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Ein Projekt der Afrikaforschung an der Universität Bremen

30 Jahre „African Development Perspectives Yearbook”

Von Fragen der Industrialisierung, der Agrarentwicklung und der Armutsbekämpfung bis hin zu Wissenschaft, Technologie und Innovation als Voraussetzungen für inklusives Wachstum in Afrika reichen die Themen, die im Jahrbuch abgehandelt werden. Drei Jahrzehnte afrikanischer Entwicklungen und Politikreformen sind im Fokus dieses Publikationsprojektes der Bremer Universität gewesen, und das Projekt wird weitergeführt. Die Forschungsgruppe Afrikanische Entwicklungsperspektiven Bremen unter der Leitung von Prof. Dr. Karl Wohlmuth und das Institut für Weltwirtschaft und Internationales Management (IWIM) am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft der Universität Bremen haben dieses Bremer Entwicklungsprojekt für Afrika begründet. Vor wenigen Wochen ist nun der Band für 2019 des „African Development Perspectives Yearbook“ erschienen. Der Titel des englischsprachigen Bandes lautet „Science, Technology And Innovation Policies For Inclusive Growth In Africa – Human Skills Development And Country Cases” („Wissenschafts-, Technologie- und Innovationspolitiken für inklusives Wachstum in Afrika – Entwicklung der menschlichen Fähigkeiten und Länderstudien“).

Die Forschungsgruppe unter der Leitung von Professor Dr. Karl Wohlmuth startete mit ihrer Arbeit bereits 1988 und gab seinerzeit den Band 1 des Afrika-Jahrbuchs mit dem Titel „Human Dimensions of Adjustment“ („Menschliche Dimensionen der Anpassung“) im Jahr 1989 heraus. Dieser Band fand sehr großes Interesse, weil eine neue und kritische Sicht auf die Vorschläge von internationalen Finanzorganisationen für Wirtschaftsreformen in Afrika präsentiert wurde. In den 30 Jahren von 1989 bis 2019 wurden immer wieder zentrale Fragen der afrikanischen Entwicklung unter dem Gesichtspunkt der notwendigen Politikreformen aufgegriffen und tiefschürfend abgehandelt. Wichtige Themen waren etwa: Industrialisierung auf der Basis landwirtschaftlicher Entwicklung; Energie für Afrikas Entwicklung; Aktive Arbeitsmarktpolitiken für Afrika; Regionale Chancen und Perspektiven der Beschäftigung; Governance und ökonomische Entwicklung; Economic Empowerment von kleinen Produzenten in Afrika; Afrikas Reintegration in die Weltwirtschaft; Privatsektorenentwicklung und Entrepreneurship Development in Afrika; Öffentliche und private Wirtschaftssektoren in Afrika im Gleichgewicht; Auswege aus dem Dilemma der Primärgüterexporte; Rohstoffabhängigkeit und Exportdiversifizierung in Afrika; Neue Wachstums- und Armutsbekämpfungsstrategien für Afrika; Internationale, regionale, institutionelle und lokale Strategien der Armutsbekämpfung in Afrika; die Auswirkungen der globalen Finanzkrise auf die Wirtschaftsreformen in Afrika; die Formierung und Implementierung makroökonomischer Politiken in Afrika; Afrikas Fortschritte bei der regionalen und globalen Wirtschaftsintegration, und nun in zwei Bänden für 2018 und 2019 die Thematik der Wissenschafts-, Technologie- und Innovationspolitik als Hebel für eine inklusive Wachstumspolitik in Afrika.

