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Experte von der Universität Bremen für Faktencheck der Sendung „Hart aber fair“ ausgewählt

Dr. Roland Windt vom Zentrum für Sozialpolitik beurteilt Preisentwicklung bei Medikamenten und Forschungsausgaben der Pharmaindustrie

Nr. 213 / 25. Juni 2013 KG

„Pillen, Vorsorge, Gentest – ist Gesundheit programmierbar?“, war am Montagabend, 24. Juni 2013, Thema in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ mit Moderator Frank Plasberg. Was die Gäste in der häufig turbulenten Diskussion behaupten, wird anschließend von Experten geprüft und auf der Homepage des WDR anderntags im Faktencheck veröffentlicht. Bei der aktuellen Sendung war Dr. Roland Windt, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen, einer der beiden Experten. Windt befasst sich mit Versorgungsforschung sowie Arzneimittelberatung und Arzneimittelinformation. Kürzlich veröffentlichte der Pharmazeut eine Studie zur Versorgung mit innovativen Medikamenten und arbeitet an einem Projekt zur frühen Nutzenbewertung von Arzneien.

Werden Medikamente teurer, weil mit ihnen heute Krankheiten behandelt werden können, die vor zehn Jahren noch nicht behandelbar waren?; Gibt die Pharmaindustrie tatsächlich lediglich zehn Prozent ihres Budgets für Forschung aus und verwendet einen weit größeren Anteil für Werbung und Marketing?, lauteten zwei der Fragen aus der Sendung, die jetzt im Faktencheck geprüft wurden. Für den erwähnten Anstieg des Medikamentenkonsums ist eher nicht die Innovationskraft der Pharmaindustrie verantwortlich, vielmehr könnten auch andere Gründe wie zum Beispiel die Überversorgung mit Arzneimitteln und die Vernachlässigung alternativer nichtmedikamentöser Maßnahmen verantwortlich sein, urteilt der Experte der Universität Bremen auf der Homepage des Senders. Symptome, denen früher nur ein geringer Krankheitswert zugemessen wurde, seien nun zu therapiebedürftigen Krankheiten erklärt worden. Windt nennt als Beispiel ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung). Für das Standardmittel Ritalin seien die Verordnungszahlen im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung von 17 Millionen Tagesdosen im Jahr 2002 auf 56 Millionen Tagesdosen im Jahr 2011 angestiegen. Mit der Behauptung, die Pharmaindustrie gebe nur zehn Prozent ihres Budgets für Forschung aus, habe der Schauspieler Hannes Jaenicke recht, so Roland Windt zu einer weiteren Frage. Statistiken zeigten, dass die Anteile für Marketing und Verwaltung bei den Pharmakonzernen häufig über 30 Prozent liegen. Die Budgets für Forschung und Entwicklung seien meistens maximal nur halb so groß. Häufig ließe sich dies nur schwer nachprüfen. Darin waren sich viele der Studiogäste wie auch der Experte der Bremer Universität einig: Die Pharmaindustrie arbeitet oft noch zu intransparent und sollte sich mehr öffnen, dies würde ihren Ruf verbessern.

Informationen zum Faktencheck
http://www1.wdr.de/themen/politik/faktencheck298.html
http://www1.wdr.de/themen/politik/experte_faktencheck108.html


Weitere Informationen

Universität Bremen
Zentrum für Sozialpolitik
Dr. Roland Windt
Tel.: 0421 218 58519
E-Mail: rwindtprotect me ?!zes.uni-bremenprotect me ?!.de