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Nur ein Klick!?

Brücken in den Beruf

Leitung: Prof. Dr. Karsten Wolf

ZeMKI Lab: "Medienbildung und Bildungsmedien"

Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung

Auf dem 10. IT-Gipfel der Bundesregierung in Saarbrücken stellte ZeMKI-Mitglied Prof. Dr. Karsten D. Wolf einen App-Prototypen zur Unterstützung informellen Lernens mittels Erklär- und Performanzvideos vor. Das ZeMKI-Lab „Medienbildung und Bildungsmedien“ konzipierte im Stil des „Design Based Research“-Ansatzes den Prototyp einer „Social Video“-App „ski115“ zur Unterstützung von Interessensbildung, Selbstdarstellung, Vernetzung und Berufseinstieg.

Etwa 800.000 Kleinbetriebe mit un ter 10 Beschäftigten suchen Jahr für Jahr Auszubildende und habenvielfach größte Probleme, den für sie passenden Auszubildenden zu fnden. Gleichzeitig lösen ca. 23 % der Auszubildenden Jahr für Jahr ihren Ausbildungsvertrag vorzeitig auf; in Zahlen handelt es sich dabei um eine Größenordnung von ca. 130.000 Jugendlichen. Jedes Jahr bleiben zehntausende Ausbildungsplätze unbesetzt. Die Existenz von Kleinbetrieben ist in diesem Zusammenhang besonders gefährdet. Welchen Beitrag könnten soziale Medien zur Lösung dieses Problems beitragen? Das Lab ‚Medienbildung und Bildungsmedien“ am ZeMKI konzipierte dazu im Stil des „Design Based Research“-Ansatzes den Prototyp einer „Social Video“-App „ski115“ zur Unterstützung von Interessensbildung, Selbstdarstellung, Vernetzung und Berufseinstieg. Grundidee ist es dabei, orientiert an den lebensweltlichen Interessen der Jugendlichen einen redaktionell betreuten, frei von kommerziellen Verwertungsinteressen niedrigschwelligen Handlungsraum für die Entwicklung und Präsentation informell erworbener individueller (beruflicher) Kompetenzen Jugendlicher in Form von Erklärvideos und Tutorials anzubieten. Innovativ ist dabei die Möglichkeit, Erklärvideos zu „skillen“, also das eigene Nachmachen per Foto und Video zu dokumentieren. Das Konzept von ski115 ist keine klassische Online-Community im Sinne z.B. von Facebook, sondern stellt eher ein mediatisiertes Lernkollektiv dar. Dieses kann als eine Vergemeinschaftung des gemeinsamen selbstorganisierten Lernens verstanden werden, welche über Interessen und Dokumentation konstituiert wird. Eine Gruppe von Menschen dokumentiert öffentlich ihre Lernund Problemlösungsprozesse. Es bedarf im Gegensatz zu sogenannten Communities of practice nur einer einmaligen Interaktion, um zu dem Lernkollektiv beizutragen. Ein Videobeitrag oder ein erläuternder Kommentar kann – auch wenn der oder die Autor/in sich gar nicht mehr mit dem Thema beschäftigt - später Lernenden den entscheidenden Hinweis zum Erwerb einer Fertigkeit oder zur Lösung eines Problems geben. Lernkollektive spannen sich also um Interessen, Fragen und zu lösende Probleme auf. Der Prototyp verbindet („digitale Brücke“) lebenspraktische bzw. interessensgeleitete informelle Lernprozesse („interest-driven“ groups and practices) einerseits, mit formalen, professionell begleiteten Lehrprozessen zur Ausformung von Berufsorientierung und (beruflicher) Expertise andererseits. So bieten Performanz- und Erklärvideos zunächst eine hervorragende Möglichkeit, sich mit einem Thema stärker zu beschäftigen und herumzuprobieren („messing around“). Darauf aufbauend können Themen aus der Freizeit professionalisiert werden („geeking out“; vom Hobby zum Beruf: z.B. von der Beschäftigung mit BMX-Fahrrädern zum Arbeiten in einer Fahrradwerkstatt; vom Gestalten eigener Textilien zur Schneiderlehre). Aktuell wird der Prototyp zusammen mit dem Bundesinstitut für Berufliche Bildung und Partnern aus der beruflichen Bildung weiterentwickelt.

Aktualisiert von: Florian Maier