Einige dieser Themen für das Jahrbuch wurden vorab auf internationalen Konferenzen in Bremen diskutiert. Die Herausgabe der Bände und die Prüfung der Beiträge für die Jahrbuchbände 2018 und 2019 wurde von einem Team von Wissenschaftlern/Wissenschaftlerinnen aus afrikanischen Ländern (Sudan, Ägypten, Nigeria, Kamerun) unterstützt. Dieses Verfahren bewährte sich auch bei der Publikation der früheren Bände. Die Forschungsgruppe hat mit diesen Bänden die internationale Diskussion über die afrikanischen Entwicklungsperspektiven maßgeblich beeinflusst – nicht nur durch diese Publikationen, sondern auch durch Workshops und Konferenzen, durch die Einwerbung von drittmittelfinanzierten Forschungsprojekten, durch die Bereitstellung von Arbeitsplätzen für Gastprofessoren und Stipendiaten am IWIM und am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft in Bremen, durch die zeitnahe Besprechung von einschlägigen Büchern und Schriften von und über Afrika, durch den Aufbau von Netzwerken der internationalen Forschung über und mit Afrika, und durch die Übernahme von Beratungsaufgaben für internationale Organisationen in mit Bezug zu Afrikas Entwicklungsproblemen. Im Jahr 2016 wurden die Bände für die Jahre 2016 und 2017 von der UN-Wirtschaftskommission für Afrika (UNECA) in Kigali einem interessierten afrikanischen Publikum vorgestellt.

Immer mehr afrikanische Autoren beteiligen sich an den Arbeiten der Jahrbuchgruppe. Ein internationales Netzwerk von Institutionen, Partnern und Experten wurde aufgebaut und ermöglicht es so, das Jahrbuch kontinuierlich weiter zu entwickeln. Im Laufe der Jahre gelang es immer besser, afrikanische Herausgeber und Autoren in das Projekt einzubinden und die Themen noch stärker auf afrikanische Belange und Interessen abzustellen. Auch die Leserschaft hat sich mit den Jahren gewandelt. Immer mehr afrikanische Universitäten, Forschungsinstitute, Medien, private und öffentliche Organisationen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) nutzen das Jahrbuch für ihre Arbeit. An den Bänden für die Jahre 2020, 2021 und 2022 wird derzeit gearbeitet. Die Themen beziehen sich auf die Planungen und Politiken in Afrika für die Realisierung der Nachhaltigkeitsziele der Globalen Agenda 2030 und auf die Chancen der digitalen Transformation für Unternehmen in Afrika. Zahlreiche Experten/Expertinnen, vor allem auch aus Afrika, arbeiten derzeit an ihren Studien. Durch Peer Reviews wird die Qualität der Beiträge gesichert.

Durch Forschungsprojekte wird die Herausgabe dieser Bände unterstützt. Ein aktuelles Forschungsprojekt der Forschungsgruppe Afrikanische Entwicklungsperspektiven Bremen thematisiert die Frage, ob die Tendenzen der De-Industrialisierung in Afrika durch die globalen technologischen Entwicklungen und durch die globale digitale Transformation eher verstärkt oder aber abgeschwächt werden. Das neue Thema ist von hoher Politikrelevanz, weil vielfach nicht nur der Industriesektor in Afrika vor großen Problemen steht, sondern auch der Landwirtschaftssektor unter strukturellen Problemen leidet. Ziel der Forschungsarbeit ist es daher, die Grundlagen einer neuen Industrie- und Landwirtschaftspolitik für Afrika zu erarbeiten, die auf kohärenten Wissenschafts-, Technologie- und Innovationspolitiken beruhen.

Informationen über die neue Publikation:
African Development Perspectives Yearbook 2019
Science, Technology And Innovation Policies For Inclusive Growth In Africa - Human Skills Development And Country Cases,
Edited by Achim Gutowski, Nazar Mohamed Hassan, Tobias Knedlik, Chantal Marie Ngo Tong, Karl Wohlmuth,
LIT Verlag Wien, Zürich 2020
ISBN 978-3-643-91173-5 (pb)
ISBN 978-3-643-96173-0 (PDF)
i-xxxvi und 527 Seiten und i-x


Infos über die Publikationsreihe: 1989-2019
http://www.iwim.uni-bremen.de/index.php?content=345&lng=de
http://www.lit-verlag.de/reihe/adpy

Auskunft über das Jahrbuch-Projekt gibt:
Prof. Dr. Karl Wohlmuth
Universität Bremen
FB 7/Fachbereich Wirtschaftswissenschaft
WiWi 2 (Haus am Fleet), 2. OG, Max von Laue-Straße 1, Raum F 2240
E-Mail: wohlmuthprotect me ?!uni-bremenprotect me ?!.de

African Development Perspectives
Aktualisiert von: Redaktion