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„rent a teacherman“ unterstützt „Jungenschule“

Das Projekt „rent a teacherman“ der Universität unterstützt Grundschulen in Bremen und Bremerhaven, in denen es zu wenige männliche Fachkräfte gibt. Seit kurzem gehört auch die einzige „Jungenschule“ im Land Bremen dazu – das Förderzentrum für soziale und emotionale Entwicklung.

Schulaufsicht und Schulleiter hatten bei dem Uni-Projekt angefragt, ob diese spezielle Schule Unterstützung durch studentische Assistenzkräfte bekommen könnte. „Für diese Schüler sind männliche Orientierungsmöglichkeiten sehr wichtig“, sagt der Projektleiter von „rent a teacherman“, Dr. Christoph Fantini der Universität Bremen. Die Einrichtung benötige engagierte und zugewandte männliche Pädagogen, die auch eine hohe Sensibilität und Reflexionsfähigkeit für diversitätssensible Themen hätten. „Und die sind bei uns bekanntlich gut zu finden.“

Der Erziehungswissenschaftler erklärt weiter: „Da die Lerngruppen in dieser Schule sehr klein sein müssen, lässt sich auch in Corona-Zeiten dort viel tun.“ Die Bedeutung eines guten Angebotes sei durch die aktuelle Situation vermutlich noch viel wichtiger. „Das Homeschooling hat besonders problematische Effekte für Schülerinnen und Schüler in weniger privilegierten familiären Lagen.“ Und dazu könne man die Schüler in der „Jungenschule“ durchaus zählen. Fantini bedauert, dass es für diese Gruppe noch nicht überall ausreichende adäquate Angebote im Regelschulsystem gibt. „Es wäre wünschenswert, wenn die Ausweisung dieser besonders benachteiligten Jungen aus den Regelangeboten durch frühzeitige Förderinitiativen besser vermieden werden könnte“, appelliert er an die Politik. Inklusion sollte möglichst umfassend auch hier zur Geltung kommen, damit das Stigma der gesonderten Beschulung gar nicht erst in die Biografie der Kinder und Jugendlichen eingeschrieben werde.

„Wertvolle Unterstützung für alle“

„Wir freuen uns sehr über die Unterstützung durch das Teacherman-Projekt an unserem Standort“, sagt Schulleiter Bastian Hartwig. „Die komplexen Entwicklungsthemen unserer Schüler finden in der Ergänzung des Teams durch die jungen Kollegen sehr wertvolle Interaktionspartner, die in der unmittelbaren Beziehungsarbeit neue Impulse und vor allem wesentliche alternative Erfahrungen in die teils stark belasteten Biografien unserer Schüler einbringen.“ Dies berge gleichwohl für die Schüler, das Team als auch für die jungen Kollegen ein großes Potential positiver Wirksamkeitserfahrungen und erstaunliche Erkenntnisse hinsichtlich rollenspezifischer Beziehungsdynamiken im pädagogischen Handeln.

Studierende profitieren von Erfahrung mit Schülern

Für die Lehramtsstudenten ist diese Tätigkeit eine wertvolle Erfahrung und für beide Seiten offenbar eine Win-Win-Situation: „In Situationen, in denen die Schüler mich über meine Interessen und Meinungen ausfragen und sich an mir orientieren, merke ich, dass sie männliche Bezugspersonen brauchen. Deswegen bin ich bei rent a teachermen dabei“, sagt Jonas Taucke. Sein Kommilitone Finn Schmidt ergänzt: „Bei vielen Schülern habe ich mit der Zeit gemerkt, wie sich aus anfänglicher Skepsis Vertrauen entwickelte und sie mittlerweile tiefgründige Gespräche mit mir führen und auch gezielt suchen.“

Über das Projekt „rent a teacherman

Das Modellprojekt „rent a teacherman“ gibt es seit 2012 und ist eine Kooperation zwischen der Universität und der Bremischen Bildungsbehörde. Seitdem arbeiten Lehramtsstudenten als pädagogische Assistenten in Grundschulen in Bremen und Bremerhaven. Vorbereitet und begleitet werden sie dafür durch erziehungswissenschaftliche Veranstaltungen der Universität. Was klein begann, ist inzwischen nicht nur bundesweit ein anerkanntes Modellprojekt. 2015 vergab der Council of Europe das Prädikat „good practice for gender equality in education in germany". Das Projekt soll den Kindern während der Schulzeit eine männliche Ansprechperson bieten. Die „Teachermen“ erhalten für ihre Einsätze ein kleines Honorar.

Zu wenige Männer an Schulen

In Bremen gibt es laut Fantini aktuell zehn Grundschulen ohne eine einzige männliche Fachkraft. „Die komplette Abwesenheit von Männern wirkt nicht nur für Jungen und Mädchen extrem stereotypisierend in Bezug auf die eigentlich gewünschte Vielfalt von Geschlechtsrollenmodellen“, sagt er. „Es fehlen auch vor allem für Jungen männliche Ansprechpartner in Situationen, in denen sie sich nicht so gerne an eine Frau wenden wollen beziehungsweise einfach den Wunsch nach einem Gegenüber des gleichen Geschlechts haben.“ Dass grundsätzlich weibliche Ansprechpartnerinnen für Mädchen vorzuhalten seien, wie etwa auf Klassenfahrten, sei längst selbstverständlich. „Für Jungen ist die Situation anders.“

Ziel: Pool mit qualifizierten Lehramtsstudenten aufbauen

Kurzfristig lasse sich an der beschriebenen Situation bezüglich der Zusammensetzung des festangestellten Lehrpersonals nur begrenzt etwas ändern, so der Wissenschaftler. Deshalb soll ein Pool mit qualifizierten Lehramtsstudenten aufgebaut werden. Grundschulen – insbesondere solche ohne männliche Fachkräfte –  sollen Fachkräfte für vorübergehende Einsätze anfragen können. Einsatzmöglichkeiten sollen beispielsweise Jungenarbeitsprojekte oder Arbeitsgemeinschaften (AGs) sein, wie Kochen, Lesen, Nähen, Gartenbau oder Sport, Klassenfahrten, Schwimmunterricht, geschlechterhomogene Einheiten für Jungen zur Sexualkunde sowie andere Gelegenheiten. „Wir richten uns da ganz nach dem Bedarf der jeweiligen Schule“, so Fantini.

Weitere Informationen:

www.maenner-in-die-grundschule.de
 

Fragen beantwortet:

Dr. Christoph Fantini
Projektleitung „rent a teacherman“
Fachbereich 12 – Erziehungs- und Bildungswissenschaften
Universität Bremen
E-Mail: cfantiniprotect me ?!uni-bremenprotect me ?!.de

 

 

Zwei junge Männer schauen in die Kamera
Für die Lehramtsstudenten Jonas Taucke (li.) und Finn Schmidt ist ihre Tätigkeit als „Teacherman“ der Universität Bremen eine wertvolle Erfahrung.
Männer sitzen um einen Tisch herum und schauen in die Kamera
Das Projekt „rent a teacherman“ unterstützt Grundschulen in Bremen und Bremerhaven, in denen es keine oder nur wenige männliche Fachkräfte gibt. Das Bild zeigt ein Arbeitstreffen vor der Pandemie.