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Digitales Kuratieren: Visuelle Geschichte des Holocaust

Laufzeit (2019 -2022)

Das Projekt „Visual History of the Holocaust: Rethinking Curation in the Digital Age“ wird im Rahmen des EU-Programms Horizon 2020 als Innovation Action mit rund 5 Mio. Euro gefördert. Die Projektlaufzeit beträgt vier Jahre mit Start im Januar 2019. Der Holocaust ist ein zentraler Bezugspunkt europäischer Geschichte und eine Art „negativer Gründungsmythos“ der Europäischen Integration. Die Frage nach seinen bisherigen Darstellungen und seiner Darstellbarkeit stellt sich im digitalen Zeitalter nochmals neu. Was bedeutet es unter diesen Vorzeichen, filmisches und anderes Kulturgut von höchster geschichtlicher Brisanz digital zu kuratieren? Ein Konsortium aus 13 österreichischen, deutschen, israelischen und französischen Forschungseinrichtungen, Museen, Gedenkstätten und Technologieentwicklern wird dazu gemeinsam mit amerikanischen Partnern beispielgebende Konzepte und Anwendungen entwickeln.
Das schwierige Thema des Holocaust und seiner visuellen Darstellung ist der Ausgangspunkt neu zu überdenken, was digitales Kuratieren generell bedeutet. Im Zentrum des Projekts stehen die bislang kaum für die Öffentlichkeit erschlossenen filmischen Dokumente, die von alliierten Streitkräften in befreiten Konzentrationslagern sowie an anderen Stätten nationalsozialistischer Verbrechen angefertigt wurden. Obwohl sie nur einen bestimmten Aspekt des Holocaust zeigen, haben einige bekannte Filmaufnahmen die leere Stelle der fehlenden Bilder besetzt und die Vorstellung vom Holocaust nachhaltig geprägt. Diese auf Archive in den USA, Großbritannien, Russland und anderen früheren Sowjetrepubliken verstreuten Filmdokumente werden erstmals zentral zusammengeführt, nach neuesten Kriterien digitalisiert, analysiert und erschlossen, um sie in weiterer Folge mit Fotografien, Schriftdokumenten, Oral History Interviews mit Überlebenden, Kameraleuten und anderen Zeugen, aber auch mit später produzierten filmischen Werken zu verknüpfen.
Bei der Arbeit mit den Filmen kommen verschiedenste digitale Technologien zum Einsatz, darunter avancierte Digitalisierung, automatische Bild- und Textanalyse, zeitbasierte Annotation und standortbezogene Dienste. Ein Ziel ist die Herstellung neuer Sinnzusammenhänge für die Forschung in Fachgebieten wie Geschichte, Film- und Medienwissenschaft, Cultural Studies und Computerwissenschaft. Darüber hinaus werden neuartige Vermittlungsanwendungen für Gedenkstätten, Museen und Bildungseinrichtungen entwickelt und erprobt. Mehrere Gedenkstätten sind als Partner direkt am Konsortium beteiligt: die KZ‑Gedenkstätte Dachau, die KZ-Gedenkstätte Mauthausen und die Gedenkstätte Bergen-Belsen.

: Prof. Dr. Winfried Pauleit
Prof. Dr.

Winfried Pauleit

Einrichtung Kunst (Kunst),
Einrichtung Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI)

Gebäude/Raum: GW2 B3930
Telefon: +49 (0) 421 218 677 20
E-Mail: pauleit[at]uni-bremenprotect me ?!.de