespiegel 2015 eingefordert hatte: „Während die Europäer geradewegs gen Evian schlafwandeln, sollen sie wenigstens wissen, dass sie es tun. Und eine vereinte Anstrengung zum Aufwachen unternehmen.“ 

Karten unter www.shakespeare-company.com, Tel.: 0421-500